Archiv für Mai 2013

Gender und Rechtsextremismus, Zoe Saldana & Flip Gender!

Grüne fordert nach Frauen benannte Straßennamen in Wien, Gender & Rechtsextremismus, warum man keine gute Transfrau sein muß, Julia Häusermann gewinnt Alfred-Kerr-Preis, Flip Gender! und Kritik an Star Trek-Schauspielerin Zoe Saldana

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Den Alfred-Kerr-Preis gewinnt zum Finale des Berliner Theatertreffens Julia Häusermann, eine Bühnenkünstlerin mit Downsyndrom:

Denn Julia Häusermann, 1992 geboren, hatte ihre zweijährige Ausbildung beim Theater Hora in Zürich noch gar nicht beendet, als Jérôme Bel, Choreograf und Regisseur aus Frankreich, mit zehn Schauspielern seines Theaters das Stück „Disabled Theatre“ entwickelte. Sie ist unter jenen zehn, die sich in den ersten Szenen mit Namen, Beruf und ihrer Behinderung vorstellen, die kleinste und trotzigste.

Man weiß als Zuschauer nicht so recht, was von diesem rothaarigen Küken zu erwarten ist, das den Blick kaum bis zum Publikum heben kann. Bis es zu Bels Bitte kommt, jeder der zehn möge jetzt ein selbst gemachtes Tanzsolo zu selbst gewählter Musik zeigen. Da endlich darf der Vulkan, der in Julia Häusermann schlummert, zum Ausbruch kommen. Michael Jackson „They don’t care about us“ ist ihre Musik, markig greift sie sich in den Schritt, stampft, wirbelt und zeigt eine unerwartete Stärke und ein Selbstbewusstsein – der kann keiner blöd kommen.

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Kritik an Star Trek Actrice Zoe Saldanas Aussagen zu Race & Gender:

In an interview for the June issue of Allure Magazine, Zoe Saldana made this statement: 

“…to be an American or black or Latina, it’s arbitrary compared to our battles as women.” The strange logic in Saldana’s remarks above, however, lives in this line of establishing a hierarchy among struggles. That being a woman supercedes race and ethnic identities. If she identifies as woman first, perhaps it somehow erases the fact that she is brown, a blend of heritages that majority white Americans fail to comprehend. That brown is synonymous with something less, inferior to gender struggles. It’s as lightening rod for most feminists of color, certainly for us feminists of the African Diaspora, when such a hierarchy of oppressions is made. It’s why we of a certain generation opted for the term ‘womanist’ in lieu of ‘feminist,’ because it included the narrative of our struggles of having to navigate in this culture with multiple identities. Every day involves a very quick code/switching computation of what my body says in spaces where I’m the singularity–woman or black. I’m darker skinned too, so I don’t get the luxury in majority white spaces to turn off race until I open my mouth and the intonation of my words communicates educated, thoughtful, strength. It’s how we signal that we are not to be fucked with and that we are to be respected for the opinion we offer in professional worlds.

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Die Mädchenmannschaft startet eine Artikelserie zum Thema “Gender und Rechtsextremismus” :

Seit dem 06. Mai läuft nun der sogenannte “NSU-Prozess” gegen Beate Zschäpe sowie André E., Holger G., Carsten S. und Ralf Wohlleben. (Zu den UnterstützerInnen hat die Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung Informationen zusammengetragen.) Mit dem Beginn des Prozesses ging selbstredend auch die Berichterstattung weiter, die Beate Zschäpe vor allem hinsichtlich ihres Aussehens kommentierte (“Ihr langes Haar glänzt. Vermutlich war sie noch gestern beim Gefängnisfriseur.” FOCUS) oder sie als “Nazi-Braut” bezeichnete (BILD).

Zwei Beispiele von vielen die zeigen, dass die mediale Wahrnehmung von rechten Frauen immernoch bestimmt ist durch klare sexistische Stereotype. Dabei ist die Forschung zu dieser Thematik seit Jahren weiter.

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Flip Gender, flip ways of seeing: wer auf Bildern Frauen und Männer austauscht, kommt zu Ergebnissen wie diesem:

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Die Frauensprecherin der Grünen, Martina Wurzer, fordert Umbenennungen für Wiener Straßennamen nach Frauen:

Die Wiener Grünen kämpfen seit längerem für mehr weibliche Straßennamen. Von den etwa 4.100 nach Personen benannten Straßen erinnern derzeit nur 329 an Frauen. Ähnliches Bild, andere Stadt: In Linz erhielten von den 1131 benannten Verkehrsflächen, 539 ihre Namen nach konkreten Personen. Namenspatinnen sind nur 38 darunter. Auffällig ist, dass in der 25-jährigen Amtszeit von Bürgermeister Franz Dobusch (SPÖ) 72 Prozent der neu geschaffenen Verkehrsflächen nach Persönlichkeiten benannt wurden. Wenigstens im letzten Jahrzehnt wurde öfter an Frauen gedacht, der Anteil der Frauennamen stieg auf etwa ein Viertel.

