Archiv für Juli 2013

„Männerkrise“, kitzliger Pinguin & Kohle fürs Bloggen

Morgen ist Demotag!, kitzliger Pinguin, Kohle fürs Bloggen?, Pille & verminderte Libido, die herbeigeschworene „Männerkrise“, „Nice Guys“, kriegt den Arsch hoch!, Kafka auf „Kurdisch“, Diskriminierungen des ZDF, koloniale Straßennamen, Zwangsprostitution von Jüdinnen in Südamerika, Diversität in feministischen Gruppen, belästigende Profs und eine Antwort auf „Frauen, hört auf zu jammern“.

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Tacheles von Alexandra Weiss – das Beschwören der „Krise der Männlichkeit“ drängt Männer in die Opferrolle:

Zum einen haben Männer als Opfer Neuigkeitswert, zum anderen können Ressentiments gegen emanzipatorische Geschlechterpolitik damit offen artikuliert werden. Problematisch ist dabei nicht, die Opfererfahrungen und Verunsicherungen von Männern zur Sprache zu bringen, sondern wie dies geschieht: in Konfrontation und Abgrenzung zum Feminismus, dem die „Schuld“ für die Misere monokausal zugeschrieben wird.

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Die Opalkatze weist auf Veranstaltungen zum morgigen Demotag hin.

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Antje Schrupp befaßt sich mit der Diversität der Mitinitiator_Innen ihres „Denkumenta“-Kongresses:

Ich schreibe das hier auf, weil es mir schon länger im Kopf herum geht, und weil ich mit der Frage: “Wie erreichen wir die anderen?” sehr oft konfrontiert bin. Meistens fragen Leute: “Wie erreichen wir die Frauen?” – Oft wird auch gefragt: “Wie erreichen wir die Jüngeren?”. Mein Rat ist: Vergesst es, ihr “erreicht” sie nicht. Euer Vorhaben, das eigene Angebot für “andere” attraktiv zu machen, ist zum Scheitern verurteilt. Weil schon die dahinter stehende Denkweise falsch ist.

Die “anderen” – und das gilt, so behaupte ich, generell und ist auf alle möglichen Situationen anwendbar – sind keine “Zielgruppe”, die “erreicht” werden muss, sondern sie sind ein Gegenüber. Wer mit ihnen den Austausch sucht, darf nicht versuchen, sie irgendwie “anzulocken”, sondern muss hingehen. Also nicht fragen: “Wie kann ich es erreichen, dass sie sich für mich interessieren?” sondern fragen: “Interessiere ich mich denn überhaupt für sie? Und wenn ja: Warum gehe ich dann nicht zu ihren Veranstaltungen?”

Feminist Diversity!

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Im Standard wird die Pille auf ihre eventuell libidosenkende Wirkung hin untersucht:

„Der Libidoverlust ist eine individuelle Nebenwirkung, die aber durchaus bei mehreren Frauen auftritt“, bestätigt Bibiana Kalmar. „Man muss sich nicht vorkommen wie ein Alien“, ergänzt die Fachärztin für Gynäkologie und Hormonexpertin. Andererseits würden nicht mehr als maximal zehn Prozent aller Frauen, die die Pille einnehmen, an Lustlosigkeit leiden.

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Spannende Diskussion über sog. „Nice Guys“ im Mädchenblog:

Wenn es Dir stinkt, daß Du wegen beschissenen patriarchalischen Männlichkeitsnormen Ablehnung erfährst, dann kannst Du jammern und erwarten, daß andere (Feminist_innen) die Situation für Dich ändern, klar… aber Du kannst Dich auch wie ein Erwachsener verhalten und stattdessen selbst was tun, daß sich die Situation ändert und Dich eben gegen diese scheiß Männlichkeits- und Weiblichkeitsnormen engagieren!
Abgelehnt werden, weil man nicht muskulös/groß/whatev ist? Klar, ist total scheiße. Also: machen wir uns alle auf, das zu ändern. Engagier Dich!
(…) Es wird aber Zet, daß Du das selbst erledigst, aktiv wirst, einen Protest suchst, der individuell zu Dir paßt (ey, und was Dir Empowerment gibt, mußt Du halt selbst rausfinden, das kann Dir keiner abnehmen, weil eben nur Du weißt, was Dich mitreißt) selbst was änderst, statt (metaphorisch gesprochen) zu erwarten, daß „Mama Deine Dreckwäsche sauber macht“.

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„Gestern, Morgen und Heute“ antwortet auf den unsäglichen Spiegel-Artikel „Frauen, hört auf zu jammern“:

Wie unmündig und dämlich ist eine Frau in den Augen der Autorinnen? Traut sie diesen keine gut durchdachte und mit Leidenschaft getroffene Berufswahl zu? Ist es wirklich so, daß das Gros der Arbeitnehmerinnen ihren Lohnerwerb nur aus pragmatischen und bequemen Gründen gewählt hat? Ist es nicht vorstellbar, daß Frau sich sehr bewußt und überdacht für eine Profession entschieden hat?

Frauen sind, wie die Autorinnen richtig feststellen, heute qualifiziert wie nie, haben Möglichkeiten die vor Jahren noch unvorstellbar waren, und entscheiden sich unter diesen Umständen für einen Beruf weil Papi den gemacht hat?

Diese These ist kaum haltbar, erklärt aber in den Augen der Autorinnen wieso Frauen sich (animiert vom Nestbautrieb?) lieber in die Dekorations und Handarbeitswelt zurück ziehen? Ich glaube es hackt.

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Fürs Bloggen bezahlt werden? Hui, das wär schön!

Aber um hier überhaupt nennenswerte Summen einzuspielen, muss nicht nur die Qualität der Artikel top (und leider auch ausreichend populär) sein. Es ist in der Aufmerksamkeitsökonomie des Internets entscheidend, dass die Blogs bzw. die Artikel überhaupt wahrgenommen werden. Hier kommt der nichtmonetäre Teil ins Spiel, wie ein/e Leser/in die Lieblingsblogs unterstützen kann. Und zwar ganz unkompliziert – man muss sich nur der Mechanismen bewusst sein. Für die Blogbetreiber/innen ist es enorm wichtig, dass ihre Artikel angeklickt, geliked und geshared werden. All das hilft, den Blog bekannter zu machen und das Interesse aufrecht zu erhalten.

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Drop the thought hat mal die diskriminierenden „Ausrutscher“ des ZDF gesammelt. Kleine Auswahl:

März 2013, ZDFinfo
Lesben sind als Thema für die 140 Sekunden „unpassend“.
5. Juli 2013, ZDF
Die Impro-Show Durchgedreht hat zwar keine Untertitel, macht sich aber über Gebärdensprache lustig. Tihi.
Juli 2013, ZDF
Für die Übertragungen der Frauenfußball EM 2013 wirbt das ZDF mit kopflosen Menschen, die Hausarbeit machen. Grundlage sind vermutlich die lustigen, tihi, sexistischen Sprüche von 1970, kurz vor der Aufhebung des Verbots von Frauenfußball.
17. Juli 2013, ZDF
In der Nachrichtensendung heute „sorgt“ sich das ZDF um die Beinkleidung von jungen Mädchen, die heute rumlaufen, wie Männer 1961 Fußball spielten. Damals durften die Frauen das ja zum Glück noch nicht.

