Maskulisten, Homophobie & Wodkaboykott

Twitter & Frauenhaß, Pogromstimmung in Rußland, Vergewaltigungsanzeige als Empowerment, Liebe, Treue & Politik, Black Salt Collective, Karenz, Nerd*innen & Looks, Dickendiskriminierung schädigt Psyche, Pussy Riot Unterstützer tot und Maskulisten verschwinden nicht, wenn man sie ignoriert & burmesische Punks.

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Aus Protest gegen die russische Homosexuellenpolitik kein russischer Wodka mehr:

In US-amerikanischen und britischen Schwulenbars gibt es sie schon eine ganze Weile, die Aufrufe zum Boykott von russischem Wodka. Nun kommt der Trend in Deutschland an. „Wir servieren keinen russischen Wodka“, heißt es etwa in einem Facebook-Eintrag des Clubs Woof Berlin. Damit protestieren Homosexuelle gegen neue Gesetze in Russland, die Schwule und Lesben betreffen.

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Geringschätzung macht dicke Menschen psychisch krank. Das haben jetzt auch Forscher untersucht:

Überrascht hat die Forscher, dass stark übergewichtige Menschen nicht seltener medizinische Hilfe suchen, sondern häufiger. Das deckt sich allerdings mit früheren Untersuchungen, die steigende Krankheitskosten mit zunehmendem Übergewicht ergeben hatten. Die Hilfesuche bei Ärzten könnte auch ein Hinweis darauf sein, dass die Betroffenen nicht glauben, sich noch selbst helfen zu können – ein typisches Problem depressiver Patienten. Inwieweit auch Übergewichtige unter dieser gelernten Hilflosigkeit leiden, ist noch nicht untersucht.

Aus früheren Studien ist auch bekannt, dass Übergewichtige seltener Vorsorgeuntersuchungen und Früherkennungsprogramme nutzen als Normalgewichtige. Eine Erklärung ist, dass sie auch beim Arzt fürchten, stigmatisiert zu werden – wofür es wiederum Belege gibt: Ärzte und Pflegekräfte haben gegenüber Dicken die gleichen Vorurteile wie die Allgemeinbevölkerung. Sie sind weniger motiviert, Übergewichtige zu behandeln, und wenden für dicke Patienten weniger Zeit auf als für schlanke, schreiben die Autoren.

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Die burmesischen Punks demonstrieren gegen Gewalt an Moslems:

Mönche gelten in Birma, wo der Buddhismus zur Identität gehört, als unangreifbar. Deshalb schweigen viele. Andere rechtfertigen die Übergriffe damit, Muslime seien eine Bedrohung für Birmas Kultur und Traditionen.

„Die Leute sollten sich die Lehren Buddhas anschauen und fragen, hat er das im Sinn gehabt?“, fragt Ye Ngwe Soe, der 27-jährige Frontmann von Birmas beliebtester Punkband No U Turn. Er schrieb den Song „Kriege der Menschen“, nachdem die Gewalt gegen die muslimische Bevölkerungsgruppe der Rohingya vom Bundesstaat Rakhine auf andere Gegenden übergriff.

Neben den Punks ergreifen nur wenige Mönche und Bürgerrechtler offen Partei gegen die religiös motivierte Gewalt. „Ich bin sicher, dass viele Birmesen dies für totalen Wahnsinn halten, doch sie wagen es nicht, das offen zu sagen“, meint der schwedische Birma-Experte und Journalist Bertil Lintner. „Sonst werden sie von diesen religiösen Fanatikern angegriffen.“

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Armanda Marcotte erklärt nochmal, warum Ignorieren bei maskulistischen Trollen dummerweise nicht funktioniert:

The seething rage on display from so many men (and their female supporters) all the time on the internet is educational; it makes it much harder to hand wave and pretend that rape and sexual harassment are a matter of miscommunication, that anti-choice sentiment is a result of some kind of affection for “life”, and that women’s failure to reach economic and social equality is a matter of women’s failures instead of widespread sentiment that women don’t deserve said equality. Seeing the livid rage of devoted Republican voters at the very existence of independent women sharing their thoughts and opinions online makes it very difficult indeed to see Republican policies that hurt women as being merely coincidental. So this shit matters.