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Warum man nicht unbedingt eine „gute“ Transfrau sein muß:

But you know what’s worse than being somebody’s idea of a bad tranny? Being somebody’s idea of a good tranny, an acceptable tranny.

Last fall I was at an event in a room full of professional acquaintances. A musician who I‘ve done some good work with came over to talk to me. This guy is a kind, thoughtful man who I trust. I‘ve known him for about two years.

„Vivian,“ he said, „it’s so nice to have you here. You always seem to happy and relaxed, and you‘re always so open about being trans.“

At this point I‘m smiling, enjoying a nice compliment. Then the horror began.

„All the other trans people I‘ve known are always so stressed out and unhappy, and are just so difficult. You do an amazing job of making people comfortable.“

And by then I was ready to leap on him to get him to be quiet. The only other trans person he knew, as far as I was aware, was standing a few yards away. I don‘t know if she heard that or not, but I really hope not.

Wrestlerinnen, „junge Mütter“ & rassistische Türsteher

Rassistische Türsteher, Abbau von Sinti-Gedenkstätte, Angelina Jolies Brust-OP, New Yorker Gender Expression Non-Discrimination Act, als „junge Mutter“ gelabelt, unsinnige Rezeptpflicht für die Pille danach, Wrestlerinnen und was Männer gegen Gewalt an Frauen tun können.

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Angelina Jolie macht eine für sie gesundheitlich sinnvolle OP und jeder gibt seinen Senf dazu. Weil sie damit am Unversehrtheitsmythos der perfekten Frau und Mutter kratzt:

Es geht um das Image von Angelina Jolie als der „perfekten Frau“. Jahrelang hat die Schauspielerin eine Aura von Hyper-Feminität umgeben und mit jeder privaten oder beruflichen Tat wurde diese Wahrnehmung in der Öffentlichkeit noch verfeinert. Jolie glänzte in jeder nur erdenklichen weiblichen Rolle, sei es als Vielfach-Mutter, als UN-Sonderbotschafterin, als verlässliche Partnerin, als kritische Regisseurin und natürlich auch als Sexsymbol in einer von celeb-bodies besessenen Medienkultur. Nun hat sich aber gezeigt, dass diese Superwoman auch etwas hat, das nicht perfekt ist: ihre Grundstruktur, ihre DNA. Ihre Reaktion darauf war, sich aus ihrem wunderschönen Körper das Weiblichste zu entfernen und es „künstlich“ rekonstruieren zu lassen.

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Hamado Dipama vom Ausländerbeirat in München hat bei 25 Clubs getestet, ob die Türsteher nach ethnischer Herkunft aussortieren – und will nun zehn Betreiber verklagen:

Wenn wir eine Lösung finden wollen, reicht es nicht, immer nur Gespräche zu führen. Dazu ein Beispiel: Kürzlich berichtete eine Zeitung über den Fall eines schwarzen Mannes, der nicht in einen Klub gekommen ist. Der Betreiber entschuldigte sich und wollte alles besser machen. Bei unserem Test aber findet sich genau der Klub wieder auf der Negativliste. Der Punkt ist: So etwas passiert immer wieder. Es ist schon so in den Köpfen verankert, dass ich immer wieder von anderen Ausländern höre: „So ist das eben in Deutschland.“ Wir müssen harte Schritte unternehmen, um gegen diese Form von Alltagsrassismus zu kämpfen.

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Rezeptpflicht für die Pille danach unbedingt abschaffen! Warum, legt Kleinerdrei noch mal dar:

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfielt zwar Untersuchung und Rezeptpflicht zu erhalten, um zu überprüfen, ob es Anzeichen für eine Gewaltproblematik gebe und zu verhindern, dass Frauen nach der Aushändigung des Arzneimittels in dieselbe Situation zurückgingen, in der der ungeschützte Geschlechtsverkehr stattgefunden habe. Das klingt für mich jedoch nach einem vorgeschobenen Grund. Eine transvaginale Ultraschalluntersuchung eignet sich nicht, um Gewalt festzustellen oder gar zu verhindern, eine erzwungene Ultraschalluntersuchung, um die Pille danach zu erhalten, ist eine zusätzliche Gewaltsituation (man spricht bei vaginaler Penetration gegen den eigenen Willen üblicherweise von Vergewaltigung) und nimmt einer von Gewalt betroffenen Person die Mündigkeit, selbst Gesprächszeitpunkt und -ort zu wählen, ganz abgesehen davon, dass es einer von häuslicher Gewalt betroffenen Person ganz sicher nicht hilft, wenn der Zugang zu schwangerschaftsverhütenden Medikamenten eingeschränkt ist. Nicht zuletzt steckt im Vorwurf, Frauen gingen bei Rezeptfreiheit der Pille nach zurück in Gewaltverhältnisse, eine ordentlich Portion Victim Blaming. Nicht cool, DGGG, nicht cool.

