Achselhaare, Spanner-Bürgermeister & (keine!) Alternative für Deutschland

Serena Williams verharmlost Steubenville-Vergewaltigung, warum die AfD scheiße ist, Pille danach bald rezeptfrei und kostenlos in NRW und BaWü?, Programmieren für Mädels, bayrischer Bürgermeister fotografiert unter Frauenröcke, Seehofer will die Leistung im AKW Gundremmingen hochfahren, Körperhaare, Amina Tyler, WHO: Gewalt gegen Frauen hat epidemische Ausmaße und Kristina Schröder will Armut mit Basteln bekämpfen.

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Der Bayrische Ministerpräsident Seehofer setzt wieder voll auf Atomkraft und hält es für eine gute Idee, die Leistung im AKW Gundremmingen zu erhöhen – ein AKW, das baugleich mit dem Fukushima-Kraftwerk ist und zwei längst veraltete Siedewasserreaktoren besitzt:

Das Kraftwerk plant nach Angaben des Technischen Geschäftsführers Michael Trobitz eine Steigerung der elektrischen Leistung „um gut 20 Megawatt“ je Reaktorblock – ohne Änderungen an der Anlagentechnik vorzunehmen. Dieses Konzept vergleicht Naturschützer Frey mit dem „Frisieren eines Mopeds“. „Die Leistung des Motors wird erhöht, aber Chassis und Bremsen bleiben gleich.“

Gundremmingen ist das letzte Kraftwerk Deutschlands mit Siedewasserreaktoren. Experten bezeichnen diese als veraltet, auch in Fukushima standen Meiler dieses Typs. Im Zuge der Energiewende sollen die Gundremminger Reaktoren 2017 und 2021 abgeschaltet werden.

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Keine spaßige, aber aufschlußreiche Lektüre: über die „Alternative für Deutschland:

In der taz analysiert Lalon Sander, wie die „Alternative für Deutschland“ soziale Medien für ihr rechtspopulistisches Anliegen nutzt:

Es ist schon erstaunlich: Die marktradikale, eurokritische, rechtspopulistische Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) gibt es erst seit vier Monaten und schon ist sie eine der größten Parteien Deutschlands – wenn man von Facebook-Likes ausgeht.

Mehr als 36.600 Fans haben sie, am Dienstag überholten sie die Grünen (ca. 36.100) und bald könnte es bei der SPD (38.300) ebenfalls so weit sein. Dass es da keine wirkliche Korrelation zwischen Parteigröße und Facebook-Fans gibt, zeigen eben diese Statistiken: Die Seite der Piratenpartei ist die erfolgreichste, SPD und Grüne liegen beide vor der CDU.

Etwas älter, aber trotzdem lesenswert:

Der AfD-Vordenker Peter Oberender (Universität Bayreuth) plädiert zum Beispiel dafür, dass Hartz-IV-Empfänger zur Verbesserung ihrer Finanzen ihr Organe verkaufen dürfen sollten, während das AfD-Vorstandsmitglied Roland Vaubel, Volkswirtschaftsprofessor an der Universität Mannheim, den „untersten Klassen“ das passive Wahlrecht entziehen will. Und dies ist nur die Spitze des Eisbergs einer langen Liste von Unglaublichkeiten aus dem Umfeld der AfD.

Passend dazu auch ein entlarvender Artikel von Konrad Adam, Vorstand AfD, aus der „Welt“:

Wie immer sind die Finanziers des Ganzen – gewöhnliche, rechts- und gesetzestreue Steuer- und Beitragszahler – die Dummen. Damit sie das nicht ewig bleiben, sollten sie sich ein Herz fassen und es genauso machen wie die Gegenseite, die Anonymität also durchbrechen und ihre Klagen nicht länger ans System richten, sondern an Personen. Jeder von ihnen könnte und sollte jeden Arbeitslosen, jeden Rentner und jeden Studenten danach fragen, mit welchem Recht er davon ausgeht, daß er ihm den Lebensunterhalt, die Rente oder das Studium bezahlt. Das könnte etwas Licht ins Dunkel bringen.

Außerdem noch informativ: Interview mit Andreas Kemper über die AfD:

In einer sehr extremen Weise werden hier Freiheit – im Sinne von unbegrenzter Profit- und Reichtumsmaximierung – und Gleichheit gegenüber gestellt. Sozialpolitik ist nur dann okay, wenn sie nicht der Profitmaximierung der Reichen im Wege steht. Vaubel bezieht sich in seinen Argumentationen auf einen Ökonomen aus dem 19. Jahrhundert (Knut Wicksell), der die Einführung des Parlamentarismus zwar begrüßte, aber unter dem Vorbehalt, dass über Steuerentscheidungen nur in „Einstimmigkeit und Freiwilligkeit“ entschieden werden dürfe, um die „Tyrannei“ der unteren Klassen zu verhindern.

