Archiv für Juni 2013

Rassistische Haßmails an Politiker_innen, Industrial-Sexismus & Grundeinkommen

Grundeinkommen, Sexismus im Industrial, AfD und Rechte, Übergewicht und Wissenschaftlichkeit, Arbeiterkinder an der Uni und rassistische Haßmails an Politiker_innen.

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Sexismus im Industrial – besonders schön zu sehen beim neuen Ministry-Album:

In seeing an article titled What’s worse, the title of the new Ministry album or its cover art? I had not even noticed what was in the tiny thumbnail. I saw the usual slaughtering of the anarchy symbol that I often see in pop culture mixed with an upside down peace symbol (cuz, you know, anarchy is chaos, forget all those decades of resistance and liberation, I heard the Joker say anarchy was chaos so it must be true). I sighed, annoyed. I want to expect more from Ministry but honestly, I don‘t.

I moved on to click on the link and suddenly my screen was filled with an outbreak of machoness. Jourgensen stands wearing some sort of garb that I can‘t even go into because I don‘t know what culture it’s supposed to be from. I think there’s a good chance it’s jacked misappropriation but I‘ll let it slide due to my own ignorance. If any dear readers can help, please do.

And then, you know, naked skinny white women with perfectly salon styled hair in a net held by the captor himself.

I don‘t even know what to do though. This is not mocking masculinity, slavery, patriarchy. It’s not even possible for a satirical message to come from this. But for real, I don‘t know where to start in tearing it apart aside from saying, „Look, another industrial dude being a misogynist.“

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Auf Gespenst der Armuts Besuchercouch war Antje Schrupp und sprach übers Grundeinkommen:

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„I fucking love science“ ignoriert Wissenschaftlichkeit, sobald es um Übergewicht geht:

Dort veröffentlichte “I fucking love Science” auf Facebook einen Beitrag zu “Adipositas”. (Inhaltswarnung für den Link!) Ohne kritisch zu hinterfragen wurden Krankheiten oder Auffälligkeiten an dicke_fette Körper gekoppelt und die “Adipositas-Epidemie”, die gern ausgerufen wird, als Fakt dargestellt. Passend dazu natürlich, dass gerade erst die American Medical Association, obesity als eigene Krankheit festschrieb. Außerdem im Facebook-Post natürlich ein Verweis auf den Body Mass Index.

Warum reicht Wissenschaftlichkeit und die Liebe zum kritischen Hinterfragen eigentlich immer nur so weit, bis ein dicker_fetter Körper in den Fokus kommt?

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Die „didaktische Anleitung“ der FU Berlin, wie mit „Arbeiterkindern“ an der Uni umzugehen sei, ging voll in die Hose:

Soweit ich mitbekomme, gibt es heute an Unis viele Veranstaltungen, die bereits Gymnasiasten an die Hochschulwelt heranführen. Super! (Allerdings müssen Gymnasiallehrer ihre Schüler darüber informieren und bestenfalls selbst hinschleppen.)

Arbeiterkinder fördert man an der Uni, indem man ihre tatsächlichen Leistungen anerkennt, und zwar nicht “unabhängig von Qualität” (!) (!!), sondern unabhängig von persönlichem Auftreten inklusive Dialekt/Akzent/Aussehen. Man lässt sich ja hoffentlich auch nicht von geschliffenen Manieren, Siegelring, Mama in Staatskanzlei beeinflussen – ODER?

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Was bei Politiker_innen mit Migrationshintergrund an rassistischen Haßmails alles so reinkommt:

Am heftigsten reagiert die Klientel, wenn sich Nouripour der deutschen Geschichte annimmt. Wenn er fordert, Kasernen nicht nach dem Wehrmachts-Helden Erwin Rommel zu benennen, „geht die Post ab“. Humor hilft, sagt Nouripour, der Deutsch-Iraner hat eine Lieblingsbeschimpfung, die eines Ahnungslosen: „Du scheiß Araber, geh zurück in die Türkei!“ Nicht alles prallt an ihm ab, es gibt auch Dinge, die kränken. „Die Unterstellung, ich mache etwas nur aufgrund meiner Herkunft und nicht, weil ich denken kann.“ Manchmal kommen ältere Herrn im Straßenwahlkampf auf ihn zu, um ihre Vorbehalte gegen Ausländer zu erläutern. Nouripour reagiert darauf ganz anders als Özoguz. Sein Ziel ist, den anderen „auf den Baum kriegen“, wie er sagt. Zum Beispiel mit dem Satz: „Sie sind doch selber Ausländer – nein? Wollen wir mal ihre Ahnen durchgehen?“ Sogar der britische Prinz William habe angeblich indische Wurzeln, wie ein DNA-Test kürzlich gezeigt haben soll.

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Rechte in der AfD
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In NRW beispielsweise kandidiert Ulrich Wlecke auf Listenplatz 4 für die AfD für den Bundestag. Wlecke ist ehemaliger Schatzmeister der Republikaner und trat einst als Unterstützer des Rechtspopulisten Jörg Haider (FPÖ) in Österreich auf, bevor er zur CDU wechselte. Die Personalie ist im Landesverband umstritten.

Einer, der der Partei deshalb den Rücken kehrte, heißt Stefan Soppe. Im Blog „stadtmenschen.de“ des Kölner Stadt-Anzeigers spricht er von „mehreren Leuten aus der rechten Szene“, die auf die NRW-Landesliste gewählt worden seien. Seinen Parteiaustritt erklärt Soppe damit, dass er es mit seinem Gewissen zur demokratischen Kultur nicht mehr habe vereinbaren können, dieser Partei in diesem Zustand anzugehören. Zugleich habe er den Verfassungs- und Staatsschutz über diese „Machenschaften der AfD-Funktionäre“ informiert. „Zu meiner großen Verwunderung sind die aber schon seit Wochen aktiv“, schreibt Soppe.