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Eine Initiative will Münchner Straßennamen, die an Vergehen aus der Kolonialzeit erinnern, umbenennen. Der Stadtrat hat aber keinen Bock auf die Diskussion. Stadtrat Hans Podiuk zeigt dabei ganz deutlich seinen Rassismus – die dummen, ungebildeten Afrikanischstämmigen blickten das mit den Schildern eh nicht:

CSU-Stadtrat Hans Podiuk ist vehementer Gegner von Umbenennungen und findet, dass man es mit dem „friedenstiftenden Kompromiss“ von 2009, der die Erläuterungen an den Schildern brachte, gut sein lassen solle. Würde man überall die heutigen Maßstäbe anlegen, müsste man jede fünfte Münchner Straße umbenennen. „Das kann schon sein, dass sich die betroffen fühlen“, sagt er zum Argument Dipamas, dass man in der afrikanischen Community die Schilder als verletzend empfinde. Er, Podiuk, sei aber sicher, dass der Ausländerbeirat in seinem Engagement von außen beeinflusst sei. Er glaube nicht, dass Afrikaner so gut Bescheid wüssten über die deutsche Kolonialgeschichte: „Die dürfte da nicht so bekannt sein.“

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Eine neue Studie zeigt, wie sehr es schon Normalität ist, daß Studentinnen von ihren Professoren belästigt werden:

Bei einer europaweiten Online-Befragung von Studentinnen im Rahmen des EU-Projekts gendercrime.eu gaben mehr als die Hälfte der Befragten an, während ihres Studiums sexuelle Belästigung erlebt zu haben. Auch der Antidiskriminierungsstelle des Bundes ist das Thema vertraut. Die Fälle reichen von Anzüglichkeiten und unerwünschten Einladungen bis zu Übergriffen und Vergewaltigungsdrohungen von Professoren. Sexuelle Belästigung findet sich an jedem Arbeitsplatz. Vor allem aber dort, wo das Machtgefälle zwischen den Statusebenen besonders groß ist und die Chefs männlich sind. Das ergab eine Studie der Internationalen Arbeitsorganisation ILO. Und es trifft auch auf die Uni zu: Sie ist ein sehr hierarchisch strukturierter Raum – und ein männlich dominierter.

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Awesome: in Diyarbakir verlegt Lal Laleş als Erster Shakespeare, Kafka und Faulkner auf Kurmanci, also kurdischer Sprache:

Lal Laleş hat eine Vision. Dass kurdisch sprechende Menschen in der Türkei in Buchhandlungen und Bibliotheken gehen können und Literatur aus aller Welt lesen können. Auf Kurmanci.
(…) Laleş Vision war aber nicht nur, dass jeder kurdische Autor neben den traditionellen kurdischen Werken auch die Architektur der Weltliteratur kennen soll, um sein Werk darauf aufzubauen. Vielleicht rührt seine Leidenschaft zum Literaturkanon daher, dass sein Vater ihm alle kurdischen Klassiker aufsagen konnte. Natürlich auswendig, denn das Geschichtenerzählen hat eine orale Tradition.

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Informativer Artikel über Zwangsprostitution jüdischer Frauen in Südamerika:

Es ist ein verdrängtes Kapitel jüdischer Geschichte: Zwischen 1860 und 1930 wurden Tausende junger Jüdinnen, die Armut und Antisemitismus entkommen wollten, mit falschen Versprechungen nach Südamerika gelockt. Dort wurden sie zur Prostitution gezwungen – nicht selten von jüdischen Zuhältern.

Empfehlenswert zu lesen wegen dem Informationsgehalt – allerdings in sehr unsensibler Sprache. Allein schon

Jüdische Prostitution in Südamerika

als Überschrift – was da mt den Frauen gemacht wurde, war KEINE Prostitution, sondern Vergewaltigung. Hätten sie sich freiwillig prostituiert, wär das doch kein Problem, HABEN sie aber nicht. Nicht die Prostitution ist hier der Skandal, sondern der Zwang, die Vergewaltigungen. Das einfach mal als „Prostitution“ zu bezeichnen, finde ich verharmlosend. Auch die andere Überschrift,

Leidensweg der „weißen Sklavinnen“

empfinde ich rassistisch. Es transportiert den Eindruck, Skalven seien immer schwarz und der eigentliche Skandal sei, daß das diesmal weißen Frauen passiert ist.

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Spreeblick präsentiert einen Pinguin, der gekitzelt wird – und mehr!

Los, verlinken!

Hier ist der Deal: Ihr verlinkt diesen Artikel in Mails, Tweets, Facebook-Updates usw. mit den Worten “Guck’ mal, voll süßer Pinguin, der gekitzelt wird!” (oder so ähnlich, ich verlasse mich da auf eure Kreativität). Alle eure Freundinnen und Freunde und Kolleginnen und Kollegen klicken da drauf, freuen sich über den Pinguin und – ZACK! – lesen quasi zufällig:

Samstag, 27.7.2013: Bundesweite Demos gegen den Überwachungsstaat, weitersagen!

Definitionsmacht, Pillen-Statement & Koffertragen

Definitionsmacht, krebsfördernder Hormonkack in 1/3 der Kosmetika, „Was ist es denn?“– „Ein Baby.“, Statement zur Pille, keine Heirat unter 18!, Asylsuchende dürfen nicht mehr als Kofferträger_innen arbeiten, Datenskandal, Begnadigung der vergewaltigten Marte Dalalv, Interview mit Katharina Nocun, Geheimdienst-Petition, Programmierinnen im 2. WK, Leben als Whistleblower, Fotos vom Ihme-Zentrum, „ge-störte“ Identitäten und Abtreibungsskandal in Österreich.

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Wichtige Gedanken und wahre Worte zum Überwachungsskandal – „Wer nicht frei kommunizieren kann, der führt kein freies Leben“:

Es gibt Hoffnung, dass die Kanzlerin die Sache inzwischen mit dem nötigen Ernst verfolgt. Und sie scheint erkannt zu haben, wo Amerika verwundbar ist. Angela Merkel fordert, dass die amerikanischen Internet-Konzerne gegenüber europäischen Stellen erklären, was sie speichern und an wen sie diese Daten herausgeben. Die klandestine Beziehung von Google, Facebook und Co. zur NSA wäre damit kein Geheimnis mehr. Eine solche Transparenz-Regel will die zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding schon lange durchsetzen, die Internet-Industrie und die amerikanische Regierung laufen in Brüssel seit Monaten Sturm dagegen. Abgeordnete des EU-Parlaments berichten von einem geradezu beispiellosen Lobbying. Mit Merkels Unterstützung könnte diese von ihnen so gefürchtete Regelung zustande kommen.

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Die vergewaltigte Norwegerin in Dubai wurde begnadigt. Ines Kappert analysiert schrarf: damit Frauen Recht erfahren, müssen sie es immer noch (aggressiv) einfordern:

Nur weil Marte Dalelv offenbar keine Sekunde darüber nachdachte, ob sie etwas falsch gemacht hat, und weil sie auf die Unterstützung der norwegischen Regierung zählen konnte, ist sie dem Unrechtsstaat entkommen und schafft Öffentlichkeit für eine riesige Schweinerei.

Den Dubaierinnen indessen wird das erst mal nicht helfen. Niemand wird wegen einer renitenten Norwegerin die Gesetze ändern. Da muss schon mehr passieren. Zum Beispiel könnte die westliche Geschäftswelt diese Geschichte zum Anlass nehmen, allen Businesspartnern klarzumachen, dass sie Gewaltanwendung gegenüber Mitarbeiterinnen nicht als Kleinigkeit betrachtet, nach dem Motto: andere Länder, andere Sitten.

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Diskussion über Arbeit und hierarchiefreie Abhängigkeit bei fuckermothers:

Notwendig ist beim einen wie beim anderen, dass es Regeln und Institutionen gibt, die verhindern, dass Abhängigkeit nicht in Unterwerfung unter totale Tyrannei kippen kann. Das können zum Beispiel Gewerkschaften, Betriebsräte oder das Arbeitsrecht, oder Scheidungsgerichte und Unterhaltspflicht sein – die aber in der heutigen Gesellschaft viele Abhängige leider eher unvollkommen schützen. Trotzdem frage ich mich weiter, ob die Abhängig im privaten und im beruflichen tatsächlich vergleichbar ist. Gibt es nicht doch massive Unterschiede durch Gefühle und Intimität? Sind bestimmte Beziehungen, besonders zu Kindern, nicht doch viel langfristiger als die zu einer Arbeitsstelle? Oder führe ich dadurch die viel kritisierte Unterscheidung Privat versus Öffentlich wieder ein?

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Eindringlicher Text: Definitionsmacht aus Betroffenensicht.