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Die Missy berichtet über Wrestlerinnen:

Auch wenn Frauen hier gleich behandelt werden wie Männer, „es war harte Arbeit, den Respekt von den anderen Wrestlern für Nikita zu bekommen“, erinnert sich Mike. Das Publikum mag Frauenmatches, zu viele sollen es dann aber doch bitte nicht sein. Auch mit frauenfeindlichen Publikumsrufen muss Nikita klarkommen. Für Nikita ist die GWF wie eine zweite Familie, eine feste Kette: „Ich habe viele große Brüder – und eine Schwester“. Es gibt viele verschiedene Religionen in dieser Familie, die Wrestler kommen aus Deutschland, Jugoslawien oder der Türkei. Mike, mit bürgerlichem Namen Hussein Chair, ist Moslem: „Mich hat der Islam dazu gebracht, mehr auf Menschen einzugehen. Als Trainer war es wichtig, mich mit den verschiedenen Religionen auszukennen, damit es in der Gruppe funktioniert“. Im Ring geht es um Arroganz und Feindschaft – Backstage um Toleranz und Freundschaft.

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“Wenn du mich noch einmal als junge Mutter und nicht als Journalistin bezeichnest, stehe ich auf und gehe”:

Ich habe seit eineinhalb Jahren diesen Reflex, der immer wieder der ganzen Welt zeigen muss, dass ich zwar Mutter bin, aber trotzdem noch voll und total und ganz und mit Leib und Leben einsetzbar sein kann für die 50- und mehr-Stunden-Arbeitswelt. Als ob das irgendetwas beweisen würde. Wenn ich nun laut von Teilzeit träume – und das mit dem Kind zusammenhängt, aber auch mit dem Rest meines Lebens, das seit zwei Jahren gefüllt ist mit so viel mehr als Lohnarbeit – , dann sehe ich das nachsichtige Nicken der anderen (btw wer seid ihr überhaupt, die ihr in meinen Gedanken nickt?): “Ja, jetzt sieht sie es. So leicht ist es eben nicht. Als Mutter muss man im Arbeitsleben zurückstecken. [Bekannt-beliebiges Blablabla einsetzen]“

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Daniel J. O‘Donnell findet deutliche Worte für den New Yorker Gender Expression Non-Discrimination Act (GENDA):

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Sacchi Patel nennt 10 Arten
, wie Männer Gewalt gegen Frauen beenden können.

If it isn’t clear yet, violence against women directly hurts men, too. We are trained to allow our bodies to be tools to perpetuate cycles of violence and contribute to a system that not only remains silent about, but actually celebrates and makes games out of killing women. Living in a culture of violence produces men and boys who can’t express real emotions other than anger, stripping us of the full potential of our humanity.

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In Wiesbaden wird klammheimlich eine Sinti-Gedenkstätte abgebaut und hinterher verleugnet:

Bis Februar war die Gedenkstätte, die seit sieben Jahren existierte, einer von etwa hundert Orten, die das Dokumentationszentrum der Sinti und Roma in Heidelberg auf seiner Website vorstellt. Doch seit Kurzem ist der Eintrag gelöscht. Darum gebeten hat das Landesschulamt in Wiesbaden mit einem Schreiben vom 7. Februar 2013. Die Gedenkstätte gebe es nicht mehr.

Es war eine kleine Glasvitrine mit Fotos von Maria und ihrer Familie, die in der Eingangshalle der Schule hing. Sie erzählte von Maria Theresias Schicksal. Sie wurde am 16. Mai 1940 mit elf Jahren von den Nazis aus Kostheim verschleppt.

Fragwürdige Ermittlungen gegen Teresa Z., Geschlechtsselektion & Menstruationstabu

Transfrau darf Freund heiraten, Auskunfts“pflicht“ für Feminist_innen, fragwürdige Ermittlungen im Fall Teresa Z., wie das Menstruationstabu weltweit Frauen schadet, Kunst von Alice Gardner-Bates, pränatale Geschlechtsselektion und die Folgen für Frauen, Protest gegen Barbies Dreamhouse, Rezeption von LGBT-Inhalten in Medien, Anti Gay Violence, Interview mit Jasmin Mittag und warum Germany’s Next Topmodel kein pädagogischer Wert zugesprochen werden kann.

