Nerdstolz,Gebärstreik & Maskulisten-Flashmob

Extremisten in der Bundeswehr, Abtreibung raus aus dem Strafgesetzbuch!, Maskulisten-Flashmob attackiert NDR, Werdet kreativ – und zeichnet!, Freierbestrafung schadet Huren, für einen 4-Stunden-Tag!, Roma kämpfen gegen negative Vorurteile, Snowdens Dokumente & Nixblick-Politiker_innen im Datenskandal, Verletzlichkeit zeigen in Social Media, Jenny hot an Job kriegt, Gebärstreikdebatte 1913 und Nerdstolz.

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Sarah Diel plädiert für eine selbstbestimmten Umgang mit Abtreibungen und stellt fest: Schwangerschaftsabbrüche gehören nicht ins Strafgesetzbuch!

In Deutschland ist ein Abbruch immer noch illegal – aber bis zur zwölften Woche straffrei. Diese Frist ist, auch im Hinblick darauf, dass der Fötus vor der 22. Woche weder Schmerzempfinden noch ein Bewusstsein hat, willkürlich gesetzt. Manchmal ist ein Abbruch auch nach der zwölften Woche notwendig, weil sich Lebensumstände verschlimmern oder weil die Schwangerschaft zu spät entdeckt wurde.

In Deutschland müssen Frauen dafür immer noch nach Holland reisen, wenn sie sich dies überhaupt leisten können. Dies tun etwa 1000 Frauen im Jahr.

Eine Frauenärztin berichtete, dass viele Fälle von Abbrüchen nach der zwölften Woche, die sie erlebt hat, meistens mit häuslicher Gewalt oder Angst vor Bestrafung von ihren Familien einhergingen.

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Johannes Kuhn bringt das Hautproblem des Snowden-Datenskandals in der Süddeutschen auf den Punkt: wir werden von Politiker_innen regiert, die offensichtlich nicht im Geringsten kapieren, was für ein schwerwiegendes Ausmaß dieser Skandal hat:

Das realpolitische Kalkül, das Verhältnis zu den schnüffelnden Verbündeten nicht zu schwächen und den Austausch zwischen den Geheimdiensten auch in der Post-Snowden-Ära zu gewährleisten, erscheint nachvollziehbar. Doch darin äußert sich auch blankes Unverständnis für das Ausmaß dessen, was sich mit Prism und Co offenbart hat.

Und anscheinend hat Snowden noch wesentlich mehr zu veröffentlichen:

Snowden besitzt laut Greenwald eine gewaltige Menge an Dokumenten. Tausende davon habe er auf verschiedene Orte verteilt und so „sichergestellt, dass mehrere Personen weltweit sein Archiv komplett haben“. Das sei eine Lebensversicherung für den Whistleblower. Sollte ihm etwas zustoßen, würden diese Dokumente veröffentlicht. Für die Vereinigten Staaten wäre dies nach Einschätzung von Greenwald „ihr schlimmster Alptraum“.

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Antje Schrupp macht sich Gedanken über die Selbstdarstellung in Social Media und die Reaktion(en) darauf, wenn man sich verletzlich zeigt:

Es ist also ein Unterschied, ob ich in der Zeitung lese, dass sich irgend eine Promi beim Wandern den Knöchel verknackst hat, oder ob ich das bei Facebook von einer alten Schulfreundin, einem Arbeitskollegen oder auch nur von jemandem lese, mit dem ich schon regelmäßig in Kommentarspalten unserer Blogs diskutiert habe. Bei der Promi in der Zeitung sind keinerlei Beziehungen involviert, ich kann ihr Unglück voyeuristisch zur Kenntnis nehmen, vielleicht beruhigt es sogar meinen Neid darauf, dass sie zu den Schönen und Reichen gehört, denn immerhin verknackst sie sich ja auch den Knöchel.

Eine solche Haltung kann ich aber nicht Leuten gegenüber einnehmen, die ich persönlich “kenne”, auch wenn das Kennen nur sehr lose und sporadisch sein mag. Andererseits wäre ich aber auch emotional überlastet, wenn ich die verknacksten Knöchel all meiner Facebook- und Twitter-Kontakte auch nur zur Kenntnis nehmen wollte – von ihren wirklich ernsthaften Problemen ganz zu schweigen.

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High on Clichés zeichnet. Und fragt in die Runde:

Was macht ihr Kreatives? Wenn ihr mögt, verlinkt es. Macht es euch fröhlicher? Macht ihr es aus einem anderen Grund?