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Maskulismus, Masturbation & Mandela

Die Inszenierung von Antifeminismus als Tabubruch, Prism/Tempora und deren Bedeutung, Sichtbarkeit im Netz, die Instrumentalisierung Mandelas, Masturbation, Brav_a sucht Beiträge, Cyberstalking, Analyse von Shades of Grey, Zitate, Mädchen aus Footballteam ausgeschlossen, sexuelle Übergriffe beim Militär trifft auch Männer, und: Make love, not rape!

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Amanda Hess geht der Frage nach, warum Frauen nicht so oft masturbieren wie Männer:

Female masturbation is a logistical challenge, particularly for women who share their bed with a partner every night of their lives. When a single woman fails to orgasm from a one-night-stand, she’s free to go home and privately finish herself off; once she’s partnered up, she has no other bed to run to. As the developers of HappyPlayTime note, “women in longer relationships tend to masturbate less.” And it’s not just because they’re getting enough pleasure from their partners. According to a 2007 study on the sexual behavior of people age 45 and older, single men and women masturbate more frequently than those in relationships. Partnered men who are physically dissatisfied in their relationships also compensate by masturbating more. Not so for sexually frustrated females: Women who claim to be physically dissatisfied in their relationships still don’t turn to their own (battery-powered) devices.

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Das Brav_a Zine sucht Beiträge für die dritte Ausgabe – mitmachen!

Wir suchen nach Beiträgen für Brav_a #3, die im Herbst rauskommen soll!! Die Deadline ist der 31. August 2013.

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Gefunden:

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Eine Bloggerin wird jahrelang per E-Mail gestalkt und bedroht. Polizei und Juristen scheinen arg überfordert, mit dieser Situation angemessen umzugehen (rechtlich ist das Netz halt eben doch irgendwie #neuland):

Der Stalker kann mit einem Klick herausfinden, wo sie wohnt. Name und Adresse stehen im Impressum. Weil sie nicht weiß, wie sie reagieren soll, fragt die Bloggerin die Polizei. Über die „Internetwache“, ein Onlineformular. Sie denkt, dass sie dort Fachleute erreicht.

Aber die Cybercops leiten ihre Anfrage an einen Beamten der örtlichen Polizeiwache weiter. Der wertet ihre Anfrage als Anzeige gemäß § 238 StGB – Nachstellung – und lädt die Bloggerin zur Zeugenvernehmung. „Da hat er mir erzählt, dass es im Internet keine Regeln gebe“, sagt sie. „Und dass man den Absender einer E-Mail eh nicht ermitteln könne.“

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Sexuelle Übergriffe beim US-Militär werden in letzter Zeit heiß diskutiert. Callie Beusmann spricht einen Aspekt an, der bisher in der Debatte übersehen wurde, nämlich, daß auch männliche Soldaten oft Opfer von sexueller Belästigung sind:

Earlier this year, the Pentagon estimated that 26,000 service members experienced unwanted sexual contact in 2012 (up from 19,000 in 2010). This led many — including President Obama — to rightfully claim that sexual assault in the military has reached epidemic proportions. Quite a few Republican responses to these findings, though, were (predictably) sexist and shitty and furthermore minimized the issue entirely — for instance, Sen. Saxby Chambliss (R, Georgia) blamed the increased rate of assaults on „hormones.“ Not only do responses like this make it seem that sexual assault has something to do with unfettered (heterosexual) lust, it also erases completely the suffering of male victims.

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Die Politikwissenschaftlerin Alexandra Weiss im Interview bei an.schläge über Maskulismus/Maskulinismus und die Inszenierung von Antifeminismus als Tabubruch:

Antifeministische Denkmuster können in unseren von Individualisierung, Entsolidarisierung und Spaltungspolitiken geprägten Gesellschaften leicht Anschluss finden. Statt Gesellschafts- und Kapitalismusanalyse und -kritik wird eine einfache und monokausale Schuldzuweisung vorgenommen, deren Argumentation logisch und selbstverständlich klingt. Für die Bildungsmisere und zunehmende Gewaltbereitschaft ist dann die „Feminisierung der Erziehung“ verantwortlich und nicht verfehlte Arbeitsmarkt-, Ausbildungs- und Wirtschaftspolitik und die daraus resultierende Perspektivenlosigkeit ganzer Generationen. Der Geburtenrückgang ist auf die zunehmende Erwerbstätigkeit von Frauen und ihr Selbstverwirklichungsbedürfnis und nicht auf eine mangelhafte institutionelle Kinderbetreuung zurückzuführen usw.

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Inspirierende Zitate beim Wolverette Zine:

Our deepest fear is not that we are inadequate. Our deepest fear is that we are powerful beyond measure. It is our light, not our darkness that most frightens us. We ask ourselves, Who am I to be brilliant, gorgeous, talented, fabulous? Actually, who are you not to be? You are a child of God. Your playing small does not serve the world. There is nothing enlightened about shrinking so that other people won’t feel insecure around you. We are all meant to shine, as children do. We were born to make manifest the glory of God that is within us. It is not just in some of us; it is in everyone. And as we let our own light shine, we unconsciously give other people permission to do the same. As we are liberated from our own fear, our presence automatically liberates others. ~Marianne Williamson, A Return to Love: Reflections on the Principles of “A Course in Miracles,” 1992

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Eine 12-jährige wird aus dem Footballteam ausgeschlossen – weil sie die Jungs spitz machen würde:

