Autismus & Gender, Anne Will und Abschied von der Waage

Anne Will, „You can touch my hair“, wegen Kopftuch vom Flohmarkt geworfen, Abschied von der Waage, Gulabi Gang, ehrliche Disney-Poster, Autismus & Gender und Sexismus im Literaturbetrieb.

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Maike hat sich ihrer Waage entledigt und ruft zur Revolution, zum „Waagnis“ auf, das Wiegegerät in die Wüste zu schicken:

Ich habe nach wie vor nicht mein ‘Wohlfühlgewicht’, aber ich bin mit mir ziemlich okay, solange ich einen bestimmten Wert auf der Waage nicht überschreite. Und genau hier liegt mein Problem: In den letzten Monaten passierte dies ständig. Und um dies zu kontrollieren, wog ich mich mittlerweile wieder jeden Tag. Erst nachdem am 13. Mai die Waage kaputt ging, fiel mir auf, dass ich dies oft sogar morgens und abends machte. Eine schrecklicher Zustand, von dem ich mich gerne befreien möchte. Ebenso wie von dem Druck, schlank sein zu müssen, um gesellschaftlich akzeptiert zu werden und begehrenswert zu sein. Mehrere Jahrzehnte falsche Sozialisation können mit Hilfe einer intellektuellen Herangehensweise leider nicht einfach so umgeschrieben werden. Stattdessen bedarf es eines liebevollen Blicks nicht nur für andere, sondern auch für mich selbst und neuer positiver Erfahrungen in einem Leben ohne oberflächliche Urteile – und ohne Waage.

Eigentlich bräuchte diese Aktion einen coolen Sticker, ähnlich dem von lookism.info!

Smash Scales

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Eine münchner Veranstalterin von Flohmärkten meinte, eine Kopftuchträgerin sei schlecht fürs Geschäft – und wirft sie kurzerhand raus:

Vor Beginn eines Basars in Pullach verdarb Beeg einer muslimischen Türkin die Premiere als Hobby-Händlerin, indem sie die Frau mit rüden Worten vom Platz scheuchte. Die nachgeschobene Begründung: Kopftuchträgerinnen hinterm Verkaufstresen seien schlecht fürs Geschäft.

Nur hatte die Basar-Organisatorin die Rechnung ohne das Publikum gemacht. Zeuginnen waren so empört, dass sie den Vorfall publik werden ließen. Unter anderem schrieben sie an den Leiter des kirchlichen Pater-Rupert-Mayer-Schulzentrums, Stefan Antoni.

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Die Bestsellerautorin und Kriegsfotografin Deborah Kogan kotzt sich über Sexismus im Literaturbetrieb aus:

Der Mangel an respektvoller Berichterstattung, die Titulierung als Schlampe und andere Beschimpfungen, die tussigen Buchcover und gegen meinen Willen durchgesetzte Titel, die meinem literarischen Anspruch zuwiderlaufen, haben mich zermürbt und mich alles hinterfragen lassen: meine Fähigkeiten, meine Zukunft, mein Leben. Das ist es, was der Sexismus am besten kann: Er sorgt dafür, dass man sich verrückt vorkommt, weil man nach Gleichheit strebt, und schließlich die Hoffnung aufgibt, sie je zu erreichen.

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Disney-Poster mal mit ehrlichen Aussagen:

Sarcastic Disney

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Die Anne Will-Talkshow „Gleiche Rechte für Homosexuelle – ist die Ehe nicht mehr heilig?“ war erwartungsgemäß oberflächlich – allerdings ist Malte Czarnetzki, ein Sohn lesbischer Mütter, ein absoluter Lichtblick (ich bin verliebt!) in der Diskussion. Und wer Freude daran hat, zuzuschauen, wie die Gegener der Gleichstellung sich selbst demontieren, wird von der Show auch nicht enttäuscht.

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G. L. Wild schreibt über Autismus und die Parallelen zu sexistischer Unterdrückung:

The oppressions facing individuals on the autistic spectrum intersect with the oppression of women in a number of ways: autistic communities are overwhelmingly male dominated due to the higher rate of diagnosis in men; medical research into the area has historically been focused on men to a greater extent than in other areas of psychiatry; higher expectations imposed on women to be nurturing, socially pleasing, and sexually available can increase pressure even further on girls. What is less often critiqued in public discourse is the effect that gender constructions within psychiatry have in impeding the understanding of autism and feeding into populist stereotyping.

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Racialicious nimmt das Phänomen unter die Lupe, warum gerade farbigen Frauen immer wieder ungefragt die Haare berührt werden:

I’m a woman with big hair who has had many a strange, uninvited hand in her head, and so my entire body and spirit reacted to this event. There is a special kind of violation that comes with someone putting their hands on you — any part of you — without your permission. When you’re at a club and someone puts his hand on your waist or the small of your back to get your attention. Or you’re at a work function and a happy-faced woman in a business suit sticks her hands in my hair. When someone has decided that their desire to touch you is more important than your interest in being touched, you don’t feel very much like a person. And being asked by a stranger for undeserved permission to touch part of me is exceedingly creepy

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Nishta Jain, eine indische Filmemacherin, begleitete die Gulabi Gang über den Aufstand indischer Landfrauen:

Bollywood-Filme, das sind die Schlimmsten. Sie preisen das Patriarchat! Und die TV-Seifenopern preisen es und verharmlosen Gewalt gegen Frauen. Alle Medien ziehen an einem Strang, Fernsehen, Nachrichten, egal. Also selbst wenn wir 400 000 sind, oder sagen wir sogar eine Million, wir haben immer noch eine Billion gegen uns. Das ist ein Problem. Die meisten Menschen in Indien sind gegen Sexualaufklärung, gegen gemischte Schulen. Das bringe die Kinder auf falsche Gedanken. In Indien heißt es: »Frauenprobleme müssen von Frauen gelöst werden.« An der Macht sind aber die Männer. sEs ist an der Zeit, dass die die Verantwortung übernehmen, dass es als ein allgemeines gesellschaftliches Problem anerkannt wird.


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