Archiv für August 2013

Skyler White, Lady Bitch Ray & Burkaverbot

Mary Ochers neues Album „Eden“, Natur & Gebären, Rebel Grrrls Con, Jage 2 Tiger, Porträt Beate Schücking, Lady Bitch Ray, Mangel an Frauenhäuserplätzen, Burkaverbot im Tessin?, Forschungsprojekt zur Wahl, antikes Rom underground, „Freiheit statt Angst“-Demo, Her mit den positiven Mädchenbildern!, Kritik an Barbie-Projekt, Skyler White & „Viele Grüße aus dem schönsten Land der Welt“.

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Monique Schwitter über Lady Bitch Rays Verständnis von Feminismus:

Es läuft ein Song vom Band mit dem eingängigen Text „Steht auf, wenn ihr Fotzen seid! Licky licky hey!“, dann wird das dritte Outfit, ein Bikini – war der nun rot? Jedenfalls blieb auch er in Häkeloptik in Erinnerung – präsentiert und die vier Songs gesungen, die im Repertoire noch vorhanden sind. Das ist ganz lustig, die Bar ist auch geöffnet, und die drei jungen Damen, die neben Lady Bitch Ray auf der Bühne herumtanzen, sind einfach herzerfrischend. „Ich hasse dich“, heiße der nächste Song, kündet Lady Bitch Ray an, er handle von „Terrorweibern“. Sie bezeichnet darin drei bekannte Damen aus der deutschen Musikbranche als Schlampe, Nutte, Hure, die es „in den Arsch besorgt braucht, richtig grob“, als dämliche Friseuse, Pisaopfer mit Hauptschulabschluss und, besonders interessant: als Drecksbitch und Töle, womit bekanntlich eine Hündin, also eine Bitch im ursprünglichen Wortsinn, gemeint ist.

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Wir brauchen mehr empowernde Botschaften für Mädchen!

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Ninia LaGrande verlost die Anthologie „Viele Grüße aus dem schönsten Land der Welt“:

Druckfrisch flatterte heute die neue Anthologie „Viele Grüße aus dem schönsten Land der Welt“, herausgegeben von Supertyp Dominik Bartels, in meine Wohnung. Eine Textsammlung von lauter guten Menschen aus der Poetry Slam- und Lesebühnenszene. Inhaltlich gibt es viel Politisches, Kritisch-Gesellschaftliches und Wütendes. Von mir ist auch ein Text dabei. Deshalb kommen jetzt auch die üblichen „Müsst ihr natürlich kaufen“– und „Ist ein super Geschenk“-Hinweise. Klar.

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Die taz bespricht das neue Buch von Helene Hegemann, „Jage zwei Tiger“:

Hegemann projiziert ihren alles Eitle, Verlogene und Etablierte witternden und vernichte n wollenden Blick auf die drei Jugendlichen, und so verschieden Samantha, Cecile und Kai durch Geschlecht, Herkunft und Biografie auch scheinen, sie bleiben alle WiedergängerInnen der kleinen Mifti aus „Axolotl Roadkill“. Egal ob ihnen ein Eltern- oder Körperteil abhanden gekommen ist oder ihre Mütter und Väter nur restlos mit sich selbst beschäftigt sind (und sie ihnen das bewundernswert großmütig verzeihen): Diese umfassend verwaisten Kinder leiten aus ihren Verlusten und Leerstellen eine maximale und maximal artifizielle Lebensgier ab – bei gleichzeitiger Radikalverachtung all dessen, was als gesund und normal gilt.

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Porträt über Beate Schückin
g, Rektorin der Uni Leipzig:

Beate Schücking sagt, es gebe zwei rote Fäden, die sich durch ihr Leben zögen. In den letzten Wochen hat sich einer davon zu einem Wollknäuel verklumpt. Es fing damit an, dass sich einige Mitglieder des erweiterten Senats der Universität Leipzig an den ausschließlich männlichen Bezeichnungen in der Grundordnung der Uni störten, also suchte man Alternativen. Die Schrägstrichvariante „Professor/innen“ war zwar geschlechtergerecht, aber zu umständlich. Also entschied man sich für das sogenannte generische Femininum: Fortan sollte in der Grundordnung der Uni durchgängig von Professorinnen die Rede sein, und eine Fußnote sollte klarstellen, dass damit auch Männer gemeint sind. Von da an wurde es kompliziert.

Im April beschloss der Senat die Änderung, im Mai nickte Beate Schücking als Rektorin sie ab, im Juni bekamen Medien Wind davon. In Zeitungen und auf Webseiten wurde behauptet, in Leipzig müssten Professoren jetzt immer und überall mit „Herr Professorin“ angeredet werden. Das stimmt zwar nicht, aber die Geschichte war in der Welt. Journalisten schrieben hämische Kommentare, Leser Hass-Mails.

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Anna Gunn, Darstellerin von Skyler White in Breaking Bad, über Frauenfeindlichkeit im TV:

Anna Gunn setzt sich mit dem Hass auseinander, der ihrer Figur entgegenschlägt und der zum Teil sogar auf sie als Person übertragen wird. Skyler White ist eine der umstrittensten und unbeliebtesten Charaktere in „Breaking Bad“, wenn nicht sogar der unbeliebteste Serien-Charakter überhaupt. Mehr als 9.000 Menschen haben die Facebook-Seite „I hate Skyler White“ geliked, fast 29.000 die Seite „Fuck Skyler White“. Ihre Feinde bezeichnen sie als „kreischende, heuchlerische Hyäne“, sie sei nervig, ein Hausdrachen, eine Spielverderberin. Und ihre Darstellerin Anna Gunn fragt sich: Woher kommt all der Hass?

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Nicht genug Plätze
in Frauenhäusern (die Kommentarspalte besser nicht lesen):

Sie schickt ihren Sohn mit den blauen Flecken und Verletzungen in den Kindergarten. „Es war ein Hilfeschrei von hinten durch die Brust ins Auge“, sagt sie heute, viele Monate später. Ihr Plan geht auf, die Maschinerie läuft an: Noch am selben Tag zieht Susanne mit ihren Kindern ins Frauenhaus. Sie ist eine von durchschnittlich 2000 Frauen im Jahr, die in Bayern vor häuslicher Gewalt in eine solche Einrichtung flüchten.

Und sie hatte Glück. Glück, dass in dem Haus gerade ein Platz frei war. „Wir mussten im vergangenen Jahr 55 Frauen abweisen“, sagt die Leiterin des Frauenhauses in Schweinfurt, Gertrud Schätzlein. 58 von Gewalt bedrohte Frauen und ihre Kinder wohnten 2012 insgesamt in dem Haus, 46 von ihnen wurden in dieser Zeit neu aufgenommen. Die Bewohnerinnen des Frauenhauses entsprechen keinem einheitlichen Bild: „Gewalt kommt in allen Schichten vor“, sagt Monika Meier-Pojda, Sprecherin der Landesarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege für den Bereich Frauen. Statistisch leidet jede dritte Frau unter häuslicher Gewalt.

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aufZehenspitzen macht sich Urlaubsgedanken über Natur und Gebären:

Das Natürliche meines Körpers ist mir mitunter ebenso suspekt. Die intensiven Körpererfahrungen von Schwangerschaft, Geburt und Stillen haben mich zuweilen eingeschüchtert. Die Heimat meines Ichs und die Kontrolle darüber waren mir teils entglitten – ähnlich wie sich der Wald von mir nicht kontrollieren lässt, während ich in ihm schlafe, konnte ich plötzlich meinen Körper nicht mehr kontrollieren.

