Rollstuhl-Contest, Bullen vs. Huren & 20 Jahre Björk

Polizei versaut die Arbeitsbedingungen von Prostituierten, 20 Jahre Björk, Asyl für Snowden, Happy Birthday Mandela!, „Ich geh aufs Amt, Baby!“, Blackberry sammelt Eure E-Mail-Paßwörter, Mazedonien verschärft rigoros das Abtreibungsrecht, Rollstuhl-Contest, Kathleen Hanna zum Freispruch Zimmermanns, Asylbewerber in Bayern, unbeantwortete Fragen zu Prism& Co. und weshalb uns das ALLE angeht, Netzneutralität? R.I.P. & Coca Cola hält den Vornamen „Mohammed“ für anstößig.
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Die Kontaktverbotszone in St. Georg schadet den Huren. Zusätzlich sind nun auch noch Zivilpolizist_innen unterwegs, um ihnen die Arbeit zu erschweren:

In den Behörden herrscht laut Senatssprecher Schmoll derzeit Uneinigkeit über Sinn und Wirkung der Maßnahme, deshalb die Verlängerung. „In nur einem Jahr reichen die Erfahrungen nicht aus“, sagt Schmoll. Das sieht die Streetworkerin Korte-Langner anders: „Wir sehen nur Negatives“, sagt sie. „Durch die hohe Repression hat die Prostitution in St. Georg nicht abgenommen“, so Korte-Langner, „sie hat sich nur in das Dunkelfeld verlagert, was die Arbeit noch gefährlicher macht.“ Denn nun müssten sich die Frauen mit den Kunden in dunklen Ecken und Höfen treffen oder sogar in fremde Autos einsteigen.

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Helga von femgeeks
regt sich zu Recht darüber auf, daß auf den Prism/Tempora-Skandal anscheinend null und gar nichts folgt:

Kein Wunder also, wenn Angela Merkel ihren Untertan_innen Bürger_innen nur Platitüden liefert. Allem neu-entdeckten Nationalflaggenstolz zum Trotz ist die Bedeutung Internationalen Rechts im Zeitalter von amazon.co.uk-Päckchen doch eher weit weg vom täglichen Leben. Was passieren müsste, wären konkrete Ansagen. Wieviele verschiedene Stichwörter muss ich in meinen Mails genannt haben? Was passiert dann eigentlich? Liest nach einer Maschine noch ein Mensch meine E-Mails? Dass der wenigste Widerstand kommt, wenn es keine Dinge zum widerstehen gibt, weiß niemand besser als Angela Merkel. Von ihr dürfen wir daher keine Hilfe erwarten.

Auch der Spiegel dröselt nochmal auf, weshalb wir alle, jede_r einzelne, von dem Datenspähskandal direkt betroffen sind:

Es geht nicht nur um Sie. Wer trotz allem glaubt, dass weder er selbst noch eines seiner Familienmitglieder, noch ein Bekannter eines Familienmitglieds je in das Suchraster eines Geheimdiensts fallen könnte, sollte einmal einen Schritt zurücktreten. Eine automatisierte Überwachung kann in anderen Ländern helfen, blitzschnell Regierungsgegner ausfindig zu machen. Hierzulande bedroht sie Firmeninhaber oder Forscher, Ärzte oder Aktivisten. Und sie kann Journalisten und deren Informanten in Gefahr bringen.

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Auf der Coca-Cola-Homepage kann man nun eine Cokeflasche virtuell beschriften – so lange man brav „Trink eine Coke mit Susi“ eingibt und nicht eben „Gift“ statt „Susi“ oder dergleichen. Das will Coca Cola nämlich nicht. Deswegen gibt es eine Blacklist. Und auf der steht auch der weltweit häufigste Vornamen: Mohammed. So heißen zwar über 150 Millionen Leute, aber gestrichen wird’s trotzdem – weil jemand ja den Namen anstößig finden könnte:

Auch ein Name findet sich auf der Liste: Mohammed. „Wir sortieren Begriffe aus, die politische Aussagen enthalten oder religiöse Gefühle verletzen könnten“, begründet ein Sprecher von Coca-Cola die Auswahl. Deswegen mag der Konzern allzu Subtiles, mitunter Intelligentes, ebenfalls nicht: „Diabetes“, „Zucker“ und „Gift“ sind genauso gelistet wie der Name des US-Spähprogramms Prism oder „Kapitalismus“.

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Deutschlandradio bringt es auf den Punkt: Bye Bye Netzneutralität.

Kirsten Fiedler von der internationalen Bürgerrechtsvereinigung European Digital Rights in Brüssel kritisiert die Kommissarin für ihre Vorschläge:

„Sie will das genaue Gegenteil von Netzneutralität festschreiben lassen, das heißt, sie will ausdrücklich erlauben, dass Kommunikationsunternehmen Deals eingehen können mit Inhalteanbietern. Dadurch kommt es zu positiver Diskriminierung und andere kleine Start-ups hätten nicht die gleichen Chancen auf dem Markt wie größere Anbieter, die es sich leisten können, Vereinbarungen einzugehen.“

Wie viele Kritiker warnt Fiedler vor einem Zwei-Klassen-Internet. Der EU-Plan könnte dazu führen, dass das Internet nicht mehr allen Nutzern in der gleichen Weise offensteht.