Anerkennung von Definitionsmacht ist für mich eine notwendige Voraussetzung für eine Auseinandersetzung damit, was passiert ist. Wenn der Täter nicht verstehen will, was er mir angetan hat, wie sollte er darüber reflektieren können? Wie könnten wir eine politische Lösung finden, wenn wir nicht einmal die Grundlage teilen, dass meine Grenzen wichtiger sind als sein Vergnügen5 und dass meine Wahrnehmung genauso viel wert ist wie seine6? Wie sollte ich einen Menschen ernst nehmen, der der Meinung ist, dass er mehr wert ist als eine Frau*? Wie könnte eine Person in einer linken Gruppe mitarbeiten, die einen zentralen Grundsatz – nämlich dass alle Menschen gleich wichtig sind – nicht teilt?

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Zeit-Interview mit Katharina Nocun; sie übt Kritik an der lahmen „Reaktion“ der Regierung im Datenskandal:

Wir alle. Wer überwacht wird, ist nicht mehr frei. Es geht nicht nur um Journalisten und Anwälte, die ihren Beruf nicht ausüben können, wenn ihre Informationen und Quellen nicht geschützt werden. Es geht auch um Jugendliche, die heute etwas auf Facebook posten, das ihnen in zwanzig Jahren bei einer Einreise in die USA vorgehalten wird. Da geht es um Grundsätzliches: Ohne die Vertraulichkeit von Kommunikation kann Demokratie nicht funktionieren. Der Staat sammelt immer mehr Daten für die Zukunft, wir werden immer mehr von einem Rechtsstaat zu einem Präventionsstaat.

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Das Frauen-Internationalismus-Archiv Dortmund berichtet von den Morden an zwei Sexarbeiter_innen, Dora Özer in der Türkei und Petite Jasmine in Schweden, und den dazugehörigen Protesten:

Vielfältige Diskriminierungen und Stigmatisierung, unter anderem bestimmt von Geschlechterverhältnissen und -vorstellungen, von Vorstellungen über Moral und Ordnung, prägen den Status von Sexarbeit. Durch marginalisierende Rahmenbedingungen begünstigte gewaltförmige Verhältnisse werden aber im öffentlichen Diskurs im Allgemeinen nicht als Resultate dieser Bedingungen betrachtet, sondern wiederum der Sexarbeit angelastet.

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Eine BUND-Studie fand heraus, daß 1/3 der Kosmetika/Pflegeprodukte hormonähnliche Substanzen erhalten, die im Verdacht stehen, Krebs und Unfruchtbarkeit zu verursachen:

Hormonähnliche Substanzen können den Körper auf unterschiedliche Weise beeinflussen. Entweder sie binden sich an Stellen im Körper, die eigentlich für eine körpereigene Substanz vorgesehen sind, und lösen auf diese Weise die gleiche Reaktion aus, wie der körpereigene Stoff. Oder sie blockieren die Bindestellen der Hormone im Körper. Ebenfalls möglich ist, dass sie die Produktion, den Abbau oder Transport stören.

Als Quelle für endokrine Disruptoren kommen neben Kosmetika Pestizide oder Medikamente wie die Antibabypille in Frage. Aber auch Farben und Weichmacher aus Kunststoffen und Bestandteile von Pflanzen, etwa Isoflavone aus Sojabohnen, stehen im Verdacht, bei bestimmten Konzentrationen den Hormonhaushalt des Menschen durcheinanderzubringen.

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Die Opalkatze weist auf eine Petition bezüglich Geheimdiensten hin:

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass alle seit 2001 bestehenden und neu zu schaffenden Befugnisse und Programme der Sicherheitsbehörden und insbesondere der Geheimdienste systematisch und nach wissenschaftlichen Kriterien auf ihre Wirksamkeit, Kosten, schädlichen Nebenwirkungen, auf Alternativen und auf ihre Vereinbarkeit mit unseren Grundrechten untersucht werden und die Ergebisse der Öffentlichkeit und dem Bundestag zur Verfügung gestellt werden.

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Die Femgeeks schreiben über die Bletchley Park- Programmiererinnen im Zweiten Weltkrieg:

In der Geschichtsaufarbeitung sind sie kaum sichtbar, dabei stellten sie die Mehrheit der Beschäftigten. Sue Black und Jan Peters der BCSWomen, einer Untergruppe der British Computer Society (BCS), haben daher angefangen, die Geschichten der Frauen aufzuzeichnen.

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Wie fühlt es sich eigentlich an, Whistleblower zu sein? Was passiert da mit einem? Die Whistleblower Inge Hannemann und Guido Strack erzälen:

Dass ich mit meinem Namen an die Öffentlichkeit gegangen bin, war trotzdem richtig und wichtig. Wenn ich anonym geblieben wäre, hätte das niemals so eine Wirkung gehabt.

Ich will noch mehr aufdecken und rechne damit, dass die Bundesagentur versuchen wird, mich finanziell kaputt zu machen. Auch mein Mann arbeitet dort, sicherlich wird man versuchen, ihm auch zu kündigen. Ich habe Angst vor persönlicher Rache.

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Kaum kriegt die Umwelt mit, daß frau schwanger ist, wird man ständig mit der „Was wird es denn?“-Frage bombadiert. Was es wird? Na, ein Baby, hoffentlich!

Und ich denke: selbst wenn ich es wissen wollte, woher weiß ich denn, dass ich es weiß? Mit einem Ultraschall kann ich herausfinden, ob dieser Fötus einen Penis oder eine Vulva hat. Oder weniger „eindeutige“ Genitalien. Aber reicht das denn aus, um auf ein Geschlecht zu schließen? I don’t think so. Für eine meiner Mütter hat es über 30 anstrengende Jahre gedauert, herauszufinden und anzunehmen (as in accept, not assume), dass sie eine Frau ist. Ich will nicht so überheblich sein, das besser zu wissen als mein Kind. Und es ist ja viel mehr als „wissen“. In dem Moment, in dem ich mir einbilde, ein Geschlecht zu wissen, baue ich es. Ziehe mit einem Superstaubsauger alle Bilder von Geschlecht x oder Geschlecht y, die ich kenne, nah ran, lege sie auf dieses Kind, das da kommt, und gleiche sie mit dem Kind ab. Ich möchte das nicht.

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Die UNICEF fordert ein internationales Verbot von Heiraten unter 18 Jahren:

Junge Frauen sollen dadurch vor Zwangsverheiratungen geschützt werden, denn je jünger die Kinder, desto seltener geschieht die Hochzeit auf eigenen Wunsch
(…)Das Kinderhilfswerk UNICEF fordert weltweit ein gesetzliches Mindestheiratsalter von 18 Jahren. Das könne dazu beitragen, dass Zwangsehen von Kindern verhindert werden, sagte die Pressesprecherin von UNICEF Deutschland, Ninja Charbonneau, am Mittwoch. Millionen Menschen sahen in den vergangenen Tagen ein Internet-Video, in dem ein angeblich elfjähriges Mädchen von ihrer Flucht vor einer Zwangsehe berichtet

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Abtreibungsskandal in Österreich:

Laut einer Stellungnahme der Abteilungschefin der Gynäkologie im Hanuschspital kam es bei der Abtreibung nicht nur zu einer Perforation der Gebärmutter, sondern auch zu einer „Verletzung mehrerer Arterienäste“, was zu massiven Blutungen führte. Die Patientin erhielt während der Notoperation zwei Blutkonserven und wurde „am 6. postoperativen Tag beschwerdefrei nach Hause entlassen“.

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Indentitätskritik über „ge-störte“Identitäten:

Wie bewege ich mich zwischen Boxershorts und Ballkleid? Zwischen Sexualisierung und Entsexualisierung? Und welche Privilegien kommen mir durch meine Cis-Identität zu? Es ist nicht leicht, sich erst etwas erkämpfen zu müssen und dann zu zweifeln, ob dass denn so seine Richtigkeit hat. Aber mir ist es wichtig, den Begriff „Frau“ zu verwenden, ihm nicht auszuweichen. Ich bin kein „Mensch“. Ich “bin” eine Frau (im Sinne eines Konstruktes), ich werde inzwischen auch so gelesen. Der Begriff wird zu oft mit Schwäche verbunden. So als ob ich bestimmte Erfahrungen nicht mehr mache, wenn ich den Begriff vermeide. Genauer noch: Ich bin eine dicke, lesbische Frau. Das ist ja noch komplizierter – “eine” Identität, wo ich dann am Besten nur „liebe“ und nicht begehre. Weil „Liebe“ schafft es ja, über diese Mängel hinwegzusehen. Wenn kümmern da schon Körper (oder das Geschlecht), wenn die Liebe ™ da ist. Einfach grenzenlos.

