Geschlechtslos, Wütend & NSA

NSA, Anne Will & Piraten, Wut auf Belästiger, die offiziell als geschlechtslos anerkannte Norrie May-Welbie im Interview, Wikipedia, russische Homophobie und feministischer Zusammenhalt.

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Artikel in der Süddeutschen über Norrie May-Welbie, die erste Person, in deren Paß ein X steht statt m für männlich oder w für weiblich:

Im Alter von 27 Jahren unterzog sie sich einem operativem Eingriff. Aus ihrem Penis wurde eine Vagina geformt, sie bekam Hormone. Doch nur zwei Jahre, nachdem sie sich dagegen entschieden hatte, ein Mann zu sein, beendete sie die Hormonbehandlung. Auch als Frau fühlte sie sich nicht wohl. „Ich wollte mein natürliches Ich, meinen Körper, meine Gedanken erleben.“ Norrie begann zu kämpfen.

Sie wollte, dass in ihrem Reisepass bei der Kategorie Geschlecht ein „X“ statt des üblichen „M“ für männlich oder „W“ für weiblich steht. „Wenn ich meinen Pass zeige, will ich nicht, dass da falsche Informationen drinstehen. Wenn in meinem Pass steht ich sei weiblich, könnte es wegen meines Adamsapfels und meiner breiten Brust Probleme geben“, schrieb Norrie in ihrem Online-Artikel.

Hier das Video mit dem Interview – sehr sehenswert:

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Ein Russischstudent über die Homophobie der Russ_innen, die er in seinen 4 Monaten in Moskau gesehen hat:

Sprach ich mit Menschen mit „traditioneller sexueller Orientierung“, wie man hier in den nur wenig objektiven Nachrichtensendungen zu hören bekommt, dann las ich in ihren Gesichtern meist Unverständnis bis Ekel. Zu Beginn meines viermonatigen Aufenthaltes nahm ich das gar nicht wahr. Ehrlich gesagt war dieses Thema für mich nur wenig interessant, da es für mich eine Selbstverständlichkeit ist, in meinem Leben auf Menschen verschiedenster sexueller Orientierung, Herkunft, Abstammung oder Religion zu treffen. Ich möchte nicht behaupten, dass ich vorurteilsfrei bin – ich kann mir lediglich sicher sein, dass ich versuche, es zu sein.

Wenn ich an die Gespräche zurückdenke, dann kommen mir stets dieselben, vorgeschobenen und völlig unlogischen Argumente in den Sinn. Man spricht von Unnatürlichkeit, von einer Gefahr für das Wohl der Kinder der russischen Gesellschaft, von demographischen Problemen, als könne man diese durch vom Staat propagierte und gerngesehene Diskriminierung beseitigen.

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auf Zehenspitzen plädiert für mehr Zusammenhalt unter Feminist_innen:

Die vielen Streitigkeiten “Gleichgesinnter”, die ich in letzter Zeit auf Twitter und sonst wo im Netz verfolgt habe, lassen mich nicht los. Ich weiß, wie wichtig tief und tiefer gehende Auseinandersetzungen, intellektuelle Streitkämpfe und Wortklaubereien sind. Ich weiß, wie viel diese beitragen, sich auch selber weiterentwickeln zu können. Aber einmal mehr habe ich das Gefühl, dass diese Konflikte die Kraft nehmen, Konflikte außerhalb dieser Blase zu führen. Konflikte, die auf einer anderen, sehr konkreten Ebene ansetzen müssen, um weitergetragen zu werden, wie ich finde.

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Wie funktioniert eigentlich dieses Wikipedia? So.

Einen bestehenden Artikel zu bearbeiten, geht immer auf die gleiche Art: Durch den Klick auf “Bearbeiten” oben rechts kommt eine Seite in den Bearbeitungsmodus. Jetzt könnt ihr im Text an die Stelle navigieren, wo es eine Änderung geben soll und sie einfügen. Nicht wundern: Wikipedia zeigt Texte im Bearbeitungsmodus in html an. Wenn ihr nicht sicher seid, wir ihr das, was ihr machen wollt (z.B. Einfügen von Bildern) über html macht, geht unter dem Artikeltext auf “Bearbeitungshilfe”. Dahinter verbergen sich viele Seiten mit Anleitungen zu einzelnen Fragen.

