Gewalt gegen Männer, Chemo-WG & Patti Smith

Drohnen gegen Sprayer, Maskulistentrolle, politische Bildung nur noch auf deutsch, häusliche Gewalt gegen Männer, Belästigung im öffentlichen Raum, Chemo-WG, Vergewaltigungsanzeigen, Patti Smith, Kritik an Menschenhandelsstudie & „Lemmy, I‘m a feminist!“

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Inklusion sieht anders aus: da wird immer so getan, als würden die ach so bösen Migrant_innen sich nicht ums Verrecken in „die deutsche Gesellschaft“ integrieren wollen – und gleichzeitig legt man ihnen Steine in den Weg, um sie aus eben dieser Gesellschaft rauszudrängen. Ein besonderes Gschmäckle hat das, wenn es um politische Teilhabe geht – das Innenministerium will keine mehrsprachigen Wahlfibeln mehr rausgeben; politische Bildung gibt’s nur noch auf Deutsch:

Die Grüne Cramon verweist auf die unterdurchschnittliche Wahlbeteiligung der Migranten und wirft Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) „borniertes, provinzielles Denken“ vor. „Natürlich haben eingebürgerte Deutsche gute deutsche Sprachkenntnisse“, räumt sie ein. Dennoch halte sie es „für extrem sinnvoll, über das komplizierte deutsche Wahlsystem in den Muttersprachen zu informieren – denn nur das, was ich genau verstehe, kann ich auch unterstützen“.

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Kritik an der in der Presse vielzitierten Studie, die von liberalen Prostitutionsgesetzen auf einen Anstieg beim Menschenhandel schließen:

Auch der Heidelberger Wissenschaftler und seine KollegInnen sehen die Datenlage problematisch: für ihre statistische Querschnittsanalyse werteten sie einen Bericht der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2006 aus. Der „Report on Trafficking in Persons: Global Patterns“ trägt Daten von 113 internationalen Organisationen sowie Regierungs- und Nicht-Regierungsorganisationen, Forschungseinrichtungen und den Medien zum Menschenhandel in 161 Ländern zusammen. Kritik an der Datenlage der Studie übte auch LEFÖ-IBF: Die lückenhafte Datenlage schränke die Aussagekraft enorm ein, hieß es. Um Aussagen über den Zusammenhang von liberalen Prostitutionsgesetzen und Menschenhandel treffen zu können, müsste eine Panelstudie durchgeführt werden, die unterschiedliche Zeitpunkte – etwa vor und nach Einführung eines Prostitutionsverbots – berücksichtigt, erläuterte die Opferschutzeinrichtung für Betroffene von Frauenhandel.

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Belästigung im öffentlichen Raum – Ninia LaGrande informiert darüber, was man alles tun kann:

Was kann ich tun, wenn ich als Mitfahrer/in oder Anwesende/r eine schwierige Situation miterlebe? Nur die wenigsten trauen sich, alleine zwischen Täter und Opfer zu gehen. Ich würde mich das, allein schon aus körperlichen Gründen, selbst auch niemals trauen. Was aber jede/r machen kann: Mitmenschen mobilisieren. Aufstehen und Menschen direkt ansprechen. Nicht sagen: „Da muss doch jemand was machen!“ Sondern auf Menschen zugehen und sagen: „Du und du und du! Ihr helft mir jetzt, wir gehen gemeinsam dazwischen.“ Gemeinsam zwischen Opfer und Täter stellen und verbal (!) auf die Täter einwirken. Währenddessen kann eine/r direkt aus der Situation heraus die 110 wählen und schildern, was passiert. Sollte es tatsächlich sehr brenzlig werden, gibt es außerdem die Möglichkeit, die Notbremse zu ziehen. Lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig. Wenn das Opfer dies möchte, begleitet es bis zur Ziel- oder Endhaltestelle, bleibt als Gruppe zusammen und merkt euch so viele Details wie möglich.

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Das Mädchenblog
verweist auf ein geniales Video von Half Girl, in dem Julie Miess ausruft: Lemmy, I‘m a feminist!

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Der Guardian bringt ein Porträt der unvergleichlichen Patti Smith<3:

Then there was the way she announced her presence in the first line of the first song on Horses: „Jesus died for somebody’s sins, but not mine.“ She was such an iconoclast that she didn‘t even obey the newly formed rules of punk – rather than two-minute revolts against all that had gone before, Horses climaxed with a 10-minute, stream-of-consciousness tribute to the protagonist of a William Burroughs novel. She happily talked of herself in the same breath as Rimbaud, Whitman and Dylan.

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Und gleich nochmal Patti Smith-Coolness:

Patti

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Wir wußten es irgendwie schon immer – die Wahrheit über Maskulistentrolle ist, daß sie einfach nur traurige Leute mit zu viel Zeit sind, die nichts beizutragen haben:

I am not a prolific feminist writer, by any means, but I‘ve already experienced rape threats, death threats, and I have to wade through the daily fodder of sexist epithets and condescending remarks about how stupid I am. No wonder so few women speak out when this is what awaits them. I bet there are scores of young women who want to speak out, who want to fight for feminist values, but are too scared to do so because of the backlash they will face every day. I wish I could tell them that it wasn‘t this way, but the continual flood of anti-feminist trolls proves otherwise.