12-year-old Madison Baxter has been playing football since second grade. She played on her football team in sixth grade. But this year she was told not to come to tryout for the seventh-grade team because she is provoking “impure thoughts.” Baxter’s mother says this was the explanation offered by Patrick Stuart an administrator at the Strong Rock Christian Academy private school Madison attends. Cassy Blythe, Madison’s mother, told Atlanta’s WXIA-TV,

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Antje Schrupp bloggt über die Sichtbarkeit im Netz:

„Ihr seid nicht in all diesen Blogrankings drin, weil ihr falsch bloggt, weil ihr nicht aufeinander verlinkt, weil ihr euch gegenseitig nicht retweetet, likt und so weiter“, wurde uns gesagt. Und wir haben brav unsere Hausaufgaben gemacht, und zwar mit Erfolg, denn inzwischen finden sich durchaus auch Blogposts zu „unseren“ Themen in den einschlägigen Rankings.

Aber jetzt stellen wir fest, dass uns das gar nicht so sehr viel bringt in Bezug auf Traffic und Aufmerksamkeit (und das ist es doch, worum es letztlich geht): Selbst wenn wir mit „unseren“ Themen auf diesen Rankings stehen, ändert das halt wenig an der Tatsache, dass „die Leute da“ uns uninteressant finden. Was also tun?

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Nelson Mandela geht es immer schlechter. Und zusätzlich muß sich der Held Südafrikas von Zuma & Co. schonungslos instrumentalisieren lassen:

Als er Mandela am Sonntagabend in der Klinik besuchte, habe dieser bereits geschlafen, teilte Zuma mit. Welche Botschaft der Präsident vermitteln will, ist klar. Dort liegt der Mann, den sie „Madiba“ nennen, der Freiheitsheld, der Friedensnobelpreisträger, ein Mann, den sie weltweit wie Gandhi verehren und in Südafrika wie einen Heiligen vergöttern. Und er, Jacob Zuma, ist ganz nah dran.

Zuma zeigt diesmal nicht die übliche Show, der bullige Staatschef hat dazugelernt. Noch im April war Zuma mit einem Fernsehteam zu Mandela gezogen. Mandela, der wohl altersdement ist, wurde umlagert von einem lachenden Präsidenten und dessen Anhang. Mit leerem Blick musste der kranke Greis sich zur Schau stellen lassen, ein Zuma-Begleiter zückte gar die Handykamera und rief Mandela „Smile“ zu. Mandela sei guten Mutes, meinte Zuma hinterher.

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Über die Dimensionen, die der Prism/Tempora-Skandal hat:

Da mögen Verfassungsgerichte Grundsatzurteile sprechen. Da mag die EU-Kommission eine neue Datenschutzrichtlinie auflegen. Da mögen Parlamente und Bürgerrechtsorganisationen über Jahre um die Vorratsdatenspeicherung ringen oder um die Weitergabe von Fluggastdaten an die USA oder um Telefonüberwachung und Staatstrojaner – jeder dieser Diskurse, mit denen unsere westlichen Gesellschaften auszuhandeln suchten, wo die Grenze zwischen Freiheit und Sicherheit, Privatsphäre und staatlichen Eingriffsrechten verläuft, wird konterkariert.

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Die israelische Soziologin Eva Illouz analysiert den Erfolg von „Shades of Grey“ und kommt zu dem Schluß, daß die Begeisterung für dieses Buch aus einem „weiblichen Bedürfnis“ nach Ordnung und Hierarchie in einer Partnerschaft resultiert:

Wen aber meint Eva Illouz, wenn sie von den Frauen respektive den Leserinnen des Romans spricht? Bei Illouz herrscht eine ungeheuer schlichte Dichotomie zwischen der Frau, die dieses Buch „fasziniert“, und dem Mann, dem ob Stil und Handlung „die Haare zu Berge stehen“. Die zahlreichen Verisse des Romans, die von Frauen verfasst wurden, lässt Illouz unerwähnt. Vielleicht, weil die Kritiken, die das Buch als antifeministisch gebrandmarkt haben“ ihrer Ansicht nach sowieso „völlig daneben liegen, was manchen Leserinnen freilich auch aufgefallen ist.“

Achselhaare, Spanner-Bürgermeister & (keine!) Alternative für Deutschland

Serena Williams verharmlost Steubenville-Vergewaltigung, warum die AfD scheiße ist, Pille danach bald rezeptfrei und kostenlos in NRW und BaWü?, Programmieren für Mädels, bayrischer Bürgermeister fotografiert unter Frauenröcke, Seehofer will die Leistung im AKW Gundremmingen hochfahren, Körperhaare, Amina Tyler, WHO: Gewalt gegen Frauen hat epidemische Ausmaße und Kristina Schröder will Armut mit Basteln bekämpfen.

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Der Bayrische Ministerpräsident Seehofer setzt wieder voll auf Atomkraft und hält es für eine gute Idee, die Leistung im AKW Gundremmingen zu erhöhen – ein AKW, das baugleich mit dem Fukushima-Kraftwerk ist und zwei längst veraltete Siedewasserreaktoren besitzt:

Das Kraftwerk plant nach Angaben des Technischen Geschäftsführers Michael Trobitz eine Steigerung der elektrischen Leistung „um gut 20 Megawatt“ je Reaktorblock – ohne Änderungen an der Anlagentechnik vorzunehmen. Dieses Konzept vergleicht Naturschützer Frey mit dem „Frisieren eines Mopeds“. „Die Leistung des Motors wird erhöht, aber Chassis und Bremsen bleiben gleich.“

Gundremmingen ist das letzte Kraftwerk Deutschlands mit Siedewasserreaktoren. Experten bezeichnen diese als veraltet, auch in Fukushima standen Meiler dieses Typs. Im Zuge der Energiewende sollen die Gundremminger Reaktoren 2017 und 2021 abgeschaltet werden.