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Ohn nein! Es gibt doch tatsächlich verschieden aussehende Frauen in der IT-Branche!!!

Aber worum geht es dieses Mal konkret? Aufhänger ist eine Geschichte, die schon am Sontag auf auf The Daily Dot beschrieben wurde (und ja bis das dann bei den deutschsprachigen Mainstream-Medien ankommt dauert es noch einmal). Die Überschrift lautete “Are these women too pretty to be “real” engineers?” (Sind diese Frauen zu hübsch um “richtige” Ingeneurinnen zu sein?) und Aja Romano beschreibt die bizarre Diskussion zwischen LinkedIn und der Firma Toptal. Toptal hatte Werbung geschalten, dass sie Ingeneur_innen suchen würden. Die Werbung aber wurde schnell wieder entfernt. Der Grund? Die Fotos, mit denen geworben wurde, wurden als nicht realistisch empfunden. Denn wie sollen zwei normschöne Frauen bitte sinnbildlich stehen für Ingeneur_innen? Es stellt sich heraus, dass es sich bei einer der abgebildeten Personen um eine Schauspielerin handelt, bei der anderen tatsächlich aber um die argentinische Programmiererin Florencia Antara.

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Bei Don‘t Degrade Debs, Darling! wird gebloggt, wie die Geschichte mit der Vegewaltigungsanzeige weiterging (Triggerwarnung!):

Die Beamtin glaubte kaum, dass die junge Frau zum Zeitpunkt der Tat nicht betrunken war und befragte sie nach psychischen Erkrankungen und Diagnosen. Sie bevormundete die junge Frau bei der Wahl des Termins und nachdem sie aufgehört hatte in Babysprache zu sprechen, klang sie paternalistisch und wertend. Als das Telefonat beendet war, hatte die junge Frau einen Termin in zwei Wochen, das Gefühl abgewertet und entmündigt worden zu sein und unfassbar viel Angst. Eine Angst, die die vollen zwei Wochen blieb. Eine Angst, die Alltag und Sozialkontakte einnahm und ihr den Schlaf raubte. Eine Angst, die sie sich viel zu selten zu äußern traute. Und trotzdem hatte sie das Gefühl ihr Umfeld unterstützte sie und versuchte ihr Halt zu geben.
Zu dem Termin begleitete sie eine Freundin und es war ihr kaum möglich zu sagen, wie dankbar sie dafür war.
Es folgten drei Stunden Vernehmung. Fragen, die ins Detail gingen, Fragen, deren Sinn sich der jungen Frau vollkommen entzogen. Jedes unangenehme Lachen, jedes Zögern wurde protokolliert… Drei Stunden Erinnerungen an ein Geschehen der Gewalt, dass sie meistens einfach lieber vergessen hätte.
Wo ist der empowernde Moment in diesem Text? Der beginnt nach der Vernehmung, denn entgegen aller Erwartung ging es der jungen Frau danach nicht schlecht. Im Gegenteil. Sie fühlte sich befreit und erleichtert. Sie hatte das Gefühl wieder atmen zu können und wieder Alltag zu haben. Sie hatte in ihrem Kopf wieder Platz für Alles andere. Sie war wieder bei sich.

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Neonazis machen gern Jagd auf Homos. In Rußland ist der Nährboden dafür gerade besonders günstig (auch hier Triggerwarnung):

„Das schwulenfeindliche Gesetz hängt wie ein Damoklesschwert über der Arbeit unserer und anderer Nichtregierungsorganisationen“, sagt Andrianova, denn es verbiete positive Äußerungen über Homosexualität – insbesondere gegenüber Jugendlichen. Damit werde jede Aufklärung und Beratung praktisch kriminalisiert.