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Im Fall Teresa Z., die vor Monaten von einem Polizisten krankenhausreif geschlagen wurde, scheint nicht Aufklärung der Faustschläge im Mittelpunkt zu stehen, stattdessen wird intensiv gegen die Geschädigte ermittelt:

Dabei interessiert sich die Polizei intensiv für das Leben und die Privatsphäre des Opfers Teresa Z.: Kurz nachdem ihr Handy sichergestellt worden war, wurde ein Bekannter von ihr wegen Drogenbesitzes festgenommen. Er kam in Untersuchungshaft und erhielt nach SZ-Informationen Aussicht auf Freilassung, wenn er Komplizen benenne. Die Fahnder und Staatsanwälte schienen weniger interessiert daran, woher der 30-jährige Münchner die Drogen bezogen hatte, sondern vielmehr daran, an wen er sie verkaufen wollte. Genau genommen schien sich ihr Interesse vor allem auf eine Bekannte zu konzentrieren: Teresa Z.

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Antje Schrupp bloggt über Geschlechtsselektion und weibliche Freiheit:

Es sind vor allem die modernen, an westlichem Lebensstil orientierten Mittel- und Oberschichtsfamilien, die Geschlechtsselektion betreiben, und keineswegs die „einfachen Leute“. Zwar stimmt es, dass viele Kulturen traditionsgemäß dem männlichen „Stammhalter“ einer Familie großen Wert beimessen, aber solange Paare vier, fünf oder sechs Kinder haben, ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ohnehin mindestens ein Junge dabei. Es gibt keinen Grund für vorgeburtliche Geschlechtselektion. Der Wunsch nach gezielter Abtreibung weiblicher Föten entsteht erst dann, wenn die Zahl der Kinder auf eins oder zwei pro Familie beschränkt werden soll oder muss.

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Ninia LaGrande interviewt Jasmin Mittag von der Kampage „Wer braucht Feminismus?“:

Ich bringe den alltäglichen Sexismus, den wir hier alle erleben, stark mit der globalen Benachteiligung und Mißhandlung von verschiedenen Personengruppen und insbesondere von Frauen in Verbindung, sehe Sexismus also vor allem als sogenannte Spitze des Eisbergs.

Gesondert benennen würde ich die allgemeine gesellschaftliche Atmosphäre und die persönlichen Erfahrungen: Also, einmal, die strukturelle Benachteiligung von Frauen, die uns schon als Mädchen spüren lässt, dass wir nur besonders wertvoll sind, solange wir jung und attraktiv und gefällig u.ä. sind und potentiell sexuellen Gefahren ausgesetzt. Und dann konkrete Erlebnisse wie eben persönliche Belästigung, Anmache und Übergriffe.

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Stevie Schmiedel weist darauf hin, wie lächerlich es ist, Germany’s Next Topmodel einen pädagogischen Wert beimessen zu wollen:

Ein paar Tage zuvor lief auf Deutschlandradio die Talkshow-Sendung Lebenszeit, das Thema war Germanys Next Topmodel. Achim Hackenberg unterbricht ähnliche wütende Aussagen von Zuhörern, die bei der Sendung anrufen, wiederholt mit dem Einwand, er müsse doch wirklich bitten, nicht zu übersehen, dass diese Show nur unsere Gesellschaft wiederspiegelt. Es wäre ja furchtbar, wenn wir ihr die Macht zubilligen würden, diese selber zu kreieren. Es sei der Konkurrenzdruck in der Gesellschaft, der hier aufgegriffen und deshalb auch begeistert beobachtet werde. Herr Hackenberg kennt sich aus: Er ist Pädagoge. Und Medienberater, tätig in der FSF, der freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen. Interesse also klar. Kulturwissenschaftlerin Miriam Stehling, die über Topmodel promoviert hat, unterstützt ihn: Es wird bei Topmodel ja auch soziales Verhalten trainiert. Durch die ausgetragenen Zickenkriege lernen Mädchen, wie man sich verhält, und wie nicht. Ah, wie gut, dass es Topmodel gibt!

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Das Mädchenblog stellt noch mal klar, daß der Prostest gegen das Barbie Dreamhouse keineswegs eine theoretische Grundsatzdebatte ist:

Wenn die NPD immer mehr BDM-artige Ferienlager organisiert, wird auch protestiert. Zu Recht. Weil man es nicht gut findet, wenn Kinder mit Werten indoktriniert werden, die man – gelinde gesagt – zutiefst mißbilligt. Weil man keine folgende Generation will, die sich in eine derart verkehrte Richtung entwickelt.
Und da trifft man mit seinem Protest auch auf breites Verständnis.