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Keine spaßige, aber aufschlußreiche Lektüre: über die „Alternative für Deutschland:

In der taz analysiert Lalon Sander, wie die „Alternative für Deutschland“ soziale Medien für ihr rechtspopulistisches Anliegen nutzt:

Es ist schon erstaunlich: Die marktradikale, eurokritische, rechtspopulistische Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) gibt es erst seit vier Monaten und schon ist sie eine der größten Parteien Deutschlands – wenn man von Facebook-Likes ausgeht.

Mehr als 36.600 Fans haben sie, am Dienstag überholten sie die Grünen (ca. 36.100) und bald könnte es bei der SPD (38.300) ebenfalls so weit sein. Dass es da keine wirkliche Korrelation zwischen Parteigröße und Facebook-Fans gibt, zeigen eben diese Statistiken: Die Seite der Piratenpartei ist die erfolgreichste, SPD und Grüne liegen beide vor der CDU.

Etwas älter, aber trotzdem lesenswert:

Der AfD-Vordenker Peter Oberender (Universität Bayreuth) plädiert zum Beispiel dafür, dass Hartz-IV-Empfänger zur Verbesserung ihrer Finanzen ihr Organe verkaufen dürfen sollten, während das AfD-Vorstandsmitglied Roland Vaubel, Volkswirtschaftsprofessor an der Universität Mannheim, den „untersten Klassen“ das passive Wahlrecht entziehen will. Und dies ist nur die Spitze des Eisbergs einer langen Liste von Unglaublichkeiten aus dem Umfeld der AfD.

Passend dazu auch ein entlarvender Artikel von Konrad Adam, Vorstand AfD, aus der „Welt“:

Wie immer sind die Finanziers des Ganzen – gewöhnliche, rechts- und gesetzestreue Steuer- und Beitragszahler – die Dummen. Damit sie das nicht ewig bleiben, sollten sie sich ein Herz fassen und es genauso machen wie die Gegenseite, die Anonymität also durchbrechen und ihre Klagen nicht länger ans System richten, sondern an Personen. Jeder von ihnen könnte und sollte jeden Arbeitslosen, jeden Rentner und jeden Studenten danach fragen, mit welchem Recht er davon ausgeht, daß er ihm den Lebensunterhalt, die Rente oder das Studium bezahlt. Das könnte etwas Licht ins Dunkel bringen.

Außerdem noch informativ: Interview mit Andreas Kemper über die AfD:

In einer sehr extremen Weise werden hier Freiheit – im Sinne von unbegrenzter Profit- und Reichtumsmaximierung – und Gleichheit gegenüber gestellt. Sozialpolitik ist nur dann okay, wenn sie nicht der Profitmaximierung der Reichen im Wege steht. Vaubel bezieht sich in seinen Argumentationen auf einen Ökonomen aus dem 19. Jahrhundert (Knut Wicksell), der die Einführung des Parlamentarismus zwar begrüßte, aber unter dem Vorbehalt, dass über Steuerentscheidungen nur in „Einstimmigkeit und Freiwilligkeit“ entschieden werden dürfe, um die „Tyrannei“ der unteren Klassen zu verhindern.

Er ergänzte seine Idee, sogenannten „unteren“ Klassen das passive Wahlrecht zu entziehen, mit dem Hinweis: „Wussten Sie, dass auch unser Grundgesetz – Art. 137, Abs. 1 – Beschränkungen des passiven Wahlrechts (für Angehörige des öffentlichen Dienstes!) zulassen würde? “
In den Texten Vaubels fällt auf, dass er die Bevölkerung in „Bürger“ und „Tyrannei der Mehrheit“ unterscheidet. So sei durch die Charta der Grundrechte der Europäischen Union die „Freiheit der Bürger“, die Vertragsfreiheit, bedroht. „Vertragsfreiheit“ ist ein Paradoxon, da Verträge zunächst die Freiheit einschränken. Und Verträge können aufgrund von Machtverhältnissen diskriminierend oder arbeitsrechtlich bedenklich sein. Nicht zuletzt, um die Freiheit der Schwächeren zu schützen, stehen die Grundrechte über die Vertragsfreiheit.

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Die Mädchenmannschaft kommentiert die zynischen Vorschläge Kristina Schröders (hat diese Frau eigentlich mal irgendwann was richtig gemacht??), armen Familien könne mit ein bißchen Basteln geholfen werden:

Alles, was Schröderle während der Präsentation der Gesamtevaluation ehe- und familienbezogener Leistungen so zu erzählen hatte hörte sich (a) nach einem wirklich alten Gruselkonzept oder (b) nach neo-liberaler Phrasendrescherei oder (c) nach etwas an, das eine Kristina Schröder halt ohne mit der Wimper zu zucken sagen würde.


Simone Schmollack
bringt es auf den Punkt:

Zynischer kann man wohl nicht sein: Wenn Eltern ihren Kindern jeden Tag etwas vorlesen, vorsingen oder mit ihnen basteln, dann sind „die negativen Effekte von familiärem ökonomischem Druck auf die Kinder wissenschaftlich nicht feststellbar“. Rums. Genau so sagte das Familienministerin Kristina Schröder am Donnerstag bei der Vorstellung der Evaluation sämtlicher familienpolitischer Leistungen.

Zugespitzt formuliert läse sich dieser Satz auch so: Wenn ein Kind nicht mit zur Kita-Fahrt kann, weil die Eltern das nicht bezahlen können, dann singen sie ihrem Sprössling einfach ein Seemannslied vor – und schon fühlt es sich wie am Meer.