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Die Brav_a sucht Dein Statement zur Pille:

In der nächsten Brav_a soll es eine Sammlung von Statements zur „Pille“ bzw. hormonelle Verhütungsmethoden allgemein geben. Ein sehr spannendes und kontroverses Thema.. Falls euch dazu was einfällt würden wir uns über eine mail freuen – das Statement sollte einen Satz bis eine halben (A5) Seite lang sein. Es muss nicht perfektionistisch durchformuliert sein.. kann es aber auch

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Ninia LaGrande präsentiert ein Fotoprojekt über das verfallende Ihme-Zentrum:

Heute habe ich ein weiteres Fotoprojekt umgesetzt, das ich schon lange im Kopf hatte. Das Ihme-Zentrum kennt in Hannover jede/r. Der einst als „Stadt-in-der-Stadt“-geplante Gebäudekomplex soll Ende August zwangsversteigert werden.

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Wie verhindert man aktiv Integration? So:
Bis vor kurzem konnten Asylbewerber für 1,05 €/Stunde (unhaltbar, aber laut Gesetz dürfen sie nicht mehr verdienen) als Kofferträger arbeiten; die Flüchtlinge freuten sich über das Taschengeld (und die Trinkgelder) und die Chance, sozial mit der Gesellschaft zu interagieren statt im Asylbewerberheim vor sich hin zu vegetieren. Die Deutsche Bahn hatte damit ein Problem und stoppt das Projekt – und setzt nun Bahnmitarbeiter als Kofferträger ein, nach üblichem Bahntarif bezahlt.

Das freiwillige Projekt mit den Asylbewerbern hatte am Montag begonnen und sollte im Test zunächst bis Ende August laufen. Die Idee für die Aktion, die mit der Bahn und dem Landkreis Ostalbkreis umgesetzt wurde, stammte von Oberbürgermeister Richard Arnold (CDU). „Ich bin enttäuscht und auch traurig für die Menschen, denn es handelt sich um hochmotivierte junge Leute“, sagte er. Die Aktion habe die Flüchtlinge in direkten Kontakt mit der Bürgerschaft gebracht. „Es entwickeln sich Gespräche, und sie können auch auf ihre Situation aufmerksam machen, was sie auch tun.“

Rollstuhl-Contest, Bullen vs. Huren & 20 Jahre Björk

Polizei versaut die Arbeitsbedingungen von Prostituierten, 20 Jahre Björk, Asyl für Snowden, Happy Birthday Mandela!, „Ich geh aufs Amt, Baby!“, Blackberry sammelt Eure E-Mail-Paßwörter, Mazedonien verschärft rigoros das Abtreibungsrecht, Rollstuhl-Contest, Kathleen Hanna zum Freispruch Zimmermanns, Asylbewerber in Bayern, unbeantwortete Fragen zu Prism& Co. und weshalb uns das ALLE angeht, Netzneutralität? R.I.P. & Coca Cola hält den Vornamen „Mohammed“ für anstößig.
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Die Kontaktverbotszone in St. Georg schadet den Huren. Zusätzlich sind nun auch noch Zivilpolizist_innen unterwegs, um ihnen die Arbeit zu erschweren:

In den Behörden herrscht laut Senatssprecher Schmoll derzeit Uneinigkeit über Sinn und Wirkung der Maßnahme, deshalb die Verlängerung. „In nur einem Jahr reichen die Erfahrungen nicht aus“, sagt Schmoll. Das sieht die Streetworkerin Korte-Langner anders: „Wir sehen nur Negatives“, sagt sie. „Durch die hohe Repression hat die Prostitution in St. Georg nicht abgenommen“, so Korte-Langner, „sie hat sich nur in das Dunkelfeld verlagert, was die Arbeit noch gefährlicher macht.“ Denn nun müssten sich die Frauen mit den Kunden in dunklen Ecken und Höfen treffen oder sogar in fremde Autos einsteigen.

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Helga von femgeeks
regt sich zu Recht darüber auf, daß auf den Prism/Tempora-Skandal anscheinend null und gar nichts folgt:

Kein Wunder also, wenn Angela Merkel ihren Untertan_innen Bürger_innen nur Platitüden liefert. Allem neu-entdeckten Nationalflaggenstolz zum Trotz ist die Bedeutung Internationalen Rechts im Zeitalter von amazon.co.uk-Päckchen doch eher weit weg vom täglichen Leben. Was passieren müsste, wären konkrete Ansagen. Wieviele verschiedene Stichwörter muss ich in meinen Mails genannt haben? Was passiert dann eigentlich? Liest nach einer Maschine noch ein Mensch meine E-Mails? Dass der wenigste Widerstand kommt, wenn es keine Dinge zum widerstehen gibt, weiß niemand besser als Angela Merkel. Von ihr dürfen wir daher keine Hilfe erwarten.

Auch der Spiegel dröselt nochmal auf, weshalb wir alle, jede_r einzelne, von dem Datenspähskandal direkt betroffen sind:

Es geht nicht nur um Sie. Wer trotz allem glaubt, dass weder er selbst noch eines seiner Familienmitglieder, noch ein Bekannter eines Familienmitglieds je in das Suchraster eines Geheimdiensts fallen könnte, sollte einmal einen Schritt zurücktreten. Eine automatisierte Überwachung kann in anderen Ländern helfen, blitzschnell Regierungsgegner ausfindig zu machen. Hierzulande bedroht sie Firmeninhaber oder Forscher, Ärzte oder Aktivisten. Und sie kann Journalisten und deren Informanten in Gefahr bringen.

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Auf der Coca-Cola-Homepage kann man nun eine Cokeflasche virtuell beschriften – so lange man brav „Trink eine Coke mit Susi“ eingibt und nicht eben „Gift“ statt „Susi“ oder dergleichen. Das will Coca Cola nämlich nicht. Deswegen gibt es eine Blacklist. Und auf der steht auch der weltweit häufigste Vornamen: Mohammed. So heißen zwar über 150 Millionen Leute, aber gestrichen wird’s trotzdem – weil jemand ja den Namen anstößig finden könnte:

Auch ein Name findet sich auf der Liste: Mohammed. „Wir sortieren Begriffe aus, die politische Aussagen enthalten oder religiöse Gefühle verletzen könnten“, begründet ein Sprecher von Coca-Cola die Auswahl. Deswegen mag der Konzern allzu Subtiles, mitunter Intelligentes, ebenfalls nicht: „Diabetes“, „Zucker“ und „Gift“ sind genauso gelistet wie der Name des US-Spähprogramms Prism oder „Kapitalismus“.

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Deutschlandradio bringt es auf den Punkt: Bye Bye Netzneutralität.

Kirsten Fiedler von der internationalen Bürgerrechtsvereinigung European Digital Rights in Brüssel kritisiert die Kommissarin für ihre Vorschläge:

„Sie will das genaue Gegenteil von Netzneutralität festschreiben lassen, das heißt, sie will ausdrücklich erlauben, dass Kommunikationsunternehmen Deals eingehen können mit Inhalteanbietern. Dadurch kommt es zu positiver Diskriminierung und andere kleine Start-ups hätten nicht die gleichen Chancen auf dem Markt wie größere Anbieter, die es sich leisten können, Vereinbarungen einzugehen.“

Wie viele Kritiker warnt Fiedler vor einem Zwei-Klassen-Internet. Der EU-Plan könnte dazu führen, dass das Internet nicht mehr allen Nutzern in der gleichen Weise offensteht.