Aber wenn gegen das „Barbie Dreamhouse“ protestiert wird, gilt das als übertrieben. Die übliche Beschwichtigung „ist doch nur nicht ernstzunehmender Spaß“ taucht unvermeidbar auf. Und der immer noch allerorts tief verankerte Sexismus tut sein übriges (denn „ist doch auch wirklich so, daß alle Frauen/Mädchen von einem begehbaren Kleiderschrank und einer unendlichen Schuhsammlung träumen“ usw.,… Danke Mario Barth…).

Aber trotzdem (oder gerade deswegen!) sollte sich jede_r ehrlich fragen: wollen wir unsere Kinder, unsere zukünftige Generation wirklich so haben?

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Meg Davis teilt ihre Anti Gay Violence-Geschichte
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I was a freshman in high school; I had not been fifteen for more than a couple of weeks. My girlfriend and I had only just emerged from a tumultuous year-and-a-half long period during which we had both come out, found ourselves the targets of vicious anti-gay bullying, and she battled self-harm and suicidal thoughts while I struggled to understand my place in the larger LGBT community. By February 2011, things had started to look up for us. T. was in a much better emotional state, I was in the process of developing what would become the Rainbow Vigil (the precursor to the Week of Action), and the two of us had begun to explore our relationship in new and exciting ways. I had not yet shared with my family that I was in a relationship, so at night, I would sneak out of the house to go and visit with her. Her neighborhood was not too far from mine and I had walked there on my own many times in the past. The night I was attacked, I had no reason to believe I would be the victim of anything.

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Wie die Darstellung von LGBT-Inhalten in Medien helfen können, sich der eigenen sexuellen Identität bewußt zu werden:

Die Rezeption von gay Inhalten in den Medien, Gespräche und Begegnungen mit LGBTQ* Freund_innen und Veranstaltungen waren auch für mich ein Teil von meinem Coming Out-Prozess. Ich hatte quasi schon immer gewusst, dass ich auch auf Frauen* stehe. Aber irgendwann bekamen diese Inhalte eine neue Bedeutung für mich. Ich wusste nicht, ob ich sie anderen zeigen und mit ihnen teilen sollte, da sie sich so verwirrend wichtig und geladen anfühlten. Offensichtlich ist die Sichtbarkeit von LGBTQ*-Themen und Menschen wichtig, damit Leute sich – auch für sich selber – outen können!

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Alice Gardner-Bates
– exploring women, identity, objectification and power:

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Einer Transfrau aus Hongkong ist es nun erlaubt, ihren Freund zu heiraten – jetzt müssen die Gesetze geändert werden:

Es sei falsch, lediglich „bei Geburt festgelegte biologische Merkmale“ zu berücksichtigen, hieß es in dem Urteil. Die derzeit gültigen Ehegesetze in Hongkong beschnitten das Recht der Frau zu heiraten, beklagten die RichterInnen. Die Stadt hat nun zwölf Monate Zeit, die Regelungen zu ändern.

Die transgender Frau, die nur als W. bekannt und etwa dreißig Jahre alt ist, zeigte sich in einer Stellungnahme nach dem Urteil „sehr glücklich“. Die Entscheidung sei „ein Sieg für alle Frauen in Hongkong“, hieß es in der Mitteilung, die von W.s Anwalt verlesen wurde. Der Jurist sprach von einer „historischen Entscheidung“ für die Rechte sexueller Minderheiten.

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Sayantani DasGupta fordert: kein Menstruationstabu mehr, also laßt uns darüber sprechen:

But the availability of sanitary supplies as a women’s human rights issue is not simply confined to the Global South. It is similarly an issue of justice among women who are incarcerated in the U.S. Due to budget cuts in California, for instance, prisons have rationed incarcerated women’s toothpaste and soap as well as sanitary supplies, leading women to engage in prostitution in exchange for basic hygiene goods. In other U.S. prisons, women must buy pads and tampons from the prison commissary. Women without outside friends or family who can send them cash have to do without. In one facility, women who got creative and made tampons with (also rationed) toilet paper had these items taken away. Three pads per month? Doesn’t seem adequate or hygienic to me.

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Frau Dingens verdeutlicht, warum Feminist_innen nicht die Pflicht haben, allen Dahergelaufenen die Welt zu erklären:

Nur weil manche Menschen zufällig in der privilegierten Position sitzen, von feministischen Themen nicht berührt zu werden, gibt es ihnen nicht das Recht an meiner Meinung. Meiner Zeit. Meiner Leidenschaft.