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Eindringlicher Bericht auf Don‘t degrade Debs, Darling!, über den Versuch, eine Vergewaltigung anzuzeigen (Triggerwarnung!):

Mein Hals krächzt „ich möchte eine anzeige machen“. Der Pförtner: „Kommen sie morgen wieder.“ Ich starre ihn an. Traue meinen Ohren nicht. Spüre den Boden unter meinen Füßen nicht mehr. Kann nicht atmen. Aber auch nicht weinen – gott sei dank. Ich starre ihn weiter an. „Aber ich möchte eine Anzeige machen.“. Ich weiß nicht was ich tun soll. „Ne, da müssen sie in den Abschnitt, hier ist maximal bis 15.00“ 15.02 ist es und ich bin immernoch wie festgewachsen. „Aber wo muss ich denn dann hin?“ „Worum geht‘s denn? Nur so‘n Stichwort.“ Nur ein Stichwort… Stichworte sind Randnotizen, klein. Vergewaltigung ist kein Stichwort. Mir würde kaum ein Wort einfallen, dass weniger ein Stichwort ist. „Vergewaltigung“ Ich kann es selbst kaum hören. „Wie bitte?“ „Vergewaltigung!“ jetzt sind sie da, die Tränen… „Jetzt gerade? Oder schon länger her?“ Er mustert mich und ich habe das Gefühl meine Knie geben gleich nach. „Länger her“ presse ich aus mir raus. „Dann tut‘s mir leid. Müssen sie morgen wieder kommen. Anzeige können sie wenn‘s länger her ist nur zwischen 9.00 und 15.00 machen. Naja lieber 14.00. Wenn die Beamten mal früher gehen.“

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Wegen ihrer Krebserkrankung mußte Friederike Kaup wieder zu ihren Eltern ziehen – nun will sie aber eine WG für Krebskranke gründen, um der Eigenständigkeit und gegenseitiger Unterstützung willen:

Jetzt, wo es der Soziologie-Studentin wieder besser geht, entwickelt sie in Koblenz genau das, was sie damals so dringend gesucht hat. Eine Wohngemeinschaft für junge Menschen mit besonderen Bedürfnissen: die Chemo-WG.

Dort sollen drei bis vier Patienten zusammenwohnen. „Andere Krebspatienten können viel besser nachvollziehen, was man während einer Chemotherapie erleiden muss“, sagt Friederike. Doch für Erkrankte in Friederikes Alter gibt es kaum spezielle Angebote, das Gesundheitssystem unterstützt vor allem alte Menschen und Kinder. Für die Kinderkrebshilfe gelten Anfang Zwanzigjährige nicht mehr als Kinder. Dabei kommt die Erkrankung bei jungen Erwachsenen in einer Phase, in der sie gerade erst gelernt haben, einigermaßen selbstständig zu leben.

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Willkommen bei George Orwell! Die Deutsche Bahn will mit Mini-Drohnen aufrüsten, um gemeingefährliche Graffity-Sprayer aus der Luft zu verfolgen:

In einer Höhe von rund 150 Metern soll die Drohne fast geräuschlos auf Abstellgleisen und Güterbahnhöfen nach Sprayern suchen: „Überall dort, wo die Sprayer besonders aktiv sind“, so Voß. Wo genau der Mini-Helikopter eingesetzt werden soll, ist noch geheim: „Das soll ein Überraschungseffekt sein.“ Klar ist aber, dass die Bahn die Drohne aus Datenschutzgründen nur im Luftraum auf ihrem eigenen Gelände einsetzen wird.

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Laut einer Studie des Robert Koch Instituts geht häusliche Gewalt öfter von Frauen aus:

„Gewalt ist nicht ausschließlich eine Erfahrung von Frauen“, sagt Hölling. „Uns haben die Ergebnisse überrascht.“ Der Befund: Frauen sind „häufiger als Männer Ausübende körperlicher Partnergewalt, aber auch Ausübende von Gewalt gegenüber sonstigen Familienmitgliedern“.

Konkret war etwa nach Schlägen, Ohrfeigen, Tritten und an den Haaren ziehen gefragt worden. Auch psychische Gewalt – Beleidigungen, Bedrohungen, Beschimpfungen, Schikanen – ging in Partnerschaften häufiger von Frauen als von Männern aus. „Psychische Gewalt kann in ihren Folgen mindestens genauso dramatisch sein wie körperliche“, sagt Hölling.

Die Ergebnisse zeigen einen wenig beachteten Aspekt der Diskussion über Gewalt auf, wie die Autoren schreiben: „Die Themen ‚Frauen als Gewalttäterinnen‘ und ‚Männer als Gewaltopfer‘ sind gesellschaftlich noch weitgehend tabuisiert“ – erst allmählich richte sich der Blick der Forschung darauf.


1 Antwort auf „Gewalt gegen Männer, Chemo-WG & Patti Smith“


  1. 1 Patti says « mädchenblog Pingback am 28. Mai 2013 um 17:59 Uhr

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