Die Schwangerschaft war der (anhaltende) Moment in meinem Leben, an dem ich plötzlich zu meinem Körper wurde. Ich sollte plötzlich Teil “der” Natur sein – oder zumindest jetzt Teil von ihr werden. Die Geburt, keine Angst, so versicherten mir viele, sei das Natürlichste der Welt und Frauen seien dazu gemacht, diese zu “schaffen”. Sehr positiv bestärkend. Sehr flauschig. Sehr entlastend.

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Im Tessin wird am 22. 09. über ein Burkaverbot abgestimmt:

Die nunmehrige kantonale Initiative zum Burka-Verbot wurde im Jahr 2011 gestartet und von 12.000 BürgerInnen unterstützt. Träger ist der politische Einzelkämpfer und Journalist Giorgio Ghiringhelli, dessen Bewegung den programmatischen Titel „Spielverderber“ („Il guastafeste“) trägt.

Die Kantonsregierung präsentierte einen Gegenvorschlag, wonach lediglich das Gesetz über die öffentliche Ordnung geändert werden soll. Eine Verfassungsänderung in dieser Frage sei „überdimensioniert“. Außerdem fehlt im Gegenvorschlag des explizite Verbot, jemanden aufgrund seines Geschlechts zwingen zu können, sich zu verhüllen. Dafür werden eine Reihe von Ausnahmen aufgeführt, bei denen das Gesetz nicht zur Anwendung kommt, darunter Schutzbekleidungen, lokale Trachten und Kostüme.

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Auf Heise wird nochmal darauf hingewiesen,weshalb uns der Datenskandal alle angeht:

Dabei betreffen die Enthüllungen jeden einzelnen Bürger. Ich möchte in drei Artikeln den derzeitigen (Nicht-)Kenntnisstand über die Affäre kurz zusammenfassen, demonstrieren, dass die gesammelten Daten Informationen über jedermann enthalten dürften, und zeigen, dass die aus dem Ruder gelaufenen Geheimdienste gefährlich für den Rechtsstaat sind.

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Die Missy reviewt „Eden“, das neue Album von Mary Ocher:

In ihren Texten verarbeitet sie Erfahrenes, übt Kritik, stößt an. Dennoch bleiben die Texte bilderreich und suggestiv, öffnen Bedeutungsebenen, anstatt sie zu schließen. Auf die Frage, ob sie mit ihrer Kunst etwas verändern will, gibt es also keine eindeutige Antwort. „Ich hab keine Lust, auf Leute zuzugehen und zu sagen: ‚So und so sollt ihr Leben.’ Das ist nur eine weitere Form von Gewalt.“ Berühren und verändern kann Mary Ocher wohl vor allem im Dialog mit dem Publikum. Dabei spielt für sie häufig keine Rolle, wie die Reaktionen ausfallen, Hauptsache sie sind intensiv. „Früher habe ich viel auf der Straße gespielt. Da gab es oft heftige Reaktionen, negativ wie positiv.“ erzählt sie, „Ich mag das, das Konfrontative. Ich mag die Kraft dahinter, den unmittelbaren Austausch.“

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Spreeblick ruft nochmals zur Teilnahme an der „Freiheit statt Angst“-Demo am 7.9. auf und weist auf einen veränderten Ausgangspunkt hin:

Der Zuspruch zur diesjährigen Ausgabe der “Freiheit statt Angst”-Demo ist jetzt schon so enorm, dass die Demo verlegt werden musste. Der neue Start- und Kundgebungsplatz ist nun der Alexanderplatz.

Seid dabei. Und bringt noch jemanden mit. Wenn sie uns sehen wollen, sollen sie uns zu sehen bekommen.

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Die Opalkatze fordert auf, bei einem Forschungsprojekt zur Bundestagswahl mitzumachen:

Die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf ist zurzeit auf der Suche nach Personen, die nach 1963 geboren sind und sich an einer Studie zur Bundestagswahl beteiligen möchten. Sie interessiert vor allem, wie die Bürger das Meinungsklima zu Themen und Kandidaten einschätzen. Diese Studie umfasst verschiedene kleinere Befragungen in einem neuntägigen Zeitraum Anfang/Mitte September.

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Differentneeds interviewt die Macher_innen hinter der Rebel Grrrls Convention:

Es geht darum, einen Raum zu schaffen, wo FLT*I, die Musik machen, und/oder Texte performen, und dies in irgendeiner Art politisch interpretieren, sich treffen können, sich austauschen können, Netzwerke gründen und Banden bilden!
Wir werden uns kennenlernen, gucken wen es alles gibt, teilen unsere Skills, jammen miteinander, tauschen uns aus! Am Freitag, so die Planung, kommen alle an, wir lernen uns kennen, und planen den nächsten Tag. Je nach Interessen und Kapazitäten gibt’s am nächsten Tag dann Workshops. Ein paar Angebote stehen schonauf der Website, es können auch noch mehr und andere Sachen angeboten werden. Es müssen aber auch nicht alle stattfinden, je nachdem, worauf die FLT*I Bock haben. Vielleicht haben sie auch nur Lust zu quatschen oder miteinander zu jammen! Abends gibt’s nach dem Essen eine Open Stage: Alle, die Bock haben, zeigen ihr Oeuvre den anderen Convention Teilnehmer*innen. Das AZ Mülheim ist von Freitag Nachmittag bis Sonntag abend für FLT*I reserviert, also keine Cis-Männer!

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The Miss Chief startet das Bloggen mit einer Kritik über Nickolay Lamms Barbie-Projekt:

Moment mal. Was?!?! Genau. Was Lamm damit bewirkt, ist, dass ein überzeichnetes Körperideal durch ein vermeintlich realistisch erreichbares ersetzt wird. Die Kunstpuppe Lamms konstruiert ein neues Schönheitsideal, das sich an einem existierenden Zustand orientiert und diesen zur Norm erhöht. Wer nicht diesem Ideal entspricht ist nicht schön, ist nicht normal. Und dieses Ideal ist natürlich wieder: dünn und weiß. Und dass es diese “Durchschnittsfrau” gibt macht das Ausmaß des Problems nur größer. Es hebt die Barbie von ihrer Symbolposition auf die realistische Ebene der Zeitschriftenmodels und Hollywoodstars: wenn du nur hart genug an dir arbeitest kannst du so aussehen, es liegt an dir, andere schaffen es ja auch.

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Nicht für alle alten Römer bestand das Leben aus Orgien und Rotkehlchenzungen-Snacks – die Tunnel unter der Hadriansvilla beleuchtet das Leben der Bediensteten und Sklaven:

Hach, immer diese Sklaven! Wo sie ihre Arbeit auch verrichten, machen sie Lärm. Sie klappern mit Geschirr, ächzen beim Tragen von Wassereimern. Und das ständige Scharren ihrer Füße über den Marmorfußboden stört die zum Lesen nötige Stille. So ähnlich muss der römische Kaiser Hadrian (76 bis 138 nach Christus) gedacht haben. Doch für dieses Problem hatte er eine Lösung parat.

Er ließ seine Villa in Tivoli, rund 30 Kilometer nordöstlich von Rom, untertunneln. Unter seinen Füßen mochten die Sklaven lärmen so viel sie wollten – solange nur kein Laut, kein Zeichen ihrer Existenz zu ihm herauf drang.

Mythos Armutszuwanderung & Cookieless Cookies

Gespräch mit einem der Flüchtlinge aus Hellersdorf, Frauen & Arbeit, Cookieless Cookies, Amina Tyler verläßt Femen & Mythos Armutszuwanderung.