Er ergänzte seine Idee, sogenannten „unteren“ Klassen das passive Wahlrecht zu entziehen, mit dem Hinweis: „Wussten Sie, dass auch unser Grundgesetz – Art. 137, Abs. 1 – Beschränkungen des passiven Wahlrechts (für Angehörige des öffentlichen Dienstes!) zulassen würde? “
In den Texten Vaubels fällt auf, dass er die Bevölkerung in „Bürger“ und „Tyrannei der Mehrheit“ unterscheidet. So sei durch die Charta der Grundrechte der Europäischen Union die „Freiheit der Bürger“, die Vertragsfreiheit, bedroht. „Vertragsfreiheit“ ist ein Paradoxon, da Verträge zunächst die Freiheit einschränken. Und Verträge können aufgrund von Machtverhältnissen diskriminierend oder arbeitsrechtlich bedenklich sein. Nicht zuletzt, um die Freiheit der Schwächeren zu schützen, stehen die Grundrechte über die Vertragsfreiheit.

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Die Mädchenmannschaft kommentiert die zynischen Vorschläge Kristina Schröders (hat diese Frau eigentlich mal irgendwann was richtig gemacht??), armen Familien könne mit ein bißchen Basteln geholfen werden:

Alles, was Schröderle während der Präsentation der Gesamtevaluation ehe- und familienbezogener Leistungen so zu erzählen hatte hörte sich (a) nach einem wirklich alten Gruselkonzept oder (b) nach neo-liberaler Phrasendrescherei oder (c) nach etwas an, das eine Kristina Schröder halt ohne mit der Wimper zu zucken sagen würde.


Simone Schmollack
bringt es auf den Punkt:

Zynischer kann man wohl nicht sein: Wenn Eltern ihren Kindern jeden Tag etwas vorlesen, vorsingen oder mit ihnen basteln, dann sind „die negativen Effekte von familiärem ökonomischem Druck auf die Kinder wissenschaftlich nicht feststellbar“. Rums. Genau so sagte das Familienministerin Kristina Schröder am Donnerstag bei der Vorstellung der Evaluation sämtlicher familienpolitischer Leistungen.

Zugespitzt formuliert läse sich dieser Satz auch so: Wenn ein Kind nicht mit zur Kita-Fahrt kann, weil die Eltern das nicht bezahlen können, dann singen sie ihrem Sprössling einfach ein Seemannslied vor – und schon fühlt es sich wie am Meer.

Feine Kommentare dazu auch von Friedrich Küppersbusch:

Herrlich:

Verrückte Idee, aber könnte die Bundesregierung auch mal was machen für Leute, die’s brauchen?

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Tennisstar Serena Williams fühlte sich dazu berufen, die Steubenville-Vergewaltigung zu kommentieren und verharmlost dabei übelst – Victimblaming ist auch dabei. Eris Zion Venia Dyson im Guardian dazu:

Late last night, I read Serena Williams‘ comments in Rolling Stone on the Steubenville, Ohio rape case:

„Do you think it was fair, what they got? They did something stupid, but I don‘t know. I‘m not blaming the girl, but if you‘re a 16-year-old and you‘re drunk like that, your parents should teach you: don‘t take drinks from other people. She’s 16, why was she that drunk where she doesn‘t remember? It could have been much worse. She’s lucky. Obviously I don‘t know, maybe she wasn‘t a virgin, but she shouldn‘t have put herself in that position, unless they slipped her something, then that’s different.“

Thank you, Serena, for implying that:

1. Rape is your fault if you‘re 16 years old girl.
2. Rape is your fault if you‘re drunk.
3. Rape is your fault if your parents didn‘t teach you not to take drinks from other people.
4. Rape is your fault if you‘re too intoxicated to remember it.
5. Rape could possibly be your fault if you aren‘t a virgin.
6. Rape isn‘t a position you should put yourself in.
7. Rape is only a problem if you were „slipped something“ … that’s different.

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YES! YES! YES! Baden-Württemberg und NRW planen eine kostenlose und rezeptfreie Abgabe für die Pille danach:

Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen wollen sich am 5. Juli im Bundesrat dafür stark machen, dass Frauen die „Pille danach“ kostenlos und ohne Rezept bekommen können. Die beiden Landesregierungen haben im Auftrag der rot-grün regierten Bundesländer einen entsprechenden Antrag ausgearbeitet.

„Wir haben dabei sichergestellt, dass die Frauen bei der Abgabe in der Apotheke kompetent beraten werden“, sagte Baden-Württembergs Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) den Stuttgarter Nachrichten (Freitag). Im Südwesten habe das Landeskabinett den Vorstoß bereits gebilligt, in Nordrhein-Westfalen werde ein entsprechender Beschluss am kommenden Dienstag erwartet.