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Der NDR veröffentlichte einen (durchaus brauchbaren) Artikel namens „Das F_Wort oder brauchen wir Feminismus?“ – und war dann schockiert über die haßerfüllten Kommentare, von denen sie überrollt wurden. Klarer Fall: Leute, die in der maskulistischen Internetsphäre vernetzt sind, werden über feministische (oder was sie dafür halten) Srtikel informiert – und dann wird geplant eine Kommentarspalte mit maskulistischem Protest (vorsichtig formuliert) überflutet. Kann man überall beobachten. Das hat der NDR (wichtig, wie ich meine!), dann auch in einem weiteren Beitrag thematisiert:

Anfeindungen, Anschuldigungen, Wut. Einige Äußerungen waren so aggressiv und hasserfüllt, dass NDR.de sie im Forum nicht freigeschaltet hat. Bemerkenswert darüber hinaus: Fast ausschließlich Männer meldeten sich zu Wort. Was bedeutet das? Fühlt sich die Mehrheit der Männer vom Feminismus bedroht und in ihren Rechten eingeschränkt? „Nein“, sagt der Soziologe Hinrich Rosenbrock von der Universität Marburg (Hessen). NDR.de hatte offenbar Besuch von einer Gruppe Antifeministen, die gezielt Artikel zum Thema Feminismus attackieren.

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In der taz wird die Gebärstreikdebatte von 1913 angeschaut – die SPD-Führung plädierte damals gegen Geburtenkontrolle, war der Meinung, so viele (Arbeiter)kinder wie möglich seien das Optimum. Fanden die Frauen aber nicht und bestanden auf Kontrolle ihrer Reproduktionsfähigkeit:

Sozialdemokraten führten die rückläufige Geburtenzahl bei Arbeiterfrauen auf eine biologisch bedingte Unfruchtbarkeit infolge kapitalistischer Arbeitsverhältnisse zurück. Mit dieser Position hatte die SPD in ihren eigenen Reihen einen schweren Stand.

Auf die Forderungen von Moses und Bernstein reagierte die SPD-Parteileitung 1913 mit Artikeln im Vorwärts: „Gerade unter den Genossinnen findet man Verteidiger für die Notwendigkeit des Gebärstreiks. Sie schildern lebhaft die Nöte einer Mutter mit acht Kindern, deren Berufs- und Hausarbeiten keine Zeit zum Besuch von Versammlungen übrig lassen. Diese Beweisführung, die von tausenden Proletariermüttern mit dem Gefühl eigener bitterer Erfahrungen wiederholt wird, ist, so bestechend sie auch erscheinen mag, nichtsdestoweniger falsch.“

Prinzipiell ist die Einstellung doch heute die Gleiche: es soll vor allem massig Nachwuchs in der eigenen Gruppe geben (siehe Sarrazin etc.) – und da sind wir bei der Machtfrage: wie wird diesbezüglich Macht ausgeübt, wenn man versucht, die Frauen und ihre Gebährfähigkeit zu kontrollieren? Stichwort (Spät-)abrtreibungen oder Pille danach.

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Der freitag spricht mit David Graeper von Occupy – der (yes!) für einen 4-Stunden-Tag plädiert – und für ein Umdenken, was „Geld“ eigentlich bedeutet:

Wir tun so, als wäre Geld eine begrenzte Ressource wie Öl. In Wirklichkeit ist Geld eine soziale Übereinkunft. Es besteht aus gesellschaftlich zirkulierenden Versprechen, die man freilich ganz anders organisieren könnte, als das heute der Fall ist. Leider gibt es im Moment eine Blockade der Imagination. Die Kreativität ist verloren gegangen, mit der Politiker in der Nachkriegszeit große Entwürfe wie den Wohlfahrtsstaat, die Vereinten Nationen oder das Weltraumprogramm umsetzten. Die Machteliten glauben, sie könnten das System am besten verteidigen, wenn sie die Menschen überzeugen, dass es keine Alternativen gibt.

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Wie #aufschrei weitergeht und die Debattenkultur beeinflußt hat, beschreibt flannel apparel:

Wo Mainstream-Medien und andere prominente Plätze lange kein Ort gewesen sind, an dem Feminismus sichtbar und laut gelebt wurde, haben sich Frauen über digitale Bündnisse selbst Bühnen geschaffen, die klassischen Präsentationsflächen gewachsen sind und diese herausfordern. Die Mechanismen des öffentlichen Diskurses haben sich mit der digitalen Vernetzung von Menschen gewandelt: Geschichten und Impulse für Debatten benötigen keine Nachrichtenagenturen oder Massenmedien, um etwas in Bewegung zu setzen; über soziale Netzwerke und selbst organisierte Publikationen wie Blogs, kann die Quelle einer Story sichtbar sein, die Nachricht sich von dort aus entwickeln und Knotenpunkt einer vernetzten Erzählung bleiben. Forterzählung in klassischen Medien kann ihre Verbreitung entscheidend unterstützen, Journalistinnen werden jedoch nicht mehr benötigt, um eine Geschichte zu legitimieren. Der Druck auf Medien, ein Geschehnis ebenfalls aufzugreifen, kann heute binnen Minuten von denjenigen Bürgerinnen ausgeübt werden, die lange Zeit ein vornehmlich passives Publikum gewesen sind. So wurde über den Brief von sieben Frauen, die Bundespräsident Gauck nicht durchgehen lassen wollten, dass er #aufschrei als »Tugendfuror« bezeichnet hatte, kurz nach Erscheinen als Topmeldung auf Spiegel-Online veröffentlicht.