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In Deutschland redet man gern über Flüchtlinge – wenigestens die taz kommt mal auf die Idee, auch mit einem der Flücktlinge zu reden – mit Karim H., einer der ersten, die in das neue Heim in Hellersdorf zogen. Und auch einer der ersten, die da so schnell wie möglich wieder raus wollten:

Wie war die Ankunft in Hellersdorf?

Als wir mit dem Bus ankamen, machten die Fahrer Blaulicht an. Überall war Polizei, ich bekam ein sehr komisches Gefühl. Wir hielten auch nicht vor dem Haus, sondern dahinter. Es tut mir leid, das zu sagen – aber ich habe gedacht, das ist wie mit Schlachttieren, denen man die Messer nicht zeigen will.

Haben Sie deshalb mit weiteren Flüchtlingen die Unterkunft sofort wieder verlassen?

Die Situation war völlig verrückt. Die Polizisten und die ganzen Journalisten, die angerannt kamen, um uns zu fotografieren. Sofort, als wir ankamen, wurde hinter uns das Tor verschlossen. Wir hatten Angst! Da haben wir beschlossen, wir gehen wieder.

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Die Zeit versucht es mit Aufklärung und schreibt über den Mythos Armutszuwanderung:

Es wäre jedoch falsch, daraus die Schlussfolgerung zu ziehen, dass der Sozialstaat und die öffentlichen Finanzen durch die Zuwanderung aus Bulgarien und Rumänien insgesamt belastet werden. Das Gegenteil ist richtig.

Generell beziehen Ausländer und Personen mit Migrationshintergrund mehr staatliche Unterstützung. Aber der Staat spart Bildungsausgaben, vor allem aber profitiert die Rentenversicherung. Das liegt an der günstigen Altersstruktur der Zuwanderer. Sie zahlen in die umlagefinanzierte Rentenversicherung ein, der Anteil der Rentenbezieher ist aber verschwindend gering. Natürlich erwerben auch Migranten Rentenansprüche. Sie zahlen jedoch über ihr Leben gerechnet mehr ein als sie am Ende herausbekommen.

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Amina Sboui verläßt Femen
– die reagieren beleidigt:

„Das ist schon ok, sie ist nicht die Einzige, die aufgegeben hat. Aber es ist nicht schön, dass sie Lügen über ihre Mitstreiter verbreitet“, schreibt die ukrainische Aktivistin Inna Schewtschenko, die in Frankreich politisches Asyl gefunden hat. Amina habe nicht Femen verraten, sondern Tausende Frauen, die sich für die Kampagne „Free Amina“ eingesetzt haben – dank derer sie jetzt frei sei.

Letzteres bestreitet die Tunesierin. Ganz im Gegenteil: Manche Aktionen hätten ihre Situation verschlimmert, Femen hätte sich vorher bei ihren Anwälten erkundigen sollen, sagt sie. Dass Demonstrantinnen etwa vor der tunesischen Botschaft in Paris „Amina Akbar, Femen Akbar“ („Amina ist groß, Femen ist groß“) gerufen haben, habe ihr gar nicht gefallen. „Das verletzt viele Muslime und viele Menschen, die mir nahe stehen“, sagte Sbouï – die Rufe waren eine Anspielung auf die Lobpreisung „Allahu akbar“ („Gott ist groß“). Sie wolle nicht mit einer islamfeindlichen Bewegung in Verbindung gebracht werden, so Sbouï.

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Die Seite Cookieless Cookies informiert über Tracker, die einen trotz ausgeschaltetem Java und Cookieverbot verfolgen:

There is another obscure way of tracking users without using cookies or even Javascript. It has already been used by numerous websites but few people know of it. This page explains how it works and how to protect yourself.

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Antje Schrupp bespricht das Buch „The XX Factor, How working women are creating a new society“ von Alison Wolf:

Nachdenkenswert finde ich auch Wolfs Vorwurf, dass viele feministische Forderungen und Errungenschaften der letzten Zeit sich mehr an den Bedürfnissen und Interessen dieses oberen Fünftels orientiert haben als an denen der mittleren oder niedrigen Einkommensgruppen. Die Umverteilung von unten nach oben qua Elterngeld gehört da zum Beispiel dazu, auch der starke Fokus auf Frauenquoten für Führungspositonen oder gar Aufsichtsräte. Und auch das Ehegattensplitting bzw. die einmütige Forderung nach dessen Abschaffung erscheint da noch einmal in einem anderen Licht: Wenn es stimmt, dass bei dem reichsten Fünftel die Vollerwerbsquote von Frauen deutlich höher ist als bei den weniger Reichen, dann wären genau sie es, die kein Interesse mehr haben, weniger wohlhabende Familien, die das Ehegattensplitting noch häufiger in Anspruch nehmen, durch ihre Steuern zu subventionieren.

Coffeeshops, Stalker & Ascheregen

Innovativ wählen, Änderung im Personenstandsregister, Internetverhalten in der Post-Snowden-Ära, Tips gegen Stalker, braucht Deutschland Coffeeshops?, Ascheregen, Pogromstimmung in Berlin und Duisburg, K.O.-Tropfen-Opfer, UK scheißt auf Pressefreiheit, Fimger weg von Windows 8, Wohlstand & Teilen und natürliche Familienplanung.

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In Deutschland intersexuell geborene Kinder müssen ab 1. November nicht mehr als „männlich“ oder „weiblich“ ins Personenstandsregister eingetragen werden:

Männlich, weiblich – von allem etwas? Eltern, die sich nach der Geburt ihres Babys diese Frage stellen, müssen ihr Kind in der Geburtsurkunde künftig nicht mehr einer der beiden Kategorien „männlich“ oder „weiblich“ unterwerfen. Möglich macht dies eine Novelle des Personenstandsgesetzes, die mit 1. November in Kraft tritt.
Intersexuell: Eindeutige Zuordnung nicht möglich

Intersexuelle Babys können biologisch nicht eindeutig einem der beiden Geschlechter zugeordnet werden. Sie haben sichtbare, etwa genitale, oder auch unsichtbare, wie hormonelle und/oder chromosomale Merkmale beider Geschlechter. Oftmals werden Babys mit sichtbaren Merkmalen noch im Säuglingsalter einer geschlechtsanpassenden Operation unterzogen, um sie in die zweigeschlechtliche Dualität zu pressen. Gerade diese Zwangsoperationen, die ohne Zustimmung der Betroffenen meist irreversible „Tatsachen“ bei den Genitalien schaffen, haben Intersexuellen-Vertreter_innen immer wieder kritisiert.

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Wie sich das Verhalten nach den Veröffentlichungen von Snowden ändert, beschreibt Anne:

Jedesmal, wenn ich bei einer Google-Suche kurz zögere, jedesmal, wenn ich einen Link nicht klicke, weil es laut Überschrift um Brandanschläge in Berlin geht, oder Durchsuchungen, oder Linksextremismus, dann ist das so, weil ich fürchte, dass das registriert und womöglich später irgendwie gegen mich verwendet wird. Weil ich schon Akten gelesen habe, in denen minutiös aufgeführt war, dass sich der Beschuldigte offenbar intensiv mit den Themen X und Y beschäftigt. Und mich frage, ob ich den Artikel jetzt wirklich so dringend lesen muss, und in der Regel zu faul bin, deswegen Tor zu benutzen oder andere Möglichkeiten, die es ja durchaus gibt, um das eigene Verhalten im Netz weniger einfach verfolgbar zu machen.

Jetzt haben wahrscheinlich die meisten kein Problem damit, Artikel über Brandanschläge anzuklicken – weil sie nicht schonmal deswegen überwacht wurden. Aber jetzt gibt es den NSA, und den BND, und dass über deren Zusammenarbeit gelogen wird, dass sich die Balken biegen, ist sonnenklar.