Die Verfügbarmachung von Frauen ist weltweites Muster – körperlich, seelisch, emotional. Immerzu müssen Frauen verfügbar sein. Schön sein. Nett sein. Adrett sein. Intelligent argumentieren. Ihr Meinung begründen. Männer (und Frauen) überzeugen.

Respekt wird an Argumente gebunden: Wenn du mich nicht überzeugen kannst, dann respektiere ich dich auch nicht. Wenn du mir keine Zeit widmest, darf ich dich beschimpfen.

Lächelzwang, Schönheitsmythos & die Orsons zu Gast bei den JuSos

Talent hat kein Gender, die Orsons auf Falken-/JuSo-Festival, Anne Wizorec beim Freitag, Schönheitsnormen, Katharina Nocun, Lächelzwang und Jungfräulichkeit.

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Die Falken/JuSos haben kein Problem damit, die Orsons, eine Band mit transphoben/sexistischen/antisemitischen Lyrics zu ihrem „Worker’s Youth“-Festival einzuladen:

Dazu bleibt ei­gent­lich nur zu sagen: Ich hab nichts prin­zi­pi­ell gegen Humor. Nur ist Se­xis­mus nicht lus­tig. Ge­nau­so wenig wie Trans­pho­bie, se­xua­li­sier­te Ge­walt und An­ti­se­mi­tis­mus.

Wovon ich ei­gent­lich rede? Davon, dass eine grot­te­nolm-​schlech­te Band wie “Die Or­sons” fet­ten in­halt­li­chen Müll ab­son­dern darf ohne große Kon­se­quen­zen. Ach doch, Kon­se­quen­zen gibt es: Er­folg. Im­mer­hin ist die Pa­let­te der an­ste­hen­den Gigs recht bunt: Vom “Wor­kers Youth Fes­ti­val” der Fal­ken und Jusos bin hin zum Rock am Ring.

Das Musik und vor allem Rap zum Groß­teil dar­aus be­steht, dass von ihrer Männ­lich­keit sehr über­zeug­te Cis­Män­ner Texte aus männ­li­cher Per­spek­ti­ve an einen ima­gi­nier­ten männ­li­chen Zu­hö­rer rich­ten (und dann trotz­dem auch von Frau­en ge­hört wer­den, aber das ist ein an­de­res Thema) ist man ja schon ge­wöhnt, aber die Or­sons schaf­fen es doch noch ein ne­ga­ti­ves High­light zu sein. Und trotz­dem: Öf­fent­li­che Kri­tik: Fehl­an­zei­ge. Kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung in Re­zen­sio­nen: Nö.

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The Sin City Siren teilt über Schönheitsmythen und Fat Shaming aus:

We can set our own agenda. We, the “fat,” un- “cool” kids can be our own arbiters of fashion and beauty. Because I gotta tell you, I have found a kind of body acceptance and self-appreciation now as a 36-year-old mom than I have ever had. Sure, I was thinner in high school. I had less wrinkles in my 20s. My stomach was without scars from surgeries five years ago. But whenever I see pictures of myself from high school and college, what I notice more than anything is the sadness in my eyes and the anger in my jaw. I was so weighed down, not by pounds you could see but by the invisible weight of so much heartache and emotional battle wounds of a difficult childhood not yet processed and healed. Sure, my forehead is a bit more creased now and there are more and more silver streaks in my hair these days, but when I look in the mirror, I see the happiness in my face and that is beautiful no matter what anyone else says. And I’ll tell you what, I have never gotten so many compliments on how I look as I have in the past year. Happiness is the best beauty product, the best fashion, you can ever have. So, I’ll keep rocking my size-14 ass. Mr. Jeffries might call me fat, but I know better. I’m a sexy mother-fucker.

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High on Clichés regt sich darüber auf, daß Frauen ständig zum Lächeln aufgefordert werden:

Jetzt frage ich mich: Wie kann es passieren, dass ein wildfremder Mann* (oder auch mein Mitstudent, den ich seit diesem Tag eher meide), es für angemessen hält mich dazu aufzufordern, mir eine andere Emotion aufs Gesicht zu pflastern? Wie kann man so völlig selbstzentriert sein, dass man anderen Menschen vorschreibt, welche Gefühle sie zeigen dürfen? Gehe ich bald auf den Rummel und sag dem Verkäufer am Riesenrad, dass er mehr Enthusiasmus (Begeisterung) zeigen soll? Sage ich meinem Zahnarzt, nicht immer so verbissen dreinzusehen, wenn er die Geräte auswählt?