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Und da soll nochmal einer sagen, sexuelle Belästigung sei in Deutschland kein Thema: ganz toll, wenn es sich dabei um einen Bürgermeister handelt – der Frauen unter den Rock fotografiert:

Was am Freitag im polizeilichen Pressebericht trocken als „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte nach Beleidigung auf sexueller Grundlage“ zu lesen war, dürfte in einer oberbayerischen Gemeinde für Wirbel sorgen: Nach SZ-Informationen steht ihr Bürgermeister in Verdacht, am Donnerstagmittag auf der Rolltreppe am Stachus über längere Zeit mit einer Kamera Frauen unter die Röcke fotografiert zu haben. Bei der Festnahme habe er derart um sich geschlagen, dass ein Beamter leicht verletzt worden sei, berichtet die Polizei. Es ist offenbar nicht das erste Mal, dass der Bürgermeister als Spanner verdächtigt wird.

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Katrin Roenike kommentiert den Fall der tunesischen Femen-Aktivistin Amina Tyler:

Nacktheit ist interessanter Weise etwas, das derzeit die Gesellschaft spaltet – und zwar auch und gerade hier in Europa, wenn über die Ereignisse in Tunesien oder die Haltung von Femen debattiert wird. Der Umgang mit Femen ist erstaunlich. Das findet auch Ed2Murrow. In Deutschland sei eine Meinung zu all dem sehr häufig und in verschiedenen Zeitungen zu lesen gewesen: „Die radikalen und einseitigen Ansichten von Femen unterscheiden sich nicht besonders von der Einstellung jener, die Aminas Bestrafung forderten.“ Es ist so einfach, sich zu empören und Femen als rassistische Krawalltruppe darzustellen. Das ist eine Einstellung die auch und gerade in feministischen Kreisen sehr populär geworden ist. Hinterfragt man diese Einstellung gilt man schnell selbst als rassistisch oder sonstwie “istisch”

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Wie man Mädels das Programmieren näher bringen könnte:

Wer auf die Bilder des Mainstream achtet, die Kinder und Jugendliche heute immer noch größtenteils umgeben, die Stereotype, mit denen sie aufwachsen, dann ist es immer noch so (und sogar: wieder verstärkt), dass Mädchen größtenteils vermittelt wird, dass die Welt von Technik, Computer, Internet und Tüftelei über das nächste Facebook-Event hinaus nicht die ihre ist.

Und trotzdem wird ihnen dann, nach 18 Jahren voller Busenwunder und Lillifee, Barbie Dreamhouse und “In Mathe bin ich Deko”, Topmodel und Hollywood, vorgeworfen: “Wie, und jetzt hast du das Gefühl, Informatik passt nicht zu dir? Naja, selbst dran blöd!” Natürlich ist das deutlich überspitzt und verkürzt ausgedrückt, aber unterm Strich ist die Tatsache, dass im Bereich Berufsbilder immer noch sehr hartnäckige Geschlechterstereotype am Werk sind, die sich etwa die Spielzeugindustrie auch wirtschaftlich zu nutze macht, nicht zu leugnen.

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Daß Gewalt gegen Frauen „epidemische Ausmaße“ hat, bestätigt nun auch die WHO:

Unter den Folgen der Gewalt gegen Frauen nennt die WHO Depressionen und Alkoholprobleme. Vergewaltigte Frauen seien eineinhalbmal so oft mit Geschlechtskrankheiten infiziert wie andere. Außerdem sei die Wahrscheinlichkeit, dass sie einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen, doppelt so groß wie bei anderen Frauen. Die WissenschafterInnen stellten auch fest, dass jene Frauen, die in ihrer Beziehung immer wieder Gewalt erleben, Gefahr laufen, Kinder mit einem bis zu 16 Prozent geringeren Geburtsgewicht als normal zur Welt bringen.

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Loki thematisiert im Mädchenblog die Körperbehaarungsfrage:

Und so viel hat sich ja inzwischen nicht geändert. Eher im Gegenteil, inzwischen sieht man so gut wie gar keine Frau mehr mit behaarten Achseln oder Beinen. Auch bei Männern nimmt der Trend zu, sich der Achselbehaarung zu entledigen. Immer öfter wird auch die männliche Brust enthaart. Allerdings – wenn ein Mann sich diese Stellen nicht rasiert, wird das nicht großartig kommentiert oder als eklig empfunden. Anders bei Frauen.


1 Antwort auf „Achselhaare, Spanner-Bürgermeister & (keine!) Alternative für Deutschland“


  1. 1 Pille danach – vielleicht bald gratis & rezeptfrei in Ba-Wü und NRW? « mädchenblog Pingback am 25. Juni 2013 um 13:44 Uhr

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