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Im Sonntaz-Streit wird diskutiert, ob Deutschland Coffeeeshops braucht:

Das Parlament in Uruguay stimmte der Legalisierung von Marihuana am 1. August diesen Jahres zu. Auch in den US-Bundesstaaten Colorado und Washington wurde das Kiffen im vergangenen Jahr per Volksentscheid zur legalen Praxis gewählt.

Für viele Bürger waren die Steuereinnahmen, die der Staat durch den Verkauf von Cannabis macht, ein Argument, um für die Legalisierung zu stimmen: „Wir finden es toll, dass das Geld in die Schulen gesteckt wird. Aber es ist schon ein bisschen bizarr, wenn es heißt, dass wir Drogen legalisieren, damit die Schulen bezahlt werden können”, sagt Erika Russel, Mutter einer Tochter.

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Großbritannien nimmt die Snowden-Affäre zum Anlaß, auf eine freie Presse zu scheißen:

Vor gut einem Monat habe er einen Anruf der Regierung erhalten, in dem geheißen habe: „Ihr hattet Euren Spaß: Jetzt wollen wir das Zeug zurückhaben.“ Bei weiteren Treffen sei die Forderung die selbe geblieben. „Und so kam es letztlich zu einem der bizarrsten Momente in der langen Geschichte des Guardian.“ Unter Aufsicht von zwei Experten des britischen Geheimdienstes seien im Keller des Zeitungsgebäudes Festplatten und sogar ein komplettes MacBook Pro zerstört worden.

Rusbridger kündigte aber an, trotz der Gängelei über die Internet-Überwachung zu schreiben. „Wir werden weiterhin akribisch berichten, nur nicht mehr von London aus.“ Die Zerstörung einzelner Datenträger wertete er als „sinnlose Symbolik, die eine große Unkenntnis des digitalen Zeitalters offenbart“. Er spielte damit wohl darauf an, dass der Guardian vermutlich alle Informationen der nun zerstörten Datenträger bereits vervielfältigt hat.

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Superwichtiges Thema – die Mädchenmannschaft berichtet über Pogromstimmung in Berlin und Duisburg:

In Duisburg spitzen sich derweil die Gewaltandrohungen und tatsächlichen Übergriffe auf die Bewohner_innen zweier Wohnblöcke (In den Peschen 3 und 5) zu. Die Anwohner_innen sind zu einem großen Teil Roma. Auch hier wird Facebook zum gemeinsamen Hetzen genutzt. Dort wird immer wieder zum Anzünden der Häuser aufgerufen (TW für den Link). Aber auch die Mainstreampresse wie die WAZ oder der WDR unterstützt die Stimmungsmache mit rassistischen_antiromanistischen Artikeln und Beiträgen, in denen vor allem den GegnerInnen mit ihren rassistischen Annahmen Raum gegeben wird (und ergänzt wird, dass es natürlich wirklich Probleme mit Roma in Duisburg gäbe).

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Der „Weiße Ring“ gibt Tips, wie man sich gegen Stalker wehren kann:

Da beim Stalking die Beweislast beim Opfer liegt, sollte man zudem das Verhalten des Täters so genau wie möglich dokumentieren, empfiehlt Theobald weiter. Denn jede archivierte SMS oder E-Mail, jeder aufgezeichnete Anruf verbessert die Beweislage für ein Strafverfahren und hilft zudem, die eigene Glaubwürdigkeit zu erhöhen. Da die Stalker in 90 Prozent der Fälle aus dem erweiterten Bekanntenkreis stammen – Rund die Hälfte der Täter sind ehemalige Partner – sollte man sich zudem möglichst schnell Vertraute suchen. „Die Täter versuchen häufig das Umfeld des Opfers zu beeinflussen, indem sie Gerüchte verbreiten oder sich selbst als Opfer inszenieren“, erklärt Theobald. „Der Stalker will Macht über sein Opfer ausüben und ihm das Gefühl vermitteln, dass es außer ihm niemanden gibt.“ Wer Arbeitskollegen und Bekannte frühzeitig über die Situation aufklärt, schützt sich nicht nur vor Verleumdung, sondern macht dem Stalker auch deutlich klar, dass man keineswegs alleine ist.

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Übergriffe mithilfe von K.O.-Tropfen
werden zu einem immer größeren Problem – Verurteilungen gibt es erschreckend wenige (Triggerwarnung!):

Am Mittag nach der Tat ruft Tamara einen Freund an. „Der ist etwas spöttisch. Er fragte mich nur, wann ich nach Hause gekommen bin. Das war irgendwann nach Mitternacht, das sagte ich ihm, und dass wir in einer Kneipe waren. Sonst nichts. Und er meinte nur, ’Ja, dann hast du ja einen schönen Abend gehabt.‘ Dabei hätt ich mich fast bekotzt.“

Roth kennt dieses Problem von den Frauen, die bei LARA anrufen: Vielen fehlt die Unterstützung im sozialen Umfeld. „Du bist doch selbst schuld, du hast doch getrunken“, sei nicht selten die Reaktion von Freunden. Hinzu kommen eigene Schuldzuweisungen und Schamgefühl, die es schwierig machen, offen darüber zu reden oder Hilfe zu suchen.
(…)
Als sie bei der Polizei eine Aussage machen will, behauptet sie noch, der Täter habe sich im Auto neben ihr befriedigt. Später wird sie den Polizeibericht lesen und sich darin nicht wiedererkennen. „Er war in Kindersprache geschrieben – das ist nicht mein Stil.“ Von allen Seiten fühlt sie sich betrogen, unverstanden, ungerecht behandelt. Weil bei der Polizei niemand Erfahrung mit traumatisierten Personen hat, wird ihr aufgrund ihres Zustands Drogenmissbrauch unterstellt. „Ich kam als Opfer rein und ging als Täter wieder raus.“ Tamara kann es nicht fassen.

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Trennt Euch von Windows 8!
Sogar die Bundesregierung empfiehlt das:

Microsoft könnte damit theoretisch bestimmen, dass kein Textverarbeitungsprogramm außer Microsoft Word unter Windows 8 funktioniert. Das kann wettbewerbsrechtlich problematisch sein. Es hat aber auch sicherheitsrelevante Folgen, eben weil der Nutzer keinen Einfluss auf das hat, was Microsoft erlaubt und was nicht. Drei Punkte sind dafür entscheidend: Erstens ist das TPM im Gegensatz zum bisherigen Standard künftig schon beim ersten Einschalten des Computers aktiviert. Wer den Computer in Betrieb nimmt, kann also nicht mehr selbst entscheiden, ob er die Trusted-Computing-Funktionen nutzen will (Opt-in). Zweitens ist künftig kein nachträgliches, vollständiges Deaktivieren des TPM mehr möglich (Opt-out). Drittens übernimmt das Betriebssystem die Oberhoheit über das TPM, im Fall eines Windows-Rechners also letztlich Microsoft.