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Warum es nicht nur altmodisch, sondern direkt schädigend für Frauen/Mädchen ist, wenn man ihren Wert an ihrer Jungfräulichkeit mißt, erklärt Jill Filipovic im Guardian:

Where does a woman’s value lie? In her brain? Her heart? Her spirit?

According to right-wing culture warriors, „between her legs“. That’s what underlies the emphasis on virginity as „purity“, and the push for abstinence-only education. And it has very real consequences, most recently articulated by Elizabeth Smart.

Smart, who was kidnapped and held for months while her captor repeatedly raped her, recently discussed how her religious background made her feel worthless after the first rape – how she understands why others wouldn‘t even try to escape, if, like her, they were taught that a sexually „impure“ woman had nothing to offer.

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In einem Interview mit dem Freitag streicht Anne Wizorek noch mal heraus, warum Feminismus alle angeht:

Das ist das Problem von Alltagssexismus. Er ist allgegenwärtig und wird doch unsichtbar gemacht. Die Debatte war unfassbar anstrengend, weil immer wieder behauptet wurde, es handele sich doch nur um Kleinigkeiten – gerade was die Belästigungen auf der Straße angeht. So etwas türmt sich auch auf. Irgendwann ist der Kanal voll.

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Die Netzaktivistin Katharina Nocun ist neue Geschäftsführerin der Piraten:

„Ich möchte von niemandem mehr hören, dass wir diese Bundestagswahl nicht wuppen werde“, rief die 26-Jährige nach ihrer Wahl in den Saal. Sie selbst sei jedenfalls „hochgradig motiviert“. In ihrer Bewerbungsrede hatte sie die Piraten als „die politische Kraft des Kommunikationszeitalters“ beworben und ihre Parteifreunde aufgefordert, sie müssten sich jetzt „verdammt nochmal“ zusammenreißen, um den Einzug in den Bundestag noch hinzubekommen. Dafür gab es donnernden Applaus aus dem Saal.

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Der indische Filmemacher Karan Johar ist genervt, ständig darauf angesprochen zu werden, daß er mit Sonam Nair für seinen neuen Film ausgerechnet einen weiblichen Regisseur beschäftigt und findet, Talent ist wichtiger als das Geschlecht:

„Talent does not have a gender at all and it should not have a gender. Sonam Nair is a very talented young girl. It does not matter that she is a girl, she is very talented director,“ Karan told reporters here.
(…)
„Only in our country we make such differences like, ‚Oh, first time you are working with a female director‘….I have been asked this question a lot. I think she (Sonam Nair) is very talented and talent should not have a gender,“ said the 41-year-old.

Zweigeschlechtlichkeit & Rape Culture, Antifa & Feminismus und eine Lobrede auf die digitale Jugend

Feminismus & Antifa, Brav_a #2 bereit zum Download, wie Zweigeschlechtlichkeit Rape Culture fördert, Jüdischer Weltkongreß verlangt Verbot von Naziparteien, die Frage nach dem eigenen Begehren, ein Loblied auf die digitale Jugend, wie der Kinderwunsch die Beziehung von Vätern zu ihren Teenagerkindern prägt und Gedenken an den 8. Mai als Befreiungstag.

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Im Mädchenblog wird versucht, zu analysieren, wie die Fokussierung auf Zweigeschlechtlichkeit die Rape Culture aus der Mitte der Gesellschaft fördert :

Vergewaltiger kommen aus der Mitte der Gesellschaft, sind normale Menschen. „Normal“ in dem Sinne, daß sie einer Norm folgen, die in unserer patriarchalen Gesellschaft ganz selbstverständlich ist: die Einbildung, seine Männlichkeit dadurch definieren zu müssen, daß man Frauen abwertet, um sich selbst als Mann aufzuwerten. Frauen nicht als Menschen zu sehen, sondern als Objekte, die zur eigenen Triebbefriedigung da sind. Die Einbildung, daß man das Recht hätte, Frauen nach Belieben zu benutzen.

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Die zweite Ausgabe der brav_a gibt’s jetzt als Download:

Brav_a #2

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Im n+1 mag fragt sich Emily Witt in einem interessanten Essay, was sie eigentlich von Sex erwartet, wo ihr Begehren liegt:

I had made no conscious decision to be single, but love is rare and it is frequently unreciprocated. Because of this, people around me continued to view love as a sort of messianic event, and my friends expressed a religious belief that it would arrive for me one day, as if love was something the universe owed to each of us, which no human could escape. I had known love, but having known love I knew how powerless I was to instigate it or ensure its duration. Whether love was going to arrive or not, I could not suspend my life in the expectation of its arrival. So, back in New York, I was single, but only very rarely would more than a few weeks pass without some kind of sexual encounter.