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Happy Birthday, Madiba!! Heute feiert Nelson Mandela seinen 95. Geburtstag – der Tagesspiegel widmet ihm einen Artikel:

Dabei vergessen wir, dass Mandela das Land während seiner Regierungszeit von einem Stinktier in einen Kronprinzen verwandelt hat – dank seiner Integrität. Wir vergessen, dass er uns beizubringen versuchte, Intoleranz und Rache auf den Trümmerhaufen des Transformationsprozesses zu werfen. Jeder einzelne ist verpflichtet, an den Räumen der Güte mitzubauen, in denen wir in Würde miteinander leben können.
Politik ist die Kunst des Möglichen. Deshalb vergessen wir auch leicht, dass Mandelas Politik in gewisser Weise die Kunst des Unmöglichen war. Sein Vermächtnis beruht auf dem einzigartigen Fundament moralischer Autorität im Dienst des Unmöglichen. Mandela ist der Beweis, dass ein politischer Führer die sehnlichsten Träume der Menschen fast in Reinform verkörpern kann.

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Die Kaltmamsell wagt sich ins Kriegsgebiet namens „Bundesagentur für Arbeit“ (immerhin gibt’s ein Happy End):

Zehn Tage gab mir das Anweisungsblatt fürs Herbeischaffen aller Unterlagen für den Antrag auf Arbeitslosengeld. Dann sollte ich eine Servicenummer anrufen und einen Termin für die Besprechung meines Antrags auf Arbeitslosengeld vereinbaren. Entsprechend panisch war ich, als ich am Stichtag keineswegs alls Bescheinigungen beisammen hatte, obwohl ich alles am Tag des Erhalts abgeschickt hatte: Die Arbeitsbescheinigung des Arbeitgebers brauchte 13 Tage, beim Ausfüllen des Antrags hatte ich herausgefunden, dass ich zusätzliche Formulare benötigte. Die ich erst beim Arbeitsamt holen musste (es steht erstaunlich wenig online zur Verfügung), dann per Post weiterschicken, zu deren Bearbeitung ich die Empfängerstelle erst durch Hinterhertelefonieren brachte.
Mit viel schlechtem Gewissen rief ich am Tag der Deadline die Servicenummer an – und geriet an eine Bandansage, dass diese Nummer nicht mehr gelte. Unter der neuen Nummer wurde ich beruhigt: Der nächste freie Termin zum Durchsprechen meines Antrags war ohnehin noch drei Wochen entfernt, fünf Wochen nach meiner Arbeitslos-Meldung.

Passend dazu Körpa Klauz: „Ich geh aufs Amt, Baby!“ (mp3)

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Wer hat den coolsten Rollstuhl? Ninia LaGrande verweist auf einen Fotowettbewerb von „Rehacare“ namens „Pimp up my Rolli“ . Allerdings – kleine Kritik meinerseits – mich nervt es, daß das Wort „Pimp“ immer mehr verharmlosend als Synonym für „Aufhübschen“ verwendet wird… dabei ist es doch echt nicht notwendig, bei so einer Aktion das Wort „Pimp“, also „Zuhälter“ zu verwenden… aber abgesehen davon – coole Aktion! Mitmachen! Geht noch bis zum 30 Juli!

In den letzten Jahren waren schon richtig gute Ideen dabei. Ich bin gespannt, wie man das in diesem Jahr noch toppen soll. Es gibt zwei verschiedene Kategorien: Erwachsene und Kids. Gewinnen könnt ihr einen Urlaub in der Lüneburger Heide (natürlich barrierefrei). Die Gewinner von Pimp my Rolli 2013 werden bei der offiziellen Preisverleihung am 27.09.2013 auf der REHACARE-Messe in Düsseldorf bekannt gegeben.

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Wie beschissen es ist, wenn man nicht einfach wie jede_r andere auch seine Lebensmittel selbst kaufen kann, sondern als Asylbewerber_in nur Essenspakete kriegt, erzählt Ibtissam, die eine Woche lang ihre Essenspakete gegen finanziellen Ausgleich an jemand anderen abgegeben hat. Aber nicht nur die Essenspakete sind bizarrer Blödsinn, sondern das ganze (bayrische) System:

Im November habe ich es nicht mehr ausgehalten und habe mir die Pulsadern aufgeschnitten. Ich wollte nicht mehr leben, nicht so. Es sind nicht nur die Essenspakete. Wir sitzen hier im Wald fest, in einem ehemaligen Berghotel,was für eine Ironie. Es geht nur ein Bus früh morgens um sechs Uhr und einer am Abend zurück. Wenn ich einen Termin in Bamberg habe, muss ich den ganzen Tag dort bleiben und kann nichts tun, man braucht ja für alles Geld. Ich darf nicht arbeiten. Ich bin eigentlich Friseurin und würde gern arbeiten. Wir dürfen auch keine Sprachkurse machen. Wir dürfen uns nur innerhalb des Landkreises bewegen. Manche dürfen noch in den Landkreis Schweinfurt, allerdings nicht in der Stadt Schweinfurt, das heißt, wenn sie mit dem Zug durch die Stadt fahren, machen sie sich strafbar.

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20 Jahre ist es her, daß die großartige Björk ihr wegweisendes Debütalbum veröffentlicht hat. Die Mädchenmannschaft gratuliert der Künstlerin mit einer Musikauswahl:

“Debut” ist vielen Aufstellungen der besten Platten der 90er gelistet, und es wird in 1001 Albums You Must Hear Before You Die genannt. Es gibt Material, das Björk bereits als Jugendliche geschrieben hatte, und eigens für die Produktion komponierte Tracks, und für den Feinschliff sorgte Nellee Hooper (auch bekannt als Massive-Attack-Sound-Feintuner).

Herzlichen Dank an Frau Guðmundsdóttir, die uns nun schon seit so langer Zeit mit unglaublich fantastischer Musik beglückt!

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Mazedonien hat sein Abtreibungsrecht dramatisch verschärft; beispielsweise muß jetzt der Erzeuger zustimmen – mit dem bekloppten Argument, so würden mehr Kinder geboren werden. Die große Sauerei ist, daß das ganze ohne irgendeine öffentliche Debatte beschlossen wurde.:

Weitgehend ohne öffentliche Debatte wurde im Juni in Mazedonien das Abtreibungsrecht massiv eingeschränkt. Das neue Gesetz sieht eine Fristenregelung von zehn Wochen vor. Frauen müssen außerdem einen schriftlichen Antrag im Gesundheitsministerium stellen und belegen, den Erzeuger über diesen Schritt in Kenntnis gesetzt zu haben. Hinzu kommt, dass Beratungen gemeinsam mit dem einverstandenen Erzeuger absolviert werden müssen.

Auch eine Wartezeit zur Abtreibung nach dem vorgeschriebenen Beratungsgespräch von mindestens drei Tagen muss eingehalten werden. Weiters darf jede Frau nur einen Abbruch pro Jahr vornehmen lassen. Vom Gesetz ausgenommen sind Schwangerschaftsabbrüche aus medizinischen Gründen und nach Vergewaltigungen. Vor dieser Verschärfung war das mazedonische mit dem österreichischen Abtreibungsrecht vergleichbar.

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Kathleen Hanna bringt in wenigen Worten auf den Nenner, weshalb der Freispruch des Mörders von Trayvon Martin regelrecht pervers ist:

After following the trial of George Zimmerman, the man who hunted down and killed 17 year old Trayvon Martin, and reading so many racist comments after every YouTube clip, article and link, it makes sense that Zimmerman was found not guilty. Of anything. Murder. Manslaughter. Nothing. I mean, shit, if I got drunk and drove my car into someone I’d probably get manslaughter. This guy got out of his car with a loaded gun that had a live round in the chamber, followed a kid home, blocked the way to his door and then chased him down and killed him. Go to hell George Zimmerman, and fuck you Fox News and all the assholes on twitter who think racist vigilantes are cool and fuck everyone who gave even one dollar to this fake cop/judge and jury who decided who deserved to live and die that night.