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Manu kotzt sich über die „SCHEISS Wohlstands-Wir-Teilen-Nicht-Mentalität“ aus:

Wir haben einen Anlass zu feiern. Die Kinder sind eigentlich schon durch und durch müde, aber manchmal ist das eben so. Wir wählen ein Kurzziel, Prenzlauer Berg, Helmholtz-Kiez, Spielplatz an Restaurants. Gesucht, gefunden. Bei einem mexikanischen Restaurant ist ein Ecktisch draußen frei. Der einzige, Zufall, die anderen Tische sind reserviert, wir haben wohl wirklich Glück gehabt. Super also, wir freuen uns. Sitzen, wählen aus. Ein Musiker kommt vorbei, stellt sich nahebei auf, spielt Gitarre. Musikalische Untermalung der Essensbestellung an in der Umgebung vielfältig geparkten Teuerfahrrädern und Niegelnagelneuwagen mit und ohne Verdecks, zwischen Leuten, die ihren Restauranttisch unbekümmert lachend ebenso voll bestellt haben wie wir. Unsere Kinder wollen zum Spielplatz, legen auf dem Weg noch etwas Geld in den Hut des Gitarristen. Er nickt kurz, spielt weiter. Alles schön.

Als der Musiker irgendwann geht, verabschiedet er sich persönlich. Nur von uns. Ich bin irritiert. Irgendwann begreife ich: Wir sind offenkundig die einzigen, die ihm etwas gegeben haben.

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Neuland statt SPD; Zeit, innovativ zu wählen – die Piraten?:

Der Punkt ist nämlich der: ich muss die Piraten wählen. Nicht, weil mir das eine Stimme aus einem brennenden Dornbusch erzählt hat, oder weil mein Gewissen mir das vorschriebe, sondern weil ich mir von einem brauchbaren Stimmenanteil für die Piraten eine – und sei es auch noch so begrenzte – disziplinierende Wirkung auf die etablierten Parteien verspreche.

Ich weiß natürlich nicht, ob Ursula von der Leyens Bemühungen um ein harmonischeres Internet – angeblich stand der Kampf gegen Kinderpornografie dabei im Vordergrund, oder ein andermal auch der Schutz minderjähriger Internetnutzer –, verfassungsrechtlich eine echte Chance hatten. Ich weiß aber, dass ich als Internetnutzer nicht nur der Kanzlerin, sondern auch jeder Partei den Buckel runterrutschen kann, wenn es um meine Opposition gegen Ausspähung und Profiling meiner Online-Aktivitäten durch aus- oder inländische Organisationen geht.

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Artikel auf Spiegel Online zu NFP:

Die Statistiken sprechen durchaus für die Natürliche Familienplanung. Mit Hilfe des etablierten Verfahrens Sensiplan (richtige Anwendung vorausgesetzt) werden innerhalb eines Jahres nur 0.4 von 100 Frauen schwanger, bei der Anti-Baby-Pille liegen die Werte zwischen 0.1 und 0.9 pro Jahr und hundert Frauen. „In 89 Prozent der Fälle lässt sich über diese Methode der Eisprung auf plus minus einen Tag genau festlegen“, sagt Petra Frank-Herrmann, die am Zentrum für Natürliche Familienplanung der Universität Heidelberg arbeitet.

Auf die natürliche Familienplanung könnten die Frauen selbst dann setzen, wenn sie einen unregelmäßigen Zyklus haben, sagt Frank-Herrmann. „Aus der aktuellen Zyklusbeobachtung können die Frauen beurteilen, ob sie fruchtbar sind oder nicht.“ Das Verfahren will allerdings gelernt sein: Wie, wo und wie lange muss man die Temperatur messen? Wie wirken sich Störfaktoren wie zu wenig Schlaf, Schichtdienst oder ein Wechsel der Zeitzonen aus? Kurse und Bücher können dabei helfen, die nötigen Informationen zu erhalten.

Nachnamen, Polizeiaufgebot & Achselhaare

Nachnamensänderung nach Heirat, Hella von Sinnen bei Tagesschaum, Achselhaare, Polizeiaufgebot bei Spaziergang zum Daggerkomplex, Anpassung, Rassismus bei Prostitutionsgegnerin Schwarzer, Greenwalds Ehemann in London 9h festgehalten & Bloggershirt.

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Die Prostituiertenorganisation Dona Carmen kritisiert den Rassismus, mit dem Alice Schwarzer gegen Sexarbeit argumentiert:

Doch geht es Frau Schwarzer gar nicht ernsthaft um Zahlen, sondern nur um die daraus abgeleitete These vom strukturellen Machtgefälle zwischen Prostitutionskunden und (ausländischen) Frauen in der Prostitution.

Entscheidend bei Schwarzers Argumentation ist die von ihr vorgenommene Parallelisierung des Verhältnisses von pädophilen Erwachsenen gegenüber Kindern einerseits mit dem Verhältnis von Prostitutionskunden und Prostituierten andererseits.

Damit wird nicht nur das Verhalten von Prostitutionskunden mit strafrechtlich bewehrter Pädophilie auf eine Stufe gestellt und indirekt zu deren Kriminalisierung aufgerufen. Es werden die Frauen in der Prostitution zudem mit Kindern, also mit nicht geschäftsfähigen Minderjährigen, auf eine Stufe gestellt und damit von Schwarzer entwürdigt, entmündigt und gedemütigt, da sie ihrer Entscheidungs- und Verantwortungsfreiheit beraubt werden sollen. Frauen in der Prostitution stellen sich für die vermeintliche „Frauenrechtlerin“ Schwarzer ganz grundsätzlich als „Opfer“ dar – bar jeder Emperie.

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Jugendforscher Heinzlmann über Jugend, die sich dem wirtschaftlichen Erfolgsdruck anpaßt:

Frage: Sind die jungen Menschen wirklich so unkritisch? Ich habe den Eindruck, der Konsum selbst ist durchaus ein moralisches Geschäft geworden. Man achtet immer mehr auf die „grüne“ und sozial verträgliche Herkunft der gekauften Waren.

Heinzlmaier: Es wird viel moralisiert und wenig moralisch gehandelt. Überall entstehen Lehrstühle für Wirtschaftsethik. Aber wenn in Unternehmen von Ethik die Rede ist, geht es um moralisches Handeln zum Zweck der besseren Marktleistung. Ethik wird zum Faktor der Absatzsteigerung.

Frage: Der Wille der jungen Menschen, moralisch einwandfreie Waren zu kaufen, ist doch echt.

Heinzlmaier: Ja. Aber wir müssen sehen, wie groß die Gruppe ist, die das macht. Es sind vielleicht zehn bis fünfzehn Prozent der Jugendlichen, die man als Postmaterialisten definieren kann. Eine Minderheit, die aber sehr laut über ihre Prinzipien spricht. Der große Rest bleibt vom moralischen Konsum völlig unberührt.

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Unter dem Vorwand des Terrorverdachts wurde der Ehemann des Journalisten Glenn Greenwald bei einem Zwischenstop auf dem Londoner Flughafen 9 Stunden lang verhört:

Miranda wurde nach genau neun Stunden freigelassen, die Polizisten reizten also den gesamten zulässigen Zeitraum aus. Das ist nach Angaben des britischen Innenministeriums keineswegs normal: Mehr als 97 Prozent aller Befragungen dauern demnach höchstens eine Stunde. Mirandas Handy, den Laptop, die Kamera, Speicherkarten und DVDs behielten die Polizisten nach Angaben Greenwalds – ohne Angaben darüber, ob Miranda sie wieder zurückbekommen wird.

Greenwald äußert sich dazu sehr klar: „Das ist ein massiver Eingriff in die Pressefreiheit“. Seinen Partner festzuhalten, habe die offensichtliche Absicht, diejenigen einzuschüchtern, die über die NSA und den GCHQ berichtet haben.