What even to call these relationships? Most of my friends had slept with one another and I had slept with many friends, too. Sometimes years separated sexual encounters. Things thought buried in the past would cycle around again, this time with less anxiety and greater clarity, in a fluid manner that occasionally imploded in horrible displays of pain or temporary insanity, but which for the most part functioned smoothly. We were souls flitting through limbo, piling up against one another like dried leaves, circling around, awaiting the messiah.

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Je bewußter der Kinderwunsch vorhanden, desto engagierter die Beziehung von Vätern zu ihren Teeniekindern:

Für die Beziehung zu ihren Kindern scheint der frühere Kinderwunsch der Väter eine massgebliche Rolle zu spielen. Je bewusster sich dieser damals geäussert hat, desto klarer haben die Väter heute eine Vorstellung von ihrem Verhältnis zum Kind.

Solche «äquivalenten Väter» nehmen dabei auch eher damit verbundene Mühen und Einschränkungen auf sich, zum Beispiel eine langsamere Karriereentwicklung. Zudem sehen sie die Teenager stärker als individuelles Gegenüber als etwa die von der Autorin ebenfalls beschriebenen «supplementären Väter» und «Satellitenväter».

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Spreeblick bricht eine Lanze für die digitale Jugend:

Die Generation der digital Aufwachsenden
Ist die erste Generation,
die vielleicht unbewusst,
aber völlig selbständig
die Zeichen der Zeit erkennt
und die Zügel in die Hand nimmt.
Die sich selbst ausbildet.
Freiwillig.
In ihrer Freizeit.
Ohne die Hilfe und sogar gegen den Widerstand derer,
die sie auf ihr zukünftiges Leben vorbereiten sollen.
Die sagen:
Dieser Generation fehlt die Tugend.

Wir sagen:
Applaus für diese Jugend!

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Die Mädchenmannschaft feiert den 8. Mai, den Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus:

Für Antifaschist_innen war schon immer klar, dass der Tag der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands Befreiung bedeutet(e); Eingang in einen breiteren gesellschaftlichen Diskurs fand die Idee der Befreiung vom Nationalsozialismus (und nicht einer zu betrauernden nationalkollektiven Niederlage) allerdings erst mit der Rede des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker im Jahr 1985.

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Der Jüdische Weltkongreß verlangt ein europaweites Verbot rechtsextremer Parteien:

Zum Abschluss seiner Jahrestagung hat der Jüdische Weltkongress (WJC) die Regierungen in Europa zum Verbot rechtsextremistischer Parteien gedrängt. Die Staaten sollten erwägen, Neonazi-Parteien und Organisationen zu untersagen, die die demokratische Ordnung stürzen wollten und Minderheiten bedrohten, erklärte der WJC in Budapest.

Der WJC nannte in seinem Bericht „Der Aufstieg des Neonazismus im politischen Parteiensystem“ drei Beispiele rechtsextremer Parteien: die deutsche NPD, die rechtsextreme ungarische Parlamentspartei Jobbik (Die Besseren) und die ultranationalistische Partei Goldene Morgenröte in Griechenland.

Der antisemitische Diskurs, der aggressive Chauvinismus und die anti-kapitalistische und anti-sozialistische Rhetorik dieser politischen Organisationen wiesen starke Gemeinsamkeiten mit der Ideologie der nationalsozialistischen NSDAP auf, sagte der Autor des Berichts, der Brite Robin Shepherd. „Deshalb ist die Bezeichnung Neonazi-Parteien angebracht.“

Neben einem Verbot empfiehlt der Bericht, diese Parteien zu isolieren. Vertreter der demokratischen Kräfte sollten sich strikt weigern, mit Personen aus diesen Parteien bei öffentlichen Ereignissen zusammenzutreffen oder privaten Umgang mit ihnen zu pflegen.

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Wie funktioniert Feminismus plus Antifa? Die Junge Welt rezensiert das Buch »Fantifa – Feministische Perspektiven antifaschistischer Politik«:

Antifa ist der Kampf ums Ganze«, ertönt es immer wieder vollmundig aus der autonomen Bewegung. Doch wie paßt dies mit einer Szene zusammen, die in aller Regel ziemlich männlich, weiß, heterosexuell und akademisch zusammengesetzt ist? Ein dieser Tage erschienenes Buch »Fantifa – Feministische Perspektiven antifaschistischer Politik« macht fundiert deutlich, wie die herrschenden Geschlechterverhältnisse auch die radikale Linke durchdringen und welche Antworten Feministinnen gegen Sexismus in ihren Strukturen parat haben.