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Hat hier wer ein Blackberry? Dann werden Eure E-Mail-Paßwörter ungefragt gesammelt und weitergeleitet:

Frank Rieger, Sprecher des Chaos Computer Clubs, hat die heimliche Übertragung entdeckt. Rieger hatte sich ein Blackberry Q10 gekauft und in dessen E-Mail-App den Zugriff auf sein Postfach per IMAP eingerichtet.

Rieger betreibt seinen eigenen E-Mail-Server. Kurz nach der Einrichtung der Blackberry-App registrierte er erfolgreiche Verbindungsversuche von einem Blackberry-Server in Kanada auf seinen eigenen, mitsamt seinen Zugangsdaten.

Schlimmer noch: Die Verbindung ging auch noch über Großbritannien und die USA, sie passiert also auch die Abhörinfrastruktur britischer und amerikanischer Geheimdienste. Wenn der E-Mail-Provider beziehungsweise der eigene Mailserver nur mit SSL/TLS verschlüsselte Verbindungen zulässt, können die zwar nicht mitlesen. Aber zumindest Blackberry bekommt den Zugriff auf die Daten.

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Die Welt steht Kopf?
Obwohl Edward Snowden einen riesen Beitrag für die Gesellschaft geleistet hat, muß er nun ausgerechnet in Russland Asyl beantragen:

Jedenfalls hat Edward Snowden viel ausgelöst und persönlich noch mehr aufgegeben. Wie kann es da sein, ihn als Schutzsuchenden abzuweisen? Warum ist er nicht längst in Paris oder Berlin, wo man einer Oligarchin wie Julia Timoschenko den roten Teppich ausrollen würde, wollten die ukrainischen Behörden die Staatsgefangene Nr. 1 nur ziehen lassen.

Nerdstolz,Gebärstreik & Maskulisten-Flashmob

Extremisten in der Bundeswehr, Abtreibung raus aus dem Strafgesetzbuch!, Maskulisten-Flashmob attackiert NDR, Werdet kreativ – und zeichnet!, Freierbestrafung schadet Huren, für einen 4-Stunden-Tag!, Roma kämpfen gegen negative Vorurteile, Snowdens Dokumente & Nixblick-Politiker_innen im Datenskandal, Verletzlichkeit zeigen in Social Media, Jenny hot an Job kriegt, Gebärstreikdebatte 1913 und Nerdstolz.

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Sarah Diel plädiert für eine selbstbestimmten Umgang mit Abtreibungen und stellt fest: Schwangerschaftsabbrüche gehören nicht ins Strafgesetzbuch!

In Deutschland ist ein Abbruch immer noch illegal – aber bis zur zwölften Woche straffrei. Diese Frist ist, auch im Hinblick darauf, dass der Fötus vor der 22. Woche weder Schmerzempfinden noch ein Bewusstsein hat, willkürlich gesetzt. Manchmal ist ein Abbruch auch nach der zwölften Woche notwendig, weil sich Lebensumstände verschlimmern oder weil die Schwangerschaft zu spät entdeckt wurde.

In Deutschland müssen Frauen dafür immer noch nach Holland reisen, wenn sie sich dies überhaupt leisten können. Dies tun etwa 1000 Frauen im Jahr.

Eine Frauenärztin berichtete, dass viele Fälle von Abbrüchen nach der zwölften Woche, die sie erlebt hat, meistens mit häuslicher Gewalt oder Angst vor Bestrafung von ihren Familien einhergingen.

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Johannes Kuhn bringt das Hautproblem des Snowden-Datenskandals in der Süddeutschen auf den Punkt: wir werden von Politiker_innen regiert, die offensichtlich nicht im Geringsten kapieren, was für ein schwerwiegendes Ausmaß dieser Skandal hat:

Das realpolitische Kalkül, das Verhältnis zu den schnüffelnden Verbündeten nicht zu schwächen und den Austausch zwischen den Geheimdiensten auch in der Post-Snowden-Ära zu gewährleisten, erscheint nachvollziehbar. Doch darin äußert sich auch blankes Unverständnis für das Ausmaß dessen, was sich mit Prism und Co offenbart hat.

Und anscheinend hat Snowden noch wesentlich mehr zu veröffentlichen:

Snowden besitzt laut Greenwald eine gewaltige Menge an Dokumenten. Tausende davon habe er auf verschiedene Orte verteilt und so „sichergestellt, dass mehrere Personen weltweit sein Archiv komplett haben“. Das sei eine Lebensversicherung für den Whistleblower. Sollte ihm etwas zustoßen, würden diese Dokumente veröffentlicht. Für die Vereinigten Staaten wäre dies nach Einschätzung von Greenwald „ihr schlimmster Alptraum“.

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Antje Schrupp macht sich Gedanken über die Selbstdarstellung in Social Media und die Reaktion(en) darauf, wenn man sich verletzlich zeigt:

Es ist also ein Unterschied, ob ich in der Zeitung lese, dass sich irgend eine Promi beim Wandern den Knöchel verknackst hat, oder ob ich das bei Facebook von einer alten Schulfreundin, einem Arbeitskollegen oder auch nur von jemandem lese, mit dem ich schon regelmäßig in Kommentarspalten unserer Blogs diskutiert habe. Bei der Promi in der Zeitung sind keinerlei Beziehungen involviert, ich kann ihr Unglück voyeuristisch zur Kenntnis nehmen, vielleicht beruhigt es sogar meinen Neid darauf, dass sie zu den Schönen und Reichen gehört, denn immerhin verknackst sie sich ja auch den Knöchel.

Eine solche Haltung kann ich aber nicht Leuten gegenüber einnehmen, die ich persönlich “kenne”, auch wenn das Kennen nur sehr lose und sporadisch sein mag. Andererseits wäre ich aber auch emotional überlastet, wenn ich die verknacksten Knöchel all meiner Facebook- und Twitter-Kontakte auch nur zur Kenntnis nehmen wollte – von ihren wirklich ernsthaften Problemen ganz zu schweigen.

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High on Clichés zeichnet. Und fragt in die Runde:

Was macht ihr Kreatives? Wenn ihr mögt, verlinkt es. Macht es euch fröhlicher? Macht ihr es aus einem anderen Grund?

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Der NDR veröffentlichte einen (durchaus brauchbaren) Artikel namens „Das F_Wort oder brauchen wir Feminismus?“ – und war dann schockiert über die haßerfüllten Kommentare, von denen sie überrollt wurden. Klarer Fall: Leute, die in der maskulistischen Internetsphäre vernetzt sind, werden über feministische (oder was sie dafür halten) Srtikel informiert – und dann wird geplant eine Kommentarspalte mit maskulistischem Protest (vorsichtig formuliert) überflutet. Kann man überall beobachten. Das hat der NDR (wichtig, wie ich meine!), dann auch in einem weiteren Beitrag thematisiert:

Anfeindungen, Anschuldigungen, Wut. Einige Äußerungen waren so aggressiv und hasserfüllt, dass NDR.de sie im Forum nicht freigeschaltet hat. Bemerkenswert darüber hinaus: Fast ausschließlich Männer meldeten sich zu Wort. Was bedeutet das? Fühlt sich die Mehrheit der Männer vom Feminismus bedroht und in ihren Rechten eingeschränkt? „Nein“, sagt der Soziologe Hinrich Rosenbrock von der Universität Marburg (Hessen). NDR.de hatte offenbar Besuch von einer Gruppe Antifeministen, die gezielt Artikel zum Thema Feminismus attackieren.

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In der taz wird die Gebärstreikdebatte von 1913 angeschaut – die SPD-Führung plädierte damals gegen Geburtenkontrolle, war der Meinung, so viele (Arbeiter)kinder wie möglich seien das Optimum. Fanden die Frauen aber nicht und bestanden auf Kontrolle ihrer Reproduktionsfähigkeit:

Sozialdemokraten führten die rückläufige Geburtenzahl bei Arbeiterfrauen auf eine biologisch bedingte Unfruchtbarkeit infolge kapitalistischer Arbeitsverhältnisse zurück. Mit dieser Position hatte die SPD in ihren eigenen Reihen einen schweren Stand.