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Bei einem der Spaziergänge zum Daggerkomplex wurde eine Drohne mitgebracht – die den Komplex aber nicht überflog. Reaktion darauf war ein mords Polizeiaufgebot, ein Hubschrauber und die möglicherweise rechtswidrige Beschlagnahmung der Drohne:

Die Polizei will nach eigenen Angaben nun herausfinden, ob der Drohnenflug der Protestierer legal war. Dazu werde auch die Technik getestet, teilte das Polizeipräsidium Südhessen mit. Es gehe unter anderem um die Möglichkeit, mit dem Gerät Bilder zu machen. Die Mini-Drohne hatte am Samstag einen größeren Polizeieinsatz mit einem Hubschrauber ausgelöst. Erst nach Ende der Prüfung soll über Ermittlungsverfahren gegen die Protestierer entschieden werden.

Mini-Drohnen sind frei verkäuflich. Nach Auskunft des hessischen Landeskriminalamts (LKA) gegenüber dpa unterliegt ihr Einsatz Regeln. Privatsphäre und Hausrecht dürften nicht verletzt werden. „Bilder von bestimmten Objekten sind nur mit Genehmigung erlaubt“, erläuterte LKA-Sprecher Udo Bühler. Deshalb sei das Ausspähen etwa über Nachbars Garten verboten. Zu Flugplätzen gelte ein Mindestabstand. Die Piraten allerdings finden den Polizeieinsatz wegen der Mini-Drohne über US-Geheimdienstgelände völlig unverhältnismäßig: „Der ganze Vorgang ist absurd. Auf dem Gelände werden rund um die Uhr die Bürgerrechte untergraben. Statt sich darum zu kümmern, findet ein völlig unverhältnismäßiger Material- und Personaleinsatz gegen besorgte Bürger statt, der in der Beschlagnahme eines frei erhältlichen Spielzeugs gipfelt. Deutlicher kann man nicht zeigen, dass eine korrigierende Kraft in Land- und Bundestag fehlt.“

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Der tagesschaum wurde heute eingeleitet von Hella von Sinnen mit herrlich zitierwürdigen Aussprüchen:

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Nettes T-Shirt – aber liebe männliche Fans, Ihr müßt dazu in die Frauenabteilung gehen, um Eurer Liebe zu mir Ausdruck zu verleihen:

Übrigens im C&A-Frauensortiment nicht auffindbar: ein Shirt mit der Aufschrift “I’m a blogger” oder meinetwegen “I’m in love with my blog”. Aber ich versteh das schon, Frauen bloggen eben kaum, und es ist natürlich auch wesentlich interessanter, in wen eine Frau verknallt ist als was sie selbst so macht – und außerdem, was, über das eine Frau bloggt, sollte wohl so spannend sein, dass sie damit auf einem Shirt hausieren gehen wollen würde? Das ist jetzt einfach eine Beobachtung, mit Sexismus hat das nichts zu tun .

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Chaos Pausen schreibt über ihr Achselhaar:

Jedes Mal, wenn ich in einem Top das Haus verließ konnte ich nur an meine Achseln denken: Wie viel Haar sieht man jetzt? Und wenn ich mir durch die Haare fahre? Oder nach was in meiner Tasche krame? Oder mir über den Mund streiche? Und jetzt? Und von hinten? Alle Armbewegungen wurden mir auf einmal so bewusst und kamen mir merkwürdig unnatürlich vor. Und jedes Mal, wenn ich hingegen einen langen Pullover doch nicht auszog, obwohl es total heiß war, kam ich mir vor, als hätte ich versagt. Als würde ich nicht zu mir stehen, nicht dazu wer und wie ich bin, als wäre ich nicht feministisch und stark genug. Denn mal ehrlich, was bringen Achselhaare, wenn ich sie nicht zeige?

Diese Gedanken werden weniger. Wie viel Achselhaare zu sehen sind, ist nicht mehr meine einzige Kategorie für Oberteile. Ich habe gelernt, dass es okay ist, nicht immer und allen meine Haare zu zeigen, wenn ich nicht will oder mich nicht stark genug fühle oder nicht mit noch nem cis-Typen über Feminismus reden will. Wenn Leute mich auf der Straße irritiert angucken, denke ich wieder zuerst: Oh, ist da ein Fleck auf meinem Shirt? Oder: Arghh, starr nicht auf meine Brüste! Und dann merke ich, dass der Blick aber auf meinen Achselhöhlen ruht. Oh.

Passend dazu ein Comic der totally awesome Erika Moen:

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80% der Frauen nehmen nach der Hochzeit den Namen ihres Partners an. Wieso eigentlich?

Ich sitze mit S. beim Nachtisch, als sie mich anschaut und sagt: “Ich kenne eigentlich keine Frau, die es nicht bereut hat, ihren Namen aufzugeben.” Aber sie sagt auch “Ich kenne einen einzigen Mann, der nach der Hochzeit den Namen seiner Frau angenommen hat. Sein Vater hat daraufhin wochenlang nicht mehr mit ihm gesprochen und im Job hielten ihn alle für verrückt.” Wir brauchen ein Klima, in dem Männer, die etwas tun, was Traditionen in Frage stellt, nicht als Schlappschwänze angesehen werden.

Es ginge dabei nicht darum, neue Ungleichheit und neue Ungerechtigkeit zu schaffen, indem man alle Männer zwingt, den Namen ihrer Frau anzunehmen. Es ginge darum, die Default-Lösung zu ändern, den Status Quo in Frage zu stellen und das zu verwirklichen – auch im Namen – was eine Ehe sein kann: Eine Verbindung von Gleichberechtigten.

Polizeigewalt, Leck im AKW Gundremmingen & Snoopy meets Morrissey

Versandkostenfreier August bei Fembooks; Google & Bundestagswahl; Homophobie in München am Samstag; BILD bringt Spiegel-Journalisten in Lebensgefahr; Leck im Atomkraftwerk Gundremmingen; wie Nils Pickert sich einen Besuch beim Gynäkologen vorstellt; Internetspionage macht aus Bürger_innen Untertan_innen; Synonyme für Überwachung; Snoopy meets Morrissey; Lavabit-Gründer Levinson über Einflußnahme der US-Regierung; Hartz IV; Polizeigewalt; vor 50 Jahren schloß der erste schwarze Student der University of Mississippi, James H. Meredith, sein Studium ab; Sorglosigkeit im Datenskandal und Manipulation von Presse und Kindern im Wahlkampf.

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Gründer des E-Mail-Dienstes Lavabit, Ladar Levinson, schloß das Angebot und löschte alle Nutzerdaten, weil er diese nicht an die US-Regierung weiterreichen wollte. Jetzt äußert er sich dazu – vorsichtig, damit er nicht eingeknastet wird:

Levison bestätigt, dass es auf Lavabit einen Account mit Snowdens Namen gab. „Ich habe immer das Gesetz befolgt. Aber in diesem speziellen Fall hatte ich das Gefühl, dass genau das…“ Er bricht ab. Stille. Levisons Anwalt Jesse Binnall schaltet sich ein. „Wir müssen wirklich vorsichtig sein.“ Sein Mandant stecke in einer Situation, in der sich ein Amerikaner eigentlich nicht befinden dürfte, so der Anwalt. „Aus Angst davor, ins Gefängnis zu kommen, muss Ladar jedes Wort abwägen, wenn er mit der Presse spricht. Wir können nicht einmal über die Bedingungen sprechen, die dazu führen, dass er auf seine Worte achten muss. Es gibt einige schmale Linien, die er nicht übertreten darf.“

Schade, daß so ein verantwortungsbewußter Mailservice dummerweise in den US ansässig ist statt in wasweißich, Tonga oder so…

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Die Mädchenmannschaft verpaßt Nils Pickert einen Reality Check, nachdem dieser allzu romantische Vorstellungen von der Einführung von Mädchen ins medizinische System verbreitet – würden diese beim Einsetzen ihrer Periode doch sowieso zur/zum Gynäkolog_in geschickt:

Ich finde es sehr bezeichnend, dass selbst wenn seine Aussagen zum Thema Frauenärzt_innen-Besuch stimmen würden, er anscheinend davon ausgeht, dass sich sämtliche Gesundheitsprobleme, die Frauen (und gemeint sind bei ihm sehr offensichtlich auch nur Cis-Frauen) haben, in der Gynäkologie klären lassen oder Frauen dort ihre prägendsten Begegnungen mit dem Gesundheitssystem haben. Ich möchte Nils Pickert ungern enttäuschen, aber auch Frauen bekommen die Grippe, auch Frauen können Lungenentzündungen entwickeln.