Auch gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern seien extrem verunsichert, da sie fürchten, das Jugendamt könnte ihnen auf Basis des Gesetzes die Kinder wegnehmen. „Viele denken darüber nach, auszuwandern“, berichtet Andrianova. Durch das Gesetz sei das Gefühl einer ständigen Unsicherheit und Bedrohung allgegenwärtig. Auch der Publizist Lagodinsky erklärt, dass aus einem unangenehmen nun ein aggressives Klima geworden sei.

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Bombendrohung via Twitter:

Wie „The Guardian“ berichtet, gibt es nun neue Fälle von massiven Drohungen gegen Frauen. So haben zwei relativ bekannte Journalistinnen Bombendrohungen erhalten, nachdem sie die Banknoten-Initiatorin Caroline Criado-Perez öffentlich in Schutz genommen haben. India Knight und Laurie Penny waren aber nicht die einzigen: Auch andere Frauen, die sich gegen Gewalt in sozialen Netzwerken aussprechen, bekamen Bombendrohungen über den Microblogging-Dienst.

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Ein orthodoxer Priester, der sich auch für Pussy Riot eingesetzt hatte, wurde nun ermordet:

Die Polizei brachte die kritischen Äußerungen des Priesters aus der Vergangenheit nicht mit dem Mord in Verbindung, sein Tod löste aber Empörung aus. „Der letzte freie Priester des Moskauer Patriarchats wurde getötet“, schrieb der bekannte Blogger und Erzdiakon Andrej Kurajew.
Der ermordete Priester Adelgeim hatte wiederholt Kritik am Verhältnis zwischen der Kirche und dem russischen Staat geübt. Er war außerdem einer der UnterzeichnerInnen eines Schreibens hunderter russischer Persönlichkeiten zur Unterstützung der inhaftierten Frauen der Punkband Pussy Riot.

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Was einem während der Karenz so durch den Kopf geht:

„Du erwartest aber nicht, dass du im Rahmen der bevorstehenden Umstrukturierung eine tragende Rolle einnehmen kannst, wenn du nun für ein halbes Jahr weg bist?“ bekam ich da beispielsweise – ich vermute jetzt einmal – als Drohgebärde serviert, als es langsam ernst wurde. Ja, so schnell kann sich da die anfängliche Euphorie und das allgemeine „Ich find’s super, dass du das machst“ drehen. So schlimm sieht’s jetzt, wenige Wochen vor der Rückkehr, dann offenbar doch nicht aus. Hat wohl nicht gewirkt. Unerfüllt blieb auch die Erwartung vom Chef, dass ich flehend in regelmäßigen Abständen wieder aus der Karenz zurückkomme, in der Hoffnung auf Nebenbeschäftigung. War wohl auch nichts. Ich bin gespannt, welche Reaktionen es in der Firma gibt, wenn der nächste Vater in Karenz geht.

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Kathleen Hanna empfiehlt das Black Salt Collective:

Five Amazing artists are embarking on a really exciting project . Making a film partially inspired by one of my favorite movies ever, Lizzie Borden’s ‘Born in Flames’, traveling while creating, performances, community, rituals. And the kicker is, I love great art, and I think these artists are making great work AND mean serious business.

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Liebe, Treue & Politik:

Was sagt die Sex-Studie zu Schwarz-Gelb? Passt irgendwie nicht so gut zusammen. Das Treuebedürfnis der Konservativen (94 Prozent halten Treue für „das Wichtigste in einer Partnerschaft“) widerspricht zwar schon ihrem eigenen Fremdgeh-Verhalten (17 Prozent), aber noch stärker dem der Liberalen (25 Prozent).

Eigentlich würden also Union und Piraten gut zusammenpassen, wobei es für die Treue der Piratenwähler eigentlich nur drei halbwegs plausible Erklärungen gibt: Entweder sie sind schlicht zu jung, um schon öfter fremdgegangen zu sein. Oder sie haben alle offene Beziehungen, in denen Sex mit anderen moralisch erlaubt ist und Fremdgehen damit unmöglich. Oder sie sitzen bis tief in die Nacht hinter ihrem Computer. Wohingegen sich bei den karrieregeilen Liberalen ein Seitensprung durchaus anbietet, wenn sie auf ihren Business-Reisen sonst niemanden haben.


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