Snowden hat soeben erfolgreich den Frieden privatisiert.

Als jetzt auch noch XKeyscore kam, hab ich beschlossen, aufzurüsten.
So ein bißchen Ahnung hat man ja schon, aber um TOR zweckmäßig zu nutzen, muß man schon umdenken – ein Selbstversuch.

Erstmal heißt es: Tschüs Flash! Das war für mich etwas gewöhnungsbedürftig.
Kann man bei Bedarf auch ausschalten – allerdings erfordert Flash das Erlauben von Plugins und schwupps, wissen die, wer man ist.
Da man aber hinterher wieder eine ganz neue Identität mit ner neuen IP-Adresse generieren kann, hab ich mich dazu entschlossen, das dieses eine Mal zuzulassen und GEMA-freies Youtube zu gucken.
Und dort kann man sowieso schon eine Nacht versumpfen, aber wenn man offiziell beispielsweise (wie in meinem Fall) als „Amerikaner“ unterwegs ist, wird nicht nach deutscher Sprache vorsortiert – in der Videovorschlagsleiste rechts standen ganz andere Sachen als sonst. Ich kam in ganz andere Ecken von Youtube, das war schon ziemlich cool!
Allerdings wird man bei jedem Video extra nochmal gefragt, ob man das Plugin wirklich erlauben will. Das hatte dann bei mir denselben Aha-Effekt wie damals, als ich Ghostery installiert hab: es wird einem bewußt, wieviel Murks man da eigentlich bisher ganz unwissend und selbstverständlich zugelassen hat!
Momentan find ich’s grad ziemlich witzig, zu checken, woher ich grad offiziell „komme“. Ich war offziell schon als Kreuzberger, Ami, Schwede, Franzose oder sonstwer unterwegs und irgendwie freut mich das diebisch. Mein Betriebssystem wird auch falsch erkannt, fein!
Ist natürlich durch die Umleitungsgeschichte etwas langsamer, aber man gewöhnt sich echt schnell daran.
Klar, wenn ich mich in meine E-Mails einlogge oder bei allem die gleichen Paßwörter verwende, mache ich denen das wesentlich leichter, mich zu identifizieren, auch via TOR. Und wer sich bei Facebook & Co. einloggt, legt sowieso einen Striptease hin.
Andererseits kann ich ja auch dann wieder die IP-Adresse wechseln.
Einen Adblocker mußte ich übrigens extra installieren, sonst ist eigentlich alles all inclusive.
TOR zu nutzen ist denkbar einfach – funktioniert wie Firefox. Auch das Runterladen und installieren war eigentlich idiotensicher.
Wenn’s aber darum geht, TOR auch wirklich so zu benutzen, daß man es NSA & Co. schwer macht, muß man mitdenken. Und auch ganz viel umdenken.
Und das ist eigentlich das Hauptargument für TOR: allein durch die simple Benutzung lernt man unglaublich viel dazu, was diesen ganzen nerdigen Datenkram angeht! Man kapiert dann irgendwie auch andere Dinge besser, weil man die Zusammenhänge jetzt son büschn praktisch erlebt hat. Und das ist bei allen Internetnutzer_innen eigentlich grad echt dringlich.
Man wird einfach vorsichtiger – siehe die Sache mit Flash. Wer gerade auf Twitter eingeloggt war und jetzt gerne bei Google Maps nach amerikanischen Stützpunkten suchen möchte, wechselt vielleicht doch einfach kurz die IP. Geht ja mit einem Klick.
Außerdem kann’s ja nicht schaden, mal zu üben: bisher waren Projekte wie TOR von ideologischen Nerds ohne große Finanzierung entwickelt, die sind sogar umsonst.
Wenn ich so in meine Kristallkugel schaue, seh ich, wie der Kapitalismus, der alte Opportunist, mal wieder die Seiten wechselt und die Unternehmen schnell das Potential von Datenschutz erkennen werden.
Es gibt eine datenschutzsicher(er)e Mailadresse, die nur einen Euro/Monat kostet (find den Link grad nicht mehr. Selber groß, selber startpagen!). Ich wette, in Zukunft wird es mehrere solcher Angebote geben (die Hälfte davon wahrscheinlich Tochterfirmen von Google und Yahoo höhö), aber das Schöne und Anarchische am Internet ist: wenn Programme schreiben (oder auch nutzen) Macht ist, dann ist die Machtverteilung gerade im Umbruch begriffen. Die NSA wird TOR & Co. aushebeln wollen und dann werden die Nerds wieder aufrüsten. Es IST ein Wettrüsten.
Nur gibt’s dabei keine Toten und jede_r kann mitmachen. Um es mit Anlehnung an den fabelhaften Iron Man zu sagen: Snowden hat soeben erfolgreich den Frieden privatisiert. Und das halte ich für eine sehr gute Sache!
Google & Co. werden natürlich eine Werbemaschinerie sondergleichen hochfahren und dabei auch viele Leute abfischen. Denn die Infoseiten zu TOR sind schon arg nerdig. Ich bin kein IT-Nerd, weiß aber mehr als der Durchschnittsuser und aus manchen Sachen bin ich einfach (noch) nicht schlau geworden. (Von demher: Verbesserungen/Kritik/Vorschläge gern in die Kommentare!).
Die Mehrzahl wird wohl auf die weniger serösen, bequemeren Angebote setzen, die mit „Klick hier und da und alles ist supi!“ werben.
Also: lieber jetzt mal schon mit dem „Darknet“ (blödes Wort) üben, damit man später die seriösen von den unseriösen Angeboten aussuchen kann. Man muß sich ja nicht auf ewig freiwillig verarschen lassen.


1 Antwort auf „Snowden hat soeben erfolgreich den Frieden privatisiert.“


  1. 1 Anonym surfen « mädchenblog Pingback am 04. August 2013 um 20:07 Uhr

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