Feine Kommentare dazu auch von Friedrich Küppersbusch:

Herrlich:

Verrückte Idee, aber könnte die Bundesregierung auch mal was machen für Leute, die’s brauchen?

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Tennisstar Serena Williams fühlte sich dazu berufen, die Steubenville-Vergewaltigung zu kommentieren und verharmlost dabei übelst – Victimblaming ist auch dabei. Eris Zion Venia Dyson im Guardian dazu:

Late last night, I read Serena Williams‘ comments in Rolling Stone on the Steubenville, Ohio rape case:

„Do you think it was fair, what they got? They did something stupid, but I don‘t know. I‘m not blaming the girl, but if you‘re a 16-year-old and you‘re drunk like that, your parents should teach you: don‘t take drinks from other people. She’s 16, why was she that drunk where she doesn‘t remember? It could have been much worse. She’s lucky. Obviously I don‘t know, maybe she wasn‘t a virgin, but she shouldn‘t have put herself in that position, unless they slipped her something, then that’s different.“

Thank you, Serena, for implying that:

1. Rape is your fault if you‘re 16 years old girl.
2. Rape is your fault if you‘re drunk.
3. Rape is your fault if your parents didn‘t teach you not to take drinks from other people.
4. Rape is your fault if you‘re too intoxicated to remember it.
5. Rape could possibly be your fault if you aren‘t a virgin.
6. Rape isn‘t a position you should put yourself in.
7. Rape is only a problem if you were „slipped something“ … that’s different.

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YES! YES! YES! Baden-Württemberg und NRW planen eine kostenlose und rezeptfreie Abgabe für die Pille danach:

Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen wollen sich am 5. Juli im Bundesrat dafür stark machen, dass Frauen die „Pille danach“ kostenlos und ohne Rezept bekommen können. Die beiden Landesregierungen haben im Auftrag der rot-grün regierten Bundesländer einen entsprechenden Antrag ausgearbeitet.

„Wir haben dabei sichergestellt, dass die Frauen bei der Abgabe in der Apotheke kompetent beraten werden“, sagte Baden-Württembergs Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) den Stuttgarter Nachrichten (Freitag). Im Südwesten habe das Landeskabinett den Vorstoß bereits gebilligt, in Nordrhein-Westfalen werde ein entsprechender Beschluss am kommenden Dienstag erwartet.

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Und da soll nochmal einer sagen, sexuelle Belästigung sei in Deutschland kein Thema: ganz toll, wenn es sich dabei um einen Bürgermeister handelt – der Frauen unter den Rock fotografiert:

Was am Freitag im polizeilichen Pressebericht trocken als „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte nach Beleidigung auf sexueller Grundlage“ zu lesen war, dürfte in einer oberbayerischen Gemeinde für Wirbel sorgen: Nach SZ-Informationen steht ihr Bürgermeister in Verdacht, am Donnerstagmittag auf der Rolltreppe am Stachus über längere Zeit mit einer Kamera Frauen unter die Röcke fotografiert zu haben. Bei der Festnahme habe er derart um sich geschlagen, dass ein Beamter leicht verletzt worden sei, berichtet die Polizei. Es ist offenbar nicht das erste Mal, dass der Bürgermeister als Spanner verdächtigt wird.

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Katrin Roenike kommentiert den Fall der tunesischen Femen-Aktivistin Amina Tyler:

Nacktheit ist interessanter Weise etwas, das derzeit die Gesellschaft spaltet – und zwar auch und gerade hier in Europa, wenn über die Ereignisse in Tunesien oder die Haltung von Femen debattiert wird. Der Umgang mit Femen ist erstaunlich. Das findet auch Ed2Murrow. In Deutschland sei eine Meinung zu all dem sehr häufig und in verschiedenen Zeitungen zu lesen gewesen: „Die radikalen und einseitigen Ansichten von Femen unterscheiden sich nicht besonders von der Einstellung jener, die Aminas Bestrafung forderten.“ Es ist so einfach, sich zu empören und Femen als rassistische Krawalltruppe darzustellen. Das ist eine Einstellung die auch und gerade in feministischen Kreisen sehr populär geworden ist. Hinterfragt man diese Einstellung gilt man schnell selbst als rassistisch oder sonstwie “istisch”

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Wie man Mädels das Programmieren näher bringen könnte:

Wer auf die Bilder des Mainstream achtet, die Kinder und Jugendliche heute immer noch größtenteils umgeben, die Stereotype, mit denen sie aufwachsen, dann ist es immer noch so (und sogar: wieder verstärkt), dass Mädchen größtenteils vermittelt wird, dass die Welt von Technik, Computer, Internet und Tüftelei über das nächste Facebook-Event hinaus nicht die ihre ist.

Und trotzdem wird ihnen dann, nach 18 Jahren voller Busenwunder und Lillifee, Barbie Dreamhouse und “In Mathe bin ich Deko”, Topmodel und Hollywood, vorgeworfen: “Wie, und jetzt hast du das Gefühl, Informatik passt nicht zu dir? Naja, selbst dran blöd!” Natürlich ist das deutlich überspitzt und verkürzt ausgedrückt, aber unterm Strich ist die Tatsache, dass im Bereich Berufsbilder immer noch sehr hartnäckige Geschlechterstereotype am Werk sind, die sich etwa die Spielzeugindustrie auch wirtschaftlich zu nutze macht, nicht zu leugnen.