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Wer bei fembooks den Gutschein-Code August2013 verwendet, kann noch diesen Monat alle Fachbücher und Belletristik versandkostenfrei bestellen! Um es mit ihren Worten zu sagen:

Entdecken Sie die Vielfalt feministischer, queer-lesbischer und von Frauen verfasster Literatur.
Viel Vergnügen beim Stöbern und Lesen!

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Warum Polizeigewalt jede und jeden treffen kann und es endlich Zeit ist für eine unabhängige Beschwerdestelle:

Die Polizisten, die jetzt auf dem Flughafen Köln/Bonn einen türkischen Familienvater bewusstlos geprügelt haben, haben sich trotzdem offenbar sehr sicher gefühlt – und das, obwohl sie von vielen Zuschauern und damit Zeugen umringt waren. Sie können aber ziemlich sicher sein, dass ihr Tun keine Konsequenzen für sie haben wird, denn gewalttätige Polizisten werden so gut wie nie zur Rechenschaft gezogen.

Denn wer als Opfer einer solchen Attacke eine Anzeige gegen gewalttätige Polizeibeamte erstattet, muss mit einer Gegenanzeige wegen „Widerstands gegen die Staatsgewalt“ rechnen. Die Staatsanwälte und Gerichte, die solche Fälle aufklären sollen, sind auf die Mitarbeit der Polizeibehörde angewiesen. Deshalb verlaufen solche Verfahren auch meist im Sande.

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Daß die BILD scheiße ist, wissen wir. Trotzdem ist es beängstigend, daß die meistgelesene Zeitung Deutschlands die NSA-Affäre bagatellisiert und berechtigte Bedenken zerstreut und die Berichte darüber „Unsinn“ nennt; vor allem, wenn man dadurch nicht nur viele Menschen zur Sorglosigkeit im Internet verleitet, sondern auch das Leben eines entführten Spiegel-Journalisten in Gefahr bringt:

Die BILD sorgt mit größter Mühe dafür, dass das „Publikum“ schlecht informiert ist und nutzt das Informationsdefizit ihrer Leser dafür, den SPIEGEL moralisch anzugreifen. Die rhetorische Verdrehung der Argumente der NSA-Kritiker ist dabei nur noch infam und degoutant zu nennen. Das I-Tüpfelchen der Niederträchtigkeit ist jedoch, dass die BILD für ihre Manipulation noch nicht einmal davor zurückschreckt, Menschenleben in Gefahr zu bringen. Wie der SPIEGEL in einer Kurzmitteilung ausführt, hat der Krisenstab der Bundesregierung ausdrücklich darum gebeten, von einer Berichterstattung in diesem Entführungsfall abzusehen, um das Leben der Geisel nicht noch stärker zu gefährden. Alleine die von BILD und WELT gestreute Information, dass die Geheimdienste die Telekommunikation der mutmaßlichen Entführer „überwachen“ (im Präsens), ist eine Information, die für die Geisel brandgefährlich ist. Sollte die Geiselnahme unglücklich ausgehen, haben die BILD-„Journalisten“ Blut an ihren Händen. Offenbar geht die BILD bei ihrer Manipulation auch über Leichen. Ist es das wert?

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Ein recht alter, aber wichtiger Text: Undine Zimmer schreibt über ihre Hartz IV-Familie und fegt dabei einige Klischees vom Tisch:

Als ich das erste Mal mit meiner alleinerziehenden Mutter auf dem Amt saß, auf einer Steinbank in einer Steinhalle, war ich keine drei Jahre alt. Es gab keine Ecke, in der ich hätte spielen können, meine Mutter weinte. Einmal wurde sie während eines Praktikums, das Teil einer Weiterbildungsmaßnahme war, von der Chefin gefragt, ob sie das Alphabet könne. Das hat sie mir erst Wochen später erzählt. Meine empörte Frage, ob sie nicht etwas gegen diese Frau unternehmen wolle, war ihr unangenehm. »Nein, da kann man nichts machen. Sonst gibt es nur noch mehr Ärger«, sagte sie.
(…)
Ich habe das Gefühl, dass ich mir keine Niederlagen leisten darf, selbst in meinen Hobbys. Jede Schwäche ist ein Beweis dafür, dass ich kein Durchhaltevermögen habe. Wenn ich abends vor dem Computer versacke und Serien schaue, statt bis Mitternacht zu arbeiten, dann spukt in meinem Hinterkopf der Satz: »Du hast keine Disziplin. So wird nie etwas aus dir.« Wenn ich mich vor etwas drücke, dann sagt eine innere Stimme: »Du bist nicht gut genug.« Wenn ich von etwas träume, eine Band zu gründen oder ein Jahr um die Welt zu fahren, reagiert mein Unterbewusstsein sofort mit »Dafür ist es jetzt schon zu spät«. Klar, anderen geht es auch so. Aber wenn ich laut sagen würde, dass ich oft nicht daran glaube, dass ich je genug verdienen werde, um ein Leben mit eigener Waschmaschine und Urlaubsreisen führen zu können, würden mich die meisten meiner Freunde verständnislos anschauen. Warum fällt es mir so schwer, mich durch ihre Augen zu sehen?

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Spreeblick hat was Tolles entdeckt, und zwar eine Seite mit Morrissey-Texten in Peanuts-Sprechblasen!!

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Auch Julitschka von den Piraten regt sich auf, wie wenig der NSA-Datenskandal ernst genommen wird:

Freiwillig laufen wir mit dieser Regierung, SPD und Grünen in den Überwachungsstaat und keinen stört es. Wir werden wieder verarscht und verkauft. Was muss passieren, dass auch die kritischen Stimmen in den eigenen Reihen der anderen Parteien gehört werden? Wann werden wir aufwachen? Wenn die ersten Kritiker klammheimlich verschwinden? Wenn wir wieder anfangen, irgendeine Minderheit zu kriminalisieren und sie als Verantwortliche für Missstände hinzustellen? Wie viele NSU-Skandale muss es noch geben? Wird es sie denn überhaupt geben, wenn die Presse nicht mehr frei ist? Muss sich erst jemand aus Ohnmacht anzünden?

Bitte bloß nicht aufgeben, Julitschka!

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Münchner_innen, die am Wochenende noch nichts vorhaben, können sich angemessen homophoben Arschlöchern widmen:

17. August 2013
Homophobe Kundgebung Die rechtsklerikale französische Jugendgruppe „Chapitre Saint Gatien“ will eine Kundgebung gegen die Eheschließung homosexueller Paare auf dem Stachus/Karlsplatz veranstalten. Von 12.00 Uhr an wollen sich die Ultratraditionalisten im Sinne der homophoben Großkundgebungen „Le Manif Pour Tous“ in Frankreich versammeln – als Abschluss einer Pilgerfahrt der Gruppe durch Nieder- und Oberbayern. Die Aktion in München wird auch von der extrem rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ (JF) beworben.