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Happy Birthday, Madiba!! Heute feiert Nelson Mandela seinen 95. Geburtstag – der Tagesspiegel widmet ihm einen Artikel:

Dabei vergessen wir, dass Mandela das Land während seiner Regierungszeit von einem Stinktier in einen Kronprinzen verwandelt hat – dank seiner Integrität. Wir vergessen, dass er uns beizubringen versuchte, Intoleranz und Rache auf den Trümmerhaufen des Transformationsprozesses zu werfen. Jeder einzelne ist verpflichtet, an den Räumen der Güte mitzubauen, in denen wir in Würde miteinander leben können.
Politik ist die Kunst des Möglichen. Deshalb vergessen wir auch leicht, dass Mandelas Politik in gewisser Weise die Kunst des Unmöglichen war. Sein Vermächtnis beruht auf dem einzigartigen Fundament moralischer Autorität im Dienst des Unmöglichen. Mandela ist der Beweis, dass ein politischer Führer die sehnlichsten Träume der Menschen fast in Reinform verkörpern kann.

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Die Kaltmamsell wagt sich ins Kriegsgebiet namens „Bundesagentur für Arbeit“ (immerhin gibt’s ein Happy End):

Zehn Tage gab mir das Anweisungsblatt fürs Herbeischaffen aller Unterlagen für den Antrag auf Arbeitslosengeld. Dann sollte ich eine Servicenummer anrufen und einen Termin für die Besprechung meines Antrags auf Arbeitslosengeld vereinbaren. Entsprechend panisch war ich, als ich am Stichtag keineswegs alls Bescheinigungen beisammen hatte, obwohl ich alles am Tag des Erhalts abgeschickt hatte: Die Arbeitsbescheinigung des Arbeitgebers brauchte 13 Tage, beim Ausfüllen des Antrags hatte ich herausgefunden, dass ich zusätzliche Formulare benötigte. Die ich erst beim Arbeitsamt holen musste (es steht erstaunlich wenig online zur Verfügung), dann per Post weiterschicken, zu deren Bearbeitung ich die Empfängerstelle erst durch Hinterhertelefonieren brachte.
Mit viel schlechtem Gewissen rief ich am Tag der Deadline die Servicenummer an – und geriet an eine Bandansage, dass diese Nummer nicht mehr gelte. Unter der neuen Nummer wurde ich beruhigt: Der nächste freie Termin zum Durchsprechen meines Antrags war ohnehin noch drei Wochen entfernt, fünf Wochen nach meiner Arbeitslos-Meldung.

Passend dazu Körpa Klauz: „Ich geh aufs Amt, Baby!“ (mp3)

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Wer hat den coolsten Rollstuhl? Ninia LaGrande verweist auf einen Fotowettbewerb von „Rehacare“ namens „Pimp up my Rolli“ . Allerdings – kleine Kritik meinerseits – mich nervt es, daß das Wort „Pimp“ immer mehr verharmlosend als Synonym für „Aufhübschen“ verwendet wird… dabei ist es doch echt nicht notwendig, bei so einer Aktion das Wort „Pimp“, also „Zuhälter“ zu verwenden… aber abgesehen davon – coole Aktion! Mitmachen! Geht noch bis zum 30 Juli!

In den letzten Jahren waren schon richtig gute Ideen dabei. Ich bin gespannt, wie man das in diesem Jahr noch toppen soll. Es gibt zwei verschiedene Kategorien: Erwachsene und Kids. Gewinnen könnt ihr einen Urlaub in der Lüneburger Heide (natürlich barrierefrei). Die Gewinner von Pimp my Rolli 2013 werden bei der offiziellen Preisverleihung am 27.09.2013 auf der REHACARE-Messe in Düsseldorf bekannt gegeben.

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Wie beschissen es ist, wenn man nicht einfach wie jede_r andere auch seine Lebensmittel selbst kaufen kann, sondern als Asylbewerber_in nur Essenspakete kriegt, erzählt Ibtissam, die eine Woche lang ihre Essenspakete gegen finanziellen Ausgleich an jemand anderen abgegeben hat. Aber nicht nur die Essenspakete sind bizarrer Blödsinn, sondern das ganze (bayrische) System:

Im November habe ich es nicht mehr ausgehalten und habe mir die Pulsadern aufgeschnitten. Ich wollte nicht mehr leben, nicht so. Es sind nicht nur die Essenspakete. Wir sitzen hier im Wald fest, in einem ehemaligen Berghotel,was für eine Ironie. Es geht nur ein Bus früh morgens um sechs Uhr und einer am Abend zurück. Wenn ich einen Termin in Bamberg habe, muss ich den ganzen Tag dort bleiben und kann nichts tun, man braucht ja für alles Geld. Ich darf nicht arbeiten. Ich bin eigentlich Friseurin und würde gern arbeiten. Wir dürfen auch keine Sprachkurse machen. Wir dürfen uns nur innerhalb des Landkreises bewegen. Manche dürfen noch in den Landkreis Schweinfurt, allerdings nicht in der Stadt Schweinfurt, das heißt, wenn sie mit dem Zug durch die Stadt fahren, machen sie sich strafbar.