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Daß Gewalt gegen Frauen „epidemische Ausmaße“ hat, bestätigt nun auch die WHO:

Unter den Folgen der Gewalt gegen Frauen nennt die WHO Depressionen und Alkoholprobleme. Vergewaltigte Frauen seien eineinhalbmal so oft mit Geschlechtskrankheiten infiziert wie andere. Außerdem sei die Wahrscheinlichkeit, dass sie einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen, doppelt so groß wie bei anderen Frauen. Die WissenschafterInnen stellten auch fest, dass jene Frauen, die in ihrer Beziehung immer wieder Gewalt erleben, Gefahr laufen, Kinder mit einem bis zu 16 Prozent geringeren Geburtsgewicht als normal zur Welt bringen.

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Loki thematisiert im Mädchenblog die Körperbehaarungsfrage:

Und so viel hat sich ja inzwischen nicht geändert. Eher im Gegenteil, inzwischen sieht man so gut wie gar keine Frau mehr mit behaarten Achseln oder Beinen. Auch bei Männern nimmt der Trend zu, sich der Achselbehaarung zu entledigen. Immer öfter wird auch die männliche Brust enthaart. Allerdings – wenn ein Mann sich diese Stellen nicht rasiert, wird das nicht großartig kommentiert oder als eklig empfunden. Anders bei Frauen.

Haasenburg, Marusha & Diffamierung von Inge Hannemann

Bundesagentur für Arbeit diffamiert Inge Hannemann, die problematische Haltung von Jungs zu sexueller Belästigung, Marusha als Merkel-Groupie, unsägliche Zustände in den „Haasenburg“-Jugendheimen, Sexismus passiert, #waagnis, türkische Debattenkultur und Social Media und Kommunikationswissenschaftlerin Elisabeth Klaus zu „Pro Quote“.

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Eine Pressemitteilung der Bundesagentur für Arbeit diffamiert Inge Hannemann – und Frau Hannemann reagiert und stellt klar:

Bei allen Interviews, sei es Print, Radio oder TV oder auch auf dem Blog „altonabloggt“ hat Frau Hannemann sich klar und deutlich dazu geäußert, dass ihr sehr viele empathische, menschliche Kollegen persönlich bekannt seien und sie deren Arbeit unterstütze und schätze. Dabei habe sie alle Funktionen innerhalb der Jobcenter berücksichtigt. Zum Teil habe sie auch erwähnt, dass es ganze Jobcenter in Deutschland gäbe, die menschlich agieren und insbesondere diese herausgestellt.

Somit kann nicht einerseits von einer Herabwürdigung, Beleidung oder gar Gefahr gesprochen werden.

Eine Petition fordert die Rücknahme dieser abenteuerlichen Behauptungen.

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Interview mit der Kommunikationswissenschaftlerin Elisabeth Klaus zu „Pro Quote“:

Natürlich, JournalistInnen haben das Recht, ihre Interessen als ArbeitnehmerInnen und BürgerInnen zu vertreten. In diesem Fall kann man sogar sagen, dass die Journalistinnen aufgrund ihrer Wächterfunktion in der Demokratie die besondere Verantwortung haben, darauf hinzuweisen, dass Gleichberechtigung in der Gesellschaft zwar eingefordert wird, im Gegensatz dazu aber immer noch die wenigsten Chefposten mit Frauen besetzt sind.

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Schon lange im Fokus der taz: die Haasenburg, ein Kinderheim mit mehr als zweifelhaften Methoden, die einen unweigerlich an „Clockwork Orange“ erinnern (Triggerwarnung für Leute mit schlechter Heimerfahrung!):

Bei der „körperlichen Begrenzung“ der Kinder, werden in der Regel drei bis vier Mitarbeiter per Walkie-Talkie hinzugeholt und halten die Jugendlichen fest. Einer überkreuzt die Beine und drückt sie auf den Po, ein weiterer übernimmt jeweils einen Arm und wendet, wenn es nötig scheint, eine Handklemme an, bei der die Handgelenke geknickt werden, ein weiterer hält den Kopf zur Seite, um einen Zungenbiss zu vermeiden. So beschreibt es ein ehemaliger Mitarbeiter, der selbst diese Griffe ausgeführt hat.

Auch der Jugendheimforscher Christian Sachse findet die Zustände dort unzumutbar und vergleicht sie mit den Jugendheimen in der DDR:

Ein Großteil der Betroffenen ist schwer traumatisiert aus diesen Anstalten herausgekommen. Die Brechung des Willens ist zwar gelungen, aber nicht der Aufbau einer neuen Persönlichkeit. Das haben wir fast als Standardbild, wenn wir mit den Geschädigten sprechen.

Wie äußert sich das?

Die haben schwere Depressionen, Nichtigkeitsgefühle, ihr eigene Selbstwertschätzung ist auf null – und zwar dauerhaft. Ähnliche Folgen würde ich in diesem Heim der Haasenburg GmbH befürchten. Auch dort wird der Wille gebrochen. Es wird zu schweren Depressionen kommen und zur Unfähigkeit, mit normalen Lebenssvollzügen zurechtzukommen. Auch Beziehungsunfähigkeit muss befürchtet werden.

Und auch hier gibt es eine Petition.

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Lob und Kritik an #Waagnis vom Mädchenblog:

Nur halte ich es bei einer Aktion, bei der man eigentlich aus diesem Normierungs- und Meßkorsett Schema F des Diät- und „Schönheits“wahns ausbrechen will, für unerlässlich, daß man dann auch darauf achtet, dieses Schema wenigstens nicht gerade bei dieser Gelegenheit immer wieder zu reproduzieren!
Wenn ich drauf scheiß (oder es zumindest vorhabe), wie viel ich bei welcher Körpergröße wiege, wiegen werde oder gewogen habe – wieso muß ich der Welt dann genau das bitte auch noch bei einer Anti-Waagen-Aktion detailliert mitteilen?