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Wütender Brief bei Don‘t degrade Debs, Darling:

Wenn meine Wut einen offenen Brief schreiben könnte :

HEY! Du, der Du meinst mir gerade auf die Brüste starren zu dürfen oder ansetzt mich gleich anzusprechen oder mit einem Augenzwinkern Deine Hand auf meinen Hintern schnellen lässt, ich mache Dir ein Angebot: ich tausche mit Dir für einen Tag!
Ich möchte, dass Du erlebst wie es ist jeden Tag angestarrt, angesprochen, angefasst und in Ecken gedrängt zu werden! Ich will, dass Du erfährst, was es heißt Dir überlegen zu müssen, was Du anziehen kannst und was nicht. Ich will, dass Du erfährst, was es heißt, wenn Menschen Dir und Deinem Körper distanzlos begegnen. Ich will, dass Du weißt, wie es ist Dich bei Freund_innen zu entschuldigen, weil Dir gerade eine Horde von Idioten hinterherläuft.

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Die Debatte über Prism/Tempora bei Anne Will war ziemlich lebhaft. Verständlicherweise. Ein paar Mal dachte ich, gleich geht sich wer an die Gurgel.
Herr Stürmer redete vom „Netz des Cybers“ und der Amerikaner kam rüber wie eine NSA-Stepfordwife, aber es muß gerade auch schwer sein, überhaupt wen zu finden, der öffentlich im Fernsehen die Position der amerikanischen Regierung vertritt. Constanze Kurz vom Chaos Computer Club versucht, den Anwesenden das eigentliche Ausmaß des Ganzen und die Konsequenzen vor Augen zu führen, was aber irgendwie nicht ganz gelingt. Wie auch, in der kurzen Zeit. Vielleicht sollte der CCC mal aufzählen, was er beispielsweise alles machen könnte, wenn er die Prism-Daten hätte. Um zu zeigen, was dann eben auch der NSA alles tun könnte. Oder tut.
Denn von Frau Kurz zu erwarten, daß sie mal eben in der Sendung den ganzen Neuland-Menschen das Ausmaß dieser Misere klarmacht, ist etwas viel erwartet.
Vielleicht hätte sie einfach etwas Schützenhilfe von einem anderen IT-ler bekommen sollen. Wieso saß da eigentlich niemand von den Piraten? Das wäre doch für einen öffentlich-rechtlichen Sender mit Informationspflicht doch naheliegender gewesen als den Herrn von der CDU einzuladen, der zu dieser Debatte nullkommagarnix beizutragen hatte.

Wo sind die Piraten bei diesem Thema eigentlich? Ist doch Wahlkampf und ein Thema, bei dem die Spezialist_innen sind, ist weltweit und gerade in Deutschland DAS Topthema! Und würden sie ihr Fachwissen dem Ottonormalverbraucher ganz praktisch anbieten – wasweißich, „Ixquick statt Google“, „Wie kann ich meinen Kram auch als Laie unkompliziert verschlüsseln?“ oder „Brauchen wir jetzt etwa alle TOR und was ist das überhaupt?“ – es würden ihnen wohl auch Leute zuhören, denen die Piratenpartei bislang doch eher suspekt war. Und sie hätten die (mal ehrlich: dringend benötigte) Chance, ihre Kompetenz in den Vordergrund zu stellen. Was wichtig wäre bei einer Partei, die in letzter Zeit nicht nur von ihren Kritiker_innen hauptsächlich wegen kindischer innerer Querelen aufgefallen ist.
Man muß die Piratenpartei nicht mögen. Aber wir brauchen sie. So ziemlich alle anderen Parteien haben in der Vergangenheit immer wieder unter Beweis gestellt, daß sie gerade im IT-Bereich mächtig hinterherhinken. Wir können es uns schlichtweg nicht mehr leisten, das Internet als „Neuland“ zu betrachten. Fakt ist, daß unsere Regierung beängstigend wenig IT-Kompetenz zeigt – wie wollen die das Ganze bewerten können?
Ich find es ja prima, daß die Piraten dazu aufrufen, Snowden Asyl zu gewähren. Aber das ist im Fall der Piraten leicht getan. Dafür brauchen wir aber nicht die Piratenpartei. Andererseits fragen die Leute sich händeringend: wie soll man damit bitte umgehen? Und die Piraten hauen Gemeinplätze raus.


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