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Und nochmal zur Internetüberwachung – das Ausspähen unseres Zuhauses macht aus Bürger_innen Untertanen_innen, resümiert Johannes Boie:

Und selbst wer keinen Facebook-Account hat, nicht twittert und niemals skypt, ist längst täglich online, es reicht, die Kreditkarte zu benutzen oder an einer Überwachungskamera vorbeizulaufen. All diese Daten rauschen durchs Netz. Die Betrachtung des Netzes als Medium, das man regulieren muss und überwachen kann wie früher ein Faxgerät, ist deshalb auch eine Missachtung der Wähler.
Genau das verstehen Politiker wie Pofalla nicht: dass das Netz für viele Deutschen zur Lebenswelt geworden ist. Für diejenigen, die jetzt den Aufschrei proben, ist es ihr Zuhause. Wird es überwacht, werden ganze Leben überwacht. Und nicht, wie beim Telefon, einzelne Gespräche. Nicht nur deshalb ist dieses Zuhause in Gefahr.
(…)
Das alles führt zur Einschüchterung der Nutzer. „Chilling Effects“ nennt man es, wenn allein das Wissen, dass Überwachung, zumal flächendeckende, stattfinden könnte, zu vorauseilendem Gehorsam führt. Wenn sich Nutzer fragen, ob die Nachricht, die sie schreiben, das Video, das sie anschauen, die Lektüre des Textes, den sie lesen, nicht irgendwann gegen sie verwendet wird. Und dann die Nachricht nicht schreiben, den Text nicht lesen, das Video nicht gucken. Wer so aus Angst vor Folgen handelt, ist fremd im eigenen Haus. Er ist auch kein Bürger mehr. Er ist ein Untertan.

Was ich bestätigen kann. Meine Mutter (der Paranoia definitiv unverdächtig) hat mir letztens verboten, mit ihr am Telefon über Snowden & Co. zu sprechen. Quod erat demonstrandum.

Dazu passend, was das Woxikon-Synonymwörterbuch für das Wort „Überwachung“ vorschlägt:

Synonyme für �berwachung

Nett, nicht? Unser lieber Innenminister Friedrich könnte ja vielleicht den „Neues Synonym vorschlagen“-Button benutzen und anregen, „Supergrundrecht“ als weiteres Synonym in die Liste mitaufzunehmen.

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Leck im AKW Gundremmingen
(das übrigens baugleich mit dem Fukushima-Reaktor ist…):

Aus der Leckage seien „einige Tropfen pro Minute“ ausgetreten und innerhalb des Kontrollbereichs des Reaktorgebäudes der regulären Abwasseraufbereitung zugeleitet worden, teilte RWE weiter mit. Bei der austretenden Flüssigkeit handelte es sich den Angaben zufolge um Kühlwasser aus dem Dampf-Wasser-Kreislauf zwischen Reaktor und einer Turbine zur Stromerzeugung. Das Wasser kommt direkt mit den Brennstäben in Kontakt und ist deshalb radioaktiv.

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Nach allem, was man inzwischen über sie weiß, ist allein die Tatsache, daß Google sich mit einer Wahlplattform in die Bundestagswahl einmischt, besorgniserregend. Nutzlos für Wähler_innen isses auch noch:

„Mach‘ die Wahl zu Deiner Wahl“ steht neuerdings unter der Sucheingabe-Maske auf Google.de. Hinter dem Link verbirgt sich „ein digitaler Treffpunkt, bei dem man sich nicht nur informieren, sondern auch über Programme und die Politiker diskutieren kann“. So sagt es zumindest ein Sprecher des Konzerns.

Der erste Blick ist ernüchternd: Die Startseite wirkt, als habe Google für jeden seiner Dienste eine auf Politik getrimmte Werbeanzeige erstellt. Und die dann einfach nebeneinander geklatscht.
Es gibt da: Links zu den Parteien auf Google Plus, dem hauseigenen Social Network. Links zu Google News. Links zu Google Hangouts, der eigenen Videokonferenz-Plattform. Und Links zu Youtube. Wer so eine Übersicht bislang vermisst hat, dem wird hier geholfen.
Eine Revolution ist das nicht. Es gibt bessere Wahl-Plattformen, sie heißen zum Beispiel wahl.de oder politik-digital.de. Google bedient sich bei dieser Konkurrenz, Google lässt sich füttern.

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Juliane Wiedemaier beschreibt, wie beim Wahlkampf die Presse so selektiert wird, daß das „beste Ergebnis“ rauskommt:

Angela Merkel hat an einer Schule ums Eck eine Geschichtsstunde gegeben. Und ich durfte dabei sein. Bzw. in der Nähe sein. Bzw. ein Foto davon machen, wie Angela Merkel einen sorgsam aufgebauten Jubelparcours durchschritt und danach in der Schule verschwand. Wo außer dem Veranstalter, dem Jugendmagazin Spießer, keine Presse zugelassen war. Mein Ausschluss lag also nicht ausschließlich an der vermeintlichen Bedeutungslosigkeit meines Mediums.

Wie gesagt, ich bin kleine Lokaljournalistin. Wenn ich den Stadtrat treffe, bringt er keine Jubelperser mit und ich darf dafür Fragen stellen. In der Bundespolitik scheint das anders zu laufen. Da werden zu einem Termin zum Jahrestag des Mauerbaus erst gar keine Wort-, sondern nur Bildjournalisten zugelassen, und denen bleibt dann genau eine Minute Zeit, festzuhalten, wie Angela Merkel winkt, Hände schüttelt und Drillinge kennenlernt.

…und wie Schüler_innen schamlos für den Wahlkampf instrumentalisiert werden:

Es herrschte eine Stimmung wie beim Justin-Bieber-Konzert. Ich frage mich nur, ob 15-Jährige wirklich auf Angela Merkel stehen oder eher jemand dafür gesorgt hat, dass sie an diesem Tag gar nicht anders konnten als sich begeistern.

Veranstalter des ganzen war, wie gesagt, der Spießer. Eine sympathische Schüler-Zeitung, die sich offenbar gerne erst die gesamte Presse einlädt, ihr dann die Tür vor der Nase zuschlägt und im Anschluss noch schöne Zitate zur Weiterverwendung anbietet. Ganz recht, als sei die Sache nicht so schon absurd genug gewesen, drückte mir zum Abschluss eine junge Frau eine Pressemappe in die Hand mit dem Hinweis, da finde ich dann auch den Link für die abgestimmten Zitate. Dem zu folgen ich mir natürlich nicht ersparen wollte, sodass ich jetzt weiß, dass die paar Schüler, die der sagenumwobenen Geschichtsstunde tatsächlich beiwohnen durften, Merkel “humorvoll” und “offen” und den Unterricht “überraschend gut” und “mit 1-” zu bewerten fanden.

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James H. Meredith war der erste schwarze Student an der University of Mississippi – vor 50 Jahren machte er seinen Abschluß. Sein Studium verlief nicht reibungslos, Politiker und Ku-Klux-Klan und andere Rassisten machten gegen ihn mobil:

Fast hätte er das Studium abgebrochen. Er fand, auch darauf hatte er ein Recht. Am Tag vor Heiligabend wurde auf seine Familie geschossen. Seine Mutter redete ihm zu, weiterzumachen, seine kleine Schwester hat sich von dem Terror nie erholt: Mit 25 nahm sie sich das Leben.
Meredith senior ist inzwischen 80 und noch immer ein unbequemer Rebell, der sich nicht vereinnahmen lässt. Bis heute stecken etliche der 100 Kugeln in seinem Körper, mit denen ein Attentäter 1966 versuchte, ihn umzubringen.