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20 Jahre ist es her, daß die großartige Björk ihr wegweisendes Debütalbum veröffentlicht hat. Die Mädchenmannschaft gratuliert der Künstlerin mit einer Musikauswahl:

“Debut” ist vielen Aufstellungen der besten Platten der 90er gelistet, und es wird in 1001 Albums You Must Hear Before You Die genannt. Es gibt Material, das Björk bereits als Jugendliche geschrieben hatte, und eigens für die Produktion komponierte Tracks, und für den Feinschliff sorgte Nellee Hooper (auch bekannt als Massive-Attack-Sound-Feintuner).

Herzlichen Dank an Frau Guðmundsdóttir, die uns nun schon seit so langer Zeit mit unglaublich fantastischer Musik beglückt!

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Mazedonien hat sein Abtreibungsrecht dramatisch verschärft; beispielsweise muß jetzt der Erzeuger zustimmen – mit dem bekloppten Argument, so würden mehr Kinder geboren werden. Die große Sauerei ist, daß das ganze ohne irgendeine öffentliche Debatte beschlossen wurde.:

Weitgehend ohne öffentliche Debatte wurde im Juni in Mazedonien das Abtreibungsrecht massiv eingeschränkt. Das neue Gesetz sieht eine Fristenregelung von zehn Wochen vor. Frauen müssen außerdem einen schriftlichen Antrag im Gesundheitsministerium stellen und belegen, den Erzeuger über diesen Schritt in Kenntnis gesetzt zu haben. Hinzu kommt, dass Beratungen gemeinsam mit dem einverstandenen Erzeuger absolviert werden müssen.

Auch eine Wartezeit zur Abtreibung nach dem vorgeschriebenen Beratungsgespräch von mindestens drei Tagen muss eingehalten werden. Weiters darf jede Frau nur einen Abbruch pro Jahr vornehmen lassen. Vom Gesetz ausgenommen sind Schwangerschaftsabbrüche aus medizinischen Gründen und nach Vergewaltigungen. Vor dieser Verschärfung war das mazedonische mit dem österreichischen Abtreibungsrecht vergleichbar.

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Kathleen Hanna bringt in wenigen Worten auf den Nenner, weshalb der Freispruch des Mörders von Trayvon Martin regelrecht pervers ist:

After following the trial of George Zimmerman, the man who hunted down and killed 17 year old Trayvon Martin, and reading so many racist comments after every YouTube clip, article and link, it makes sense that Zimmerman was found not guilty. Of anything. Murder. Manslaughter. Nothing. I mean, shit, if I got drunk and drove my car into someone I’d probably get manslaughter. This guy got out of his car with a loaded gun that had a live round in the chamber, followed a kid home, blocked the way to his door and then chased him down and killed him. Go to hell George Zimmerman, and fuck you Fox News and all the assholes on twitter who think racist vigilantes are cool and fuck everyone who gave even one dollar to this fake cop/judge and jury who decided who deserved to live and die that night.

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Hat hier wer ein Blackberry? Dann werden Eure E-Mail-Paßwörter ungefragt gesammelt und weitergeleitet:

Frank Rieger, Sprecher des Chaos Computer Clubs, hat die heimliche Übertragung entdeckt. Rieger hatte sich ein Blackberry Q10 gekauft und in dessen E-Mail-App den Zugriff auf sein Postfach per IMAP eingerichtet.

Rieger betreibt seinen eigenen E-Mail-Server. Kurz nach der Einrichtung der Blackberry-App registrierte er erfolgreiche Verbindungsversuche von einem Blackberry-Server in Kanada auf seinen eigenen, mitsamt seinen Zugangsdaten.

Schlimmer noch: Die Verbindung ging auch noch über Großbritannien und die USA, sie passiert also auch die Abhörinfrastruktur britischer und amerikanischer Geheimdienste. Wenn der E-Mail-Provider beziehungsweise der eigene Mailserver nur mit SSL/TLS verschlüsselte Verbindungen zulässt, können die zwar nicht mitlesen. Aber zumindest Blackberry bekommt den Zugriff auf die Daten.

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Die Welt steht Kopf?
Obwohl Edward Snowden einen riesen Beitrag für die Gesellschaft geleistet hat, muß er nun ausgerechnet in Russland Asyl beantragen:

Jedenfalls hat Edward Snowden viel ausgelöst und persönlich noch mehr aufgegeben. Wie kann es da sein, ihn als Schutzsuchenden abzuweisen? Warum ist er nicht längst in Paris oder Berlin, wo man einer Oligarchin wie Julia Timoschenko den roten Teppich ausrollen würde, wollten die ukrainischen Behörden die Staatsgefangene Nr. 1 nur ziehen lassen.


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