Auf die Forderungen von Moses und Bernstein reagierte die SPD-Parteileitung 1913 mit Artikeln im Vorwärts: „Gerade unter den Genossinnen findet man Verteidiger für die Notwendigkeit des Gebärstreiks. Sie schildern lebhaft die Nöte einer Mutter mit acht Kindern, deren Berufs- und Hausarbeiten keine Zeit zum Besuch von Versammlungen übrig lassen. Diese Beweisführung, die von tausenden Proletariermüttern mit dem Gefühl eigener bitterer Erfahrungen wiederholt wird, ist, so bestechend sie auch erscheinen mag, nichtsdestoweniger falsch.“

Prinzipiell ist die Einstellung doch heute die Gleiche: es soll vor allem massig Nachwuchs in der eigenen Gruppe geben (siehe Sarrazin etc.) – und da sind wir bei der Machtfrage: wie wird diesbezüglich Macht ausgeübt, wenn man versucht, die Frauen und ihre Gebährfähigkeit zu kontrollieren? Stichwort (Spät-)abrtreibungen oder Pille danach.

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Der freitag spricht mit David Graeper von Occupy – der (yes!) für einen 4-Stunden-Tag plädiert – und für ein Umdenken, was „Geld“ eigentlich bedeutet:

Wir tun so, als wäre Geld eine begrenzte Ressource wie Öl. In Wirklichkeit ist Geld eine soziale Übereinkunft. Es besteht aus gesellschaftlich zirkulierenden Versprechen, die man freilich ganz anders organisieren könnte, als das heute der Fall ist. Leider gibt es im Moment eine Blockade der Imagination. Die Kreativität ist verloren gegangen, mit der Politiker in der Nachkriegszeit große Entwürfe wie den Wohlfahrtsstaat, die Vereinten Nationen oder das Weltraumprogramm umsetzten. Die Machteliten glauben, sie könnten das System am besten verteidigen, wenn sie die Menschen überzeugen, dass es keine Alternativen gibt.

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Wie #aufschrei weitergeht und die Debattenkultur beeinflußt hat, beschreibt flannel apparel:

Wo Mainstream-Medien und andere prominente Plätze lange kein Ort gewesen sind, an dem Feminismus sichtbar und laut gelebt wurde, haben sich Frauen über digitale Bündnisse selbst Bühnen geschaffen, die klassischen Präsentationsflächen gewachsen sind und diese herausfordern. Die Mechanismen des öffentlichen Diskurses haben sich mit der digitalen Vernetzung von Menschen gewandelt: Geschichten und Impulse für Debatten benötigen keine Nachrichtenagenturen oder Massenmedien, um etwas in Bewegung zu setzen; über soziale Netzwerke und selbst organisierte Publikationen wie Blogs, kann die Quelle einer Story sichtbar sein, die Nachricht sich von dort aus entwickeln und Knotenpunkt einer vernetzten Erzählung bleiben. Forterzählung in klassischen Medien kann ihre Verbreitung entscheidend unterstützen, Journalistinnen werden jedoch nicht mehr benötigt, um eine Geschichte zu legitimieren. Der Druck auf Medien, ein Geschehnis ebenfalls aufzugreifen, kann heute binnen Minuten von denjenigen Bürgerinnen ausgeübt werden, die lange Zeit ein vornehmlich passives Publikum gewesen sind. So wurde über den Brief von sieben Frauen, die Bundespräsident Gauck nicht durchgehen lassen wollten, dass er #aufschrei als »Tugendfuror« bezeichnet hatte, kurz nach Erscheinen als Topmeldung auf Spiegel-Online veröffentlicht.

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Sina macht nochmal deutlich, warum die Bestrafung von Freiern den Prostituierten in keinster Weise hilft:

Wenn man annimmt dass die Polizei das Verbot tatsächlich durchsetzen will, wird sie versuchen möglichst viele Kunden zu erwischen. Dies geht natürlich am einfachsten, indem man Sexarbeiterinnen ausfindig macht und sie regelmässig bei ihrer Arbeit stört. Sexarbeiterinnen sind auf ihr Einkommen angewiesen. Wenn nun eine Sexarbeiterin vergewaltigt oder sonst wie von Kunden misshandelt wird, wird sie es ich gut überlegen zur Polizei zu gehen,
denn dann gerät sie auf den Radar der Sittenpolizei. Sie muss in erster Linie um ihr Einkommen und ihre Ruhe fürchten, aber auch um ihre Kinder, denn die Jugendschutzbehörden Schwedens sehen gar nicht gerne sexarbeitende Mütter. Auch ihr Partner steht unter dem Verdacht ein Zuhälter zu sein. Vielleicht wird sie sogar auf die Strasse gestellt, denn eine Sexarbeiterin zu beherbergen kann u.U. als Zuhälterei gelten.

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Suzi Price ist ein IT-Nerd und stolz drauf – und diskutiert, weshalb das unattraktive Label des „IT-Neds“ gerade Frauen abschreckt:

Recent research from America shows that women are much more likely to be put off IT jobs than men due to the negative image of the IT ‚nerd‘. Despite the fact that the stereotype of the computer scientist as technology-oriented, intensely focused on computers, intelligent and socially unskilled seems to be prevalent among both men and women, the research highlights that it is women who find this image more off putting. As a result, the researchers concluded that this is because women see these characteristics as ‚incompatible with the female gender role and inconsistent with how many women see themselves‘.

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High on Clichés zeichnet. Und fragt in die Runde:

Was macht ihr Kreatives? Wenn ihr mögt, verlinkt es. Macht es euch fröhlicher? Macht ihr es aus einem anderen Grund?

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Roma kämpfen aktiv gegen das negative Image an
, das sie verpaßt kriegen:

Obdachlose Roma, arbeitslose Roma, diskriminierte Roma, Roma in überbelegten Wohnungen, verwahrloste Roma-Kinder – das sind auch die Protagonisten der meisten Geschichten, die in den Medien über Roma erzählt werden.

Ausgerechnet damit sich das ändert, sitzen die zehn Journalisten jetzt der Klischee-Roma-Familie gegenüber, auf Einladung des Mediendienstes Integration. Das ist ein Projekt des Rats für Migration, einem bundesweiten Zusammenschluss von Migrationsforschern. Denn auf den zweiten Blick passt die Familie doch nicht so ganz ins Klischee. Die 13-jährige Tochter Andrea geht nämlich jeden Tag in die Schule. Sie arbeitet daran, eine bessere Zukunft als ihre Eltern zu haben.

Das ist vor allem einer anderen Roma zu verdanken. Die arbeitet als Roma-Mediatorin in Andreas Schule, hilft den Kindern beim Deutschlernen, verteidigt sie gegen Diskriminierung durch Mitschüler und Lehrer oder begleitet auch mal vormittags die Eltern bei Behördengängen – damit Kinder wie Andrea das nicht selbst tun müssen und deshalb im Unterricht fehlen.

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Beschreibt immer noch die momentane Situation, in der viele Migrant_innen sind:

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Nazis in der Bundeswehr (was ne Überraschung?) – der Militärische Abschirmdienst hat beim Bund hunderte (Rechts-)extremisten ausgemacht:

Für rechtsextremes Gedankengut sei vor allem die Gruppe der Männer zwischen 18 und 25 Jahren anfällig, sagte Birkenheier. Für sie sei die Bundeswehr attraktiv, „weil dort eine bestimmte Struktur herrscht“. Außerdem sei der Umgang mit Waffen „für einige sehr interessant“.

„Spürbar“ gestiegen sei die Zahl der enttarnten islamistischen Extremisten: 2011 habe es gut 40 solcher Fälle gegeben, 2012 seien es schon 50 gewesen. Besonders auffällig seien hier Konvertiten, die sich radikalisierten.

Linksextremes Gedankengut sei dagegen in den Streitkräften kaum zu finden. „Diejenigen, die eine Linksneigung haben, die sind ja traditionell nicht so sehr auf die Bundeswehr fixiert“, sagte Birkenheier. Linksextremisten nähmen die Bundeswehr eher „von außen“ ins Visier.