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Wendelherz stellt nochmal fest: Diskriminierung passiert und ist nicht zu leugnen.

Wir haben jetzt. Menschen werden diskriminiert, weil sie die falschen Geschlechtsteile haben. In Situationen, in denen das überhaupt keine Rolle spielt. Menschen werden blöd angemacht, schlecht behandelt, sexuell belästigt, oder gar vergewaltigt oder misshandelt, nur weil diese Menschen Frauen sind.

Ich habe das alles erlebt. Ich bin jetzt 24.
Ich wurde anders behandelt, weil ich ein Mädchen war. Ich durfte vieles nicht, weil ich ein Mädchen war. Ich wurde ausgelacht, weil ich unkonventionelle Berufswünsche hatte. Ich wurde in Praktika zum Papieresortieren verdonnert, weil das das einzige sei, was Mädchen in Beruf X können. Ich wurde zum Scheisse wegputzen verdonnert, nachdem der Chef ordentlich kacken war, weil ich die weibliche Azubi war, war die unterste Putze, weil die besseren Azubiaufgaben “nur die Männer könnten”. Ich wurde geschlagen, getreten, bespuckt, beschimpft, ausgelacht, gegen meinen Willen angefasst, geküsst, missbraucht und vergewaltigt.

Und nicht nur ich. Jede Frau, die ich kenne, hat irgendwas davon schon erlebt. Oder mehrere dieser Dinge.

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Sascha Lobo kritisiert Marushas Lobeshymne auf Merkel in ihrem unfaßbar albernen Interview mit der „Welt“:

Die Welt: Aufgewachsen sind Sie in Griechenland. Fühlen sie sich als Griechin?

Marusha: Ich bin Deutscheuropäerin. In Griechenland bin ich niemandem begegnet, der Steuern gezahlt hätte. Die Töpfe fürs Gemeinwesen waren immer leer.

Die Wortschöpfung “Deutscheuropäer/in” ist aufschlussreich. Im Netz wird sie vor allem von Leuten verwendet, die sich nicht trauen, offen nationalistisch aufzutreten. Es folgt dann auch Chauvinismus der billigsten Sorte, niemand in Griechenland würde Steuern bezahlen. Allgemeingültigkeit, gewonnen aus dem eigenen Erleben als Kind vor dreißig Jahren, das ist nicht mehr nur Selbstgerechtigkeit, das ist schon Selbstgerechtigkeitswahn. So begründet ist sogar völlig egal, ob faktisch in Griechenland weniger Steuern gezahlt werden oder nicht (was ich nicht beurteilen kann). Denn das Problem ist, dass Marusha eine “selbst-schuld”-Konstruktion daraus bastelt, und zwar für die Durchschnittsgriechen, wenn sie von den Leuten spricht, denen sie begegnet ist. Dass Griechenland eine Art Erbkleptokratie war über lange Jahre, die Folgen einer Militärdiktatur, das blendet sie entspannt aus. Die Töpfe fürs Gemeinwesen übrigens – die sind immer überall leer. Deutschland hat seine letzten 235 Sozialreformen damit begründet, ebenso die Sparmaßnahmen, eigentlich die gesamte Politik. Töpfe fürs Gemeinwesen existieren nur leer. Oder noch schlimmer: man muss ständig Milliarden hineinpumpen, damit sie bloß leer bleiben und sich nicht mit finanzieller Antimaterie füllen.

Trotzdem cool:

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Kübra Gümüşay
über Social Media in der türkischen Debattenkultur:

Twitter und Facebook sind mittlerweile ein fester Bestandteil der türkischen Debattenkultur. Fast die Hälfte der türkischen Bevölkerung war im vergangenen Jahr online, mehr als 7,2 Millionen nutzen Twitter und mit über 30 Millionen Facebook-Nutzern gehört die Türkei zu den zehn am stärksten dort vertretenen Ländern weltweit – gleichauf mit Großbritannien.

Was auf Twitter passiert, wird meistens auch im Fernsehen und in der Zeitung Thema. In Nachrichten- und Unterhaltungssendungen werden Hashtags eingeblendet, über die sich Zuschauer austauschen und die Sendung kommentieren können. Immer wieder beginnen Kolumnisten ihre Texte mit den Worten “Letztens auf Twitter…”.

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Die Lehrerin Kate Ledger berichtet von besorgniserregenden Einstellungen von Jungs, was sexuelle Belästigung angeht – und wie man darauf reagieren kann:

Last week, I had two very nervous 12-year-old girls come to see me in my office. I thought it was going to be the usual ’so and so has been calling us names‘. No – this time, it was to tell me about how they had basically been molested in class by some of their male classmates, as part of a game called ‚Nervous‘. Now, I have since heard that this game has been around for a while; people in their twenties that I have shared this story with said that they suffered this when they were at school.

For those of you still blissfully unaware, the ‚game‘ is as follows: the boy sits next to or as near to the girl or girls as possible. He then trails his fingers up the girl’s leg whilst she is sitting, aiming to get as far up towards/under the skirt as possible. The moment the girl flinches, or speaks up, is her ‚Nervous‘ point. The boy who gets the highest is the ‚winner‘. So far, so disgusting.

Autismus & Gender, Anne Will und Abschied von der Waage

Anne Will, „You can touch my hair“, wegen Kopftuch vom Flohmarkt geworfen, Abschied von der Waage, Gulabi Gang, ehrliche Disney-Poster, Autismus & Gender und Sexismus im Literaturbetrieb.