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Sina macht nochmal deutlich, warum die Bestrafung von Freiern den Prostituierten in keinster Weise hilft:

Wenn man annimmt dass die Polizei das Verbot tatsächlich durchsetzen will, wird sie versuchen möglichst viele Kunden zu erwischen. Dies geht natürlich am einfachsten, indem man Sexarbeiterinnen ausfindig macht und sie regelmässig bei ihrer Arbeit stört. Sexarbeiterinnen sind auf ihr Einkommen angewiesen. Wenn nun eine Sexarbeiterin vergewaltigt oder sonst wie von Kunden misshandelt wird, wird sie es ich gut überlegen zur Polizei zu gehen,
denn dann gerät sie auf den Radar der Sittenpolizei. Sie muss in erster Linie um ihr Einkommen und ihre Ruhe fürchten, aber auch um ihre Kinder, denn die Jugendschutzbehörden Schwedens sehen gar nicht gerne sexarbeitende Mütter. Auch ihr Partner steht unter dem Verdacht ein Zuhälter zu sein. Vielleicht wird sie sogar auf die Strasse gestellt, denn eine Sexarbeiterin zu beherbergen kann u.U. als Zuhälterei gelten.

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Suzi Price ist ein IT-Nerd und stolz drauf – und diskutiert, weshalb das unattraktive Label des „IT-Neds“ gerade Frauen abschreckt:

Recent research from America shows that women are much more likely to be put off IT jobs than men due to the negative image of the IT ‚nerd‘. Despite the fact that the stereotype of the computer scientist as technology-oriented, intensely focused on computers, intelligent and socially unskilled seems to be prevalent among both men and women, the research highlights that it is women who find this image more off putting. As a result, the researchers concluded that this is because women see these characteristics as ‚incompatible with the female gender role and inconsistent with how many women see themselves‘.

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High on Clichés zeichnet. Und fragt in die Runde:

Was macht ihr Kreatives? Wenn ihr mögt, verlinkt es. Macht es euch fröhlicher? Macht ihr es aus einem anderen Grund?

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Roma kämpfen aktiv gegen das negative Image an
, das sie verpaßt kriegen:

Obdachlose Roma, arbeitslose Roma, diskriminierte Roma, Roma in überbelegten Wohnungen, verwahrloste Roma-Kinder – das sind auch die Protagonisten der meisten Geschichten, die in den Medien über Roma erzählt werden.

Ausgerechnet damit sich das ändert, sitzen die zehn Journalisten jetzt der Klischee-Roma-Familie gegenüber, auf Einladung des Mediendienstes Integration. Das ist ein Projekt des Rats für Migration, einem bundesweiten Zusammenschluss von Migrationsforschern. Denn auf den zweiten Blick passt die Familie doch nicht so ganz ins Klischee. Die 13-jährige Tochter Andrea geht nämlich jeden Tag in die Schule. Sie arbeitet daran, eine bessere Zukunft als ihre Eltern zu haben.

Das ist vor allem einer anderen Roma zu verdanken. Die arbeitet als Roma-Mediatorin in Andreas Schule, hilft den Kindern beim Deutschlernen, verteidigt sie gegen Diskriminierung durch Mitschüler und Lehrer oder begleitet auch mal vormittags die Eltern bei Behördengängen – damit Kinder wie Andrea das nicht selbst tun müssen und deshalb im Unterricht fehlen.

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Beschreibt immer noch die momentane Situation, in der viele Migrant_innen sind:

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Nazis in der Bundeswehr (was ne Überraschung?) – der Militärische Abschirmdienst hat beim Bund hunderte (Rechts-)extremisten ausgemacht:

Für rechtsextremes Gedankengut sei vor allem die Gruppe der Männer zwischen 18 und 25 Jahren anfällig, sagte Birkenheier. Für sie sei die Bundeswehr attraktiv, „weil dort eine bestimmte Struktur herrscht“. Außerdem sei der Umgang mit Waffen „für einige sehr interessant“.

„Spürbar“ gestiegen sei die Zahl der enttarnten islamistischen Extremisten: 2011 habe es gut 40 solcher Fälle gegeben, 2012 seien es schon 50 gewesen. Besonders auffällig seien hier Konvertiten, die sich radikalisierten.

Linksextremes Gedankengut sei dagegen in den Streitkräften kaum zu finden. „Diejenigen, die eine Linksneigung haben, die sind ja traditionell nicht so sehr auf die Bundeswehr fixiert“, sagte Birkenheier. Linksextremisten nähmen die Bundeswehr eher „von außen“ ins Visier.


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