Applebaum bei Illner, Wen wählen??! & DIY-Action

Benachteiligte Lesben in Bayern, Applebaum bei Illner, Pussy Riot, DIY-Action, Essen wie Asylbewerber in Bayern, Wen wählen??!, Petition für Teresa Z., e*vibes-Workshop, wenn Feminismus auf Kapitalismus trifft, ZDF-Mann Thomas Grimm erkennt keinen Sexismus und manipulierende Formulierungen bei der FAZ.

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Essen wie Asylbewerber in Bayern: Poety Slammer Christian Ritter kauft einer Asylbewerberin ihre Essenspakete ab. Natürlich kann man so auch nicht nur ansatzweise nachvollziehen, wie es für Flüchtlinge sein muß, die zu kriegen – aber eine schöne Methode, um für das Problem Aufmerksamkeit zu generieren.

Ich habe heute erfahren, dass es eigentlich viel günstiger wäre, die Sachleistungen zu streichen und stattdessen Geld zu verteilen, weil man dann keine Anlieferung und so weiter zahlen muss. Aber es bestehen wohl keine Absichten, das zu ändern. Wenn man böse wäre, könnte man sagen, dass die Asylsuchenden sich vielleicht nicht allzu wohl fühlen und sich nicht einleben sollen.

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Felix Schwenzel stellt sich die Frage, die wohl sehr vielen im Kopf rumschwirrt: Wen zum Geier soll/kann man eigentlich wählen?

neben sabine leutheuser-schnarrenberger gibt es in fast allen parteien einige menschen denen ich vertrauen würde, deren worte ich ihnen als aufrichtig abnehme und bei denen ich das gefühl habe, dass sie nicht zur profilierung oder aus karrieregründen in die politik gegangen sind, sondern um etwas zum positiven zu verändern.

leider müsste ich aber um sabine leutheuser-schnarrenberger zu wählen, auch guido westerwelle, philipp rösler, christian lindner oder sogar rainer brüderle mitwählen. welcher mensch, der noch bei sinnen ist, würde das wollen?

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Wenn sich Feminismus und Kapitalismus vermischen – ein ungutes Gefühl, findet aufZehenspitzen:

Wenn wir schon von so genannten “Karrieren” reden: Sicher, die traditionelle Benachteiligung der Frau am Arbeitsmarkt etwa hängt auch mit der klassischen Rollenverteilung in Ehen zusammen, was wiederum mit der Unterordnung aufgrund der Geld-Macht-Situation in Zusammenhang steht. Solche Schieflagen gehören geebnet – stellt sich die Frage in welche Richtung. Soll eine bestehende Norm aufrechterhalten oder aber strukturell bedingte Einschränkungen radikal aufgebrochen werden?

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Die inhaftierte Pussy Riot-Aktivistin Maria Aljochina wird aus dem Straflager verlegt:

Maria Aljochinas Anwältin Oksana Darowa sagte am Freitag, ihre Mandantin habe aus verlässlicher Quelle erfahren, dass sie aus dem Straflager Beresniki im Ural zur Verbüßung des Rests ihrer Strafe verlegt werden solle – womöglich in die Region von Nischny Nowgorod. Mit dem Schritt wolle die Anstaltsleitung eine unbequeme Gefangene loswerden. „Sie ist nicht still, sie spricht, wenn sie die Rechte der Insassen verletzt sieht, und die Verwaltung ist ihrer überdrüssig“, sagte die Anwältin.

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ZDF-Marketing-Chef Thomas Grimm weigert sich hartnäckig, in dem „Ballsauber“-Spot zur Fußball-EM Sexismus zu erkennen – und manche fänden ja auch, die Frauen müßten das auch einfach mal aushalten:

Von Sexismus und Frauenfeindlichkeit kann überhaupt keine Rede sein.
(…)
Einige sahen den Spot kritisch, andere vertraten die Meinung, dass Frauen diese Art von Humor auch mal aushalten müssen. Am Ende habe ich mich für die mutige Variante entschieden.

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e*vibes bieten in Limbach-Oberfrohna am 16. Juli einen Workshop zu sexistischer Diskriminierung und Reproduktion von Geschlechterrollen:

Das Geschlecht ist immer noch eins der dominanten Strukturmerkmale moderner Gesellschaften und damit in spazifischer Weise Bestandteil relevanter sozialer und gesamtgesellschaftlicher Diskurse. So erzeugen geschlechtsbezogene Denk- und Handlungsmuster z.B. die Marginalisierung bestimmter sozialer Gruppen oder legitime sowie illegitime Formen von Geschlecht. Dabei stellt sich die Frage, inwiefern sich die in einer Gesellschaft lebenden Individuen solchen dominanten Deutungen entziehen können.

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Wie gerade durch Wortwahl im Kleinen manipuliert wird – Wolfgang Lieb kritisiert die Snowden-Berichterstattung der FAZ:

Und auch das übliche Totschlagargument, dass die Amerikaner den Europäern mit der Überwachung „einen Gefallen tun bei der Verbrechensbekämpfung“, wird hier wieder aufgetischt. Verbrechensbekämpfung durch Bespitzelung von europäischen Botschaften oder chinesischen Eliteunis? Kein Wort vom Spannungsverhältnis von Freiheit und Sicherheit, kein Wort davon, dass Prism und Tempora millionenfache Rechtsbrüche in Form des Eingriffs in Persönlichkeitsrechte begehen und damit Gegenstand von rechtlicher Anklage sein müssten.

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DIY Revolution!! Nicoles Liebeserklärung ans Selbermachen und die DIY-Kultur auf kleinerdrei:

Ich er_finde hier natürlich nichts Neues, so wie es die vielen Leute, die im Moment über DIY-Kultur publizieren nicht tun, aber wie ich mich freu über alle, die drüber schreiben, die zeigen, was sie machen, was schief ging, wie sie sich entwickeln. Und sich vernetzen und helfen. Die vielen Sachen, die ich nur kann, weil Menschen sich Zeit nehmen, eine Anleitung zu schreiben, auf Youtube vorzumachen (Spinnen) wie Handgriffe (Stricken) gehen, die Lust machen, was auszuprobieren, indem sie in einem Podcast davon erzählen oder in Foren Hilfestellung geben, wenn Ratlosigkeit am Start ist. Ich liebs nicht nur, Sachen mit meinen Händen selbst zu machen, ich liebs auch, was für ein Netz das überhaupt ermöglicht.

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Eine neue Petition wurde gestartet,, um die Polizeigewalt im Fall Teresa Z. respektvoll aufzuarbeiten:

Herr Herrmann sollte eine offene und fehlerlose Aufklärung des Vorfalls fordern und fördern, nicht jedoch als Innenminister versuchen die öffentliche Meinung durch Unterstellungen (zugunsten der Polizei) zu lenken.

Unter Anbetracht der schlimmen Gewalt, welche Teresa Z. erleiden musste, ist diese Aussage absolut inakzeptabel.

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Informativ uns sehr interessant war die Maybrit Illner – Sendung „Kalter Krieg um unsere Daten?“; hauptsächlich deswegen, weil Sascha Lobo viele Dinge klar auf den Punkt bringt und richtig schön Tacheles redet – und ein unglaublich guter Auftritt von dem fabelhaften Jake Applebaum, der nicht nur haarscharf analysiert, sondern klipp und klar die Maßnahmen nennt, die die Regierung ergreifen müßte, um zu retten, was noch zu retten ist. Politisches Asyl für Snowden in Deutschland wäre der erste logische Schritt.

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Wie es aussieht, hat man als Lesbe in Bayern schon vorneweg schlechtere Karten als heterosexuelle Frauen:

Während die Chancen von homo- und heterosexuellen Frauen in der Hauptstadt etwa gleich gut sind, bekamen Lesben in München deutlich seltener positive Rückmeldungen zu ihren Bewerbungen.
(…)
Da die Ergebnisse der ökonomischen Logik widersprechen, sieht Weichselbaumer andere Gründe: „Der kulturelle Effekt scheint den ökonomischen Effekt zu überwiegen.“ Deswegen falle die Diskriminierung im konservativ und katholisch geprägten München deutlich höher aus als im liberalen Berlin.