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Maike hat sich ihrer Waage entledigt und ruft zur Revolution, zum „Waagnis“ auf, das Wiegegerät in die Wüste zu schicken:

Ich habe nach wie vor nicht mein ‘Wohlfühlgewicht’, aber ich bin mit mir ziemlich okay, solange ich einen bestimmten Wert auf der Waage nicht überschreite. Und genau hier liegt mein Problem: In den letzten Monaten passierte dies ständig. Und um dies zu kontrollieren, wog ich mich mittlerweile wieder jeden Tag. Erst nachdem am 13. Mai die Waage kaputt ging, fiel mir auf, dass ich dies oft sogar morgens und abends machte. Eine schrecklicher Zustand, von dem ich mich gerne befreien möchte. Ebenso wie von dem Druck, schlank sein zu müssen, um gesellschaftlich akzeptiert zu werden und begehrenswert zu sein. Mehrere Jahrzehnte falsche Sozialisation können mit Hilfe einer intellektuellen Herangehensweise leider nicht einfach so umgeschrieben werden. Stattdessen bedarf es eines liebevollen Blicks nicht nur für andere, sondern auch für mich selbst und neuer positiver Erfahrungen in einem Leben ohne oberflächliche Urteile – und ohne Waage.

Eigentlich bräuchte diese Aktion einen coolen Sticker, ähnlich dem von lookism.info!

Smash Scales

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Eine münchner Veranstalterin von Flohmärkten meinte, eine Kopftuchträgerin sei schlecht fürs Geschäft – und wirft sie kurzerhand raus:

Vor Beginn eines Basars in Pullach verdarb Beeg einer muslimischen Türkin die Premiere als Hobby-Händlerin, indem sie die Frau mit rüden Worten vom Platz scheuchte. Die nachgeschobene Begründung: Kopftuchträgerinnen hinterm Verkaufstresen seien schlecht fürs Geschäft.

Nur hatte die Basar-Organisatorin die Rechnung ohne das Publikum gemacht. Zeuginnen waren so empört, dass sie den Vorfall publik werden ließen. Unter anderem schrieben sie an den Leiter des kirchlichen Pater-Rupert-Mayer-Schulzentrums, Stefan Antoni.

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Die Bestsellerautorin und Kriegsfotografin Deborah Kogan kotzt sich über Sexismus im Literaturbetrieb aus:

Der Mangel an respektvoller Berichterstattung, die Titulierung als Schlampe und andere Beschimpfungen, die tussigen Buchcover und gegen meinen Willen durchgesetzte Titel, die meinem literarischen Anspruch zuwiderlaufen, haben mich zermürbt und mich alles hinterfragen lassen: meine Fähigkeiten, meine Zukunft, mein Leben. Das ist es, was der Sexismus am besten kann: Er sorgt dafür, dass man sich verrückt vorkommt, weil man nach Gleichheit strebt, und schließlich die Hoffnung aufgibt, sie je zu erreichen.

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Disney-Poster mal mit ehrlichen Aussagen:

Sarcastic Disney

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Die Anne Will-Talkshow „Gleiche Rechte für Homosexuelle – ist die Ehe nicht mehr heilig?“ war erwartungsgemäß oberflächlich – allerdings ist Malte Czarnetzki, ein Sohn lesbischer Mütter, ein absoluter Lichtblick (ich bin verliebt!) in der Diskussion. Und wer Freude daran hat, zuzuschauen, wie die Gegener der Gleichstellung sich selbst demontieren, wird von der Show auch nicht enttäuscht.

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G. L. Wild schreibt über Autismus und die Parallelen zu sexistischer Unterdrückung:

The oppressions facing individuals on the autistic spectrum intersect with the oppression of women in a number of ways: autistic communities are overwhelmingly male dominated due to the higher rate of diagnosis in men; medical research into the area has historically been focused on men to a greater extent than in other areas of psychiatry; higher expectations imposed on women to be nurturing, socially pleasing, and sexually available can increase pressure even further on girls. What is less often critiqued in public discourse is the effect that gender constructions within psychiatry have in impeding the understanding of autism and feeding into populist stereotyping.

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Racialicious nimmt das Phänomen unter die Lupe, warum gerade farbigen Frauen immer wieder ungefragt die Haare berührt werden:

I’m a woman with big hair who has had many a strange, uninvited hand in her head, and so my entire body and spirit reacted to this event. There is a special kind of violation that comes with someone putting their hands on you — any part of you — without your permission. When you’re at a club and someone puts his hand on your waist or the small of your back to get your attention. Or you’re at a work function and a happy-faced woman in a business suit sticks her hands in my hair. When someone has decided that their desire to touch you is more important than your interest in being touched, you don’t feel very much like a person. And being asked by a stranger for undeserved permission to touch part of me is exceedingly creepy

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Nishta Jain, eine indische Filmemacherin, begleitete die Gulabi Gang über den Aufstand indischer Landfrauen:

Bollywood-Filme, das sind die Schlimmsten. Sie preisen das Patriarchat! Und die TV-Seifenopern preisen es und verharmlosen Gewalt gegen Frauen. Alle Medien ziehen an einem Strang, Fernsehen, Nachrichten, egal. Also selbst wenn wir 400 000 sind, oder sagen wir sogar eine Million, wir haben immer noch eine Billion gegen uns. Das ist ein Problem. Die meisten Menschen in Indien sind gegen Sexualaufklärung, gegen gemischte Schulen. Das bringe die Kinder auf falsche Gedanken. In Indien heißt es: »Frauenprobleme müssen von Frauen gelöst werden.« An der Macht sind aber die Männer. sEs ist an der Zeit, dass die die Verantwortung übernehmen, dass es als ein allgemeines gesellschaftliches Problem anerkannt wird.