Fragwürdige Ermittlungen gegen Teresa Z., Geschlechtsselektion & Menstruationstabu

Transfrau darf Freund heiraten, Auskunfts“pflicht“ für Feminist_innen, fragwürdige Ermittlungen im Fall Teresa Z., wie das Menstruationstabu weltweit Frauen schadet, Kunst von Alice Gardner-Bates, pränatale Geschlechtsselektion und die Folgen für Frauen, Protest gegen Barbies Dreamhouse, Rezeption von LGBT-Inhalten in Medien, Anti Gay Violence, Interview mit Jasmin Mittag und warum Germany’s Next Topmodel kein pädagogischer Wert zugesprochen werden kann.

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Im Fall Teresa Z., die vor Monaten von einem Polizisten krankenhausreif geschlagen wurde, scheint nicht Aufklärung der Faustschläge im Mittelpunkt zu stehen, stattdessen wird intensiv gegen die Geschädigte ermittelt:

Dabei interessiert sich die Polizei intensiv für das Leben und die Privatsphäre des Opfers Teresa Z.: Kurz nachdem ihr Handy sichergestellt worden war, wurde ein Bekannter von ihr wegen Drogenbesitzes festgenommen. Er kam in Untersuchungshaft und erhielt nach SZ-Informationen Aussicht auf Freilassung, wenn er Komplizen benenne. Die Fahnder und Staatsanwälte schienen weniger interessiert daran, woher der 30-jährige Münchner die Drogen bezogen hatte, sondern vielmehr daran, an wen er sie verkaufen wollte. Genau genommen schien sich ihr Interesse vor allem auf eine Bekannte zu konzentrieren: Teresa Z.

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Antje Schrupp bloggt über Geschlechtsselektion und weibliche Freiheit:

Es sind vor allem die modernen, an westlichem Lebensstil orientierten Mittel- und Oberschichtsfamilien, die Geschlechtsselektion betreiben, und keineswegs die „einfachen Leute“. Zwar stimmt es, dass viele Kulturen traditionsgemäß dem männlichen „Stammhalter“ einer Familie großen Wert beimessen, aber solange Paare vier, fünf oder sechs Kinder haben, ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ohnehin mindestens ein Junge dabei. Es gibt keinen Grund für vorgeburtliche Geschlechtselektion. Der Wunsch nach gezielter Abtreibung weiblicher Föten entsteht erst dann, wenn die Zahl der Kinder auf eins oder zwei pro Familie beschränkt werden soll oder muss.

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Ninia LaGrande interviewt Jasmin Mittag von der Kampage „Wer braucht Feminismus?“:

Ich bringe den alltäglichen Sexismus, den wir hier alle erleben, stark mit der globalen Benachteiligung und Mißhandlung von verschiedenen Personengruppen und insbesondere von Frauen in Verbindung, sehe Sexismus also vor allem als sogenannte Spitze des Eisbergs.

Gesondert benennen würde ich die allgemeine gesellschaftliche Atmosphäre und die persönlichen Erfahrungen: Also, einmal, die strukturelle Benachteiligung von Frauen, die uns schon als Mädchen spüren lässt, dass wir nur besonders wertvoll sind, solange wir jung und attraktiv und gefällig u.ä. sind und potentiell sexuellen Gefahren ausgesetzt. Und dann konkrete Erlebnisse wie eben persönliche Belästigung, Anmache und Übergriffe.

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Stevie Schmiedel weist darauf hin, wie lächerlich es ist, Germany’s Next Topmodel einen pädagogischen Wert beimessen zu wollen:

Ein paar Tage zuvor lief auf Deutschlandradio die Talkshow-Sendung Lebenszeit, das Thema war Germanys Next Topmodel. Achim Hackenberg unterbricht ähnliche wütende Aussagen von Zuhörern, die bei der Sendung anrufen, wiederholt mit dem Einwand, er müsse doch wirklich bitten, nicht zu übersehen, dass diese Show nur unsere Gesellschaft wiederspiegelt. Es wäre ja furchtbar, wenn wir ihr die Macht zubilligen würden, diese selber zu kreieren. Es sei der Konkurrenzdruck in der Gesellschaft, der hier aufgegriffen und deshalb auch begeistert beobachtet werde. Herr Hackenberg kennt sich aus: Er ist Pädagoge. Und Medienberater, tätig in der FSF, der freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen. Interesse also klar. Kulturwissenschaftlerin Miriam Stehling, die über Topmodel promoviert hat, unterstützt ihn: Es wird bei Topmodel ja auch soziales Verhalten trainiert. Durch die ausgetragenen Zickenkriege lernen Mädchen, wie man sich verhält, und wie nicht. Ah, wie gut, dass es Topmodel gibt!

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Das Mädchenblog stellt noch mal klar, daß der Prostest gegen das Barbie Dreamhouse keineswegs eine theoretische Grundsatzdebatte ist:

Wenn die NPD immer mehr BDM-artige Ferienlager organisiert, wird auch protestiert. Zu Recht. Weil man es nicht gut findet, wenn Kinder mit Werten indoktriniert werden, die man – gelinde gesagt – zutiefst mißbilligt. Weil man keine folgende Generation will, die sich in eine derart verkehrte Richtung entwickelt.
Und da trifft man mit seinem Protest auch auf breites Verständnis.

Aber wenn gegen das „Barbie Dreamhouse“ protestiert wird, gilt das als übertrieben. Die übliche Beschwichtigung „ist doch nur nicht ernstzunehmender Spaß“ taucht unvermeidbar auf. Und der immer noch allerorts tief verankerte Sexismus tut sein übriges (denn „ist doch auch wirklich so, daß alle Frauen/Mädchen von einem begehbaren Kleiderschrank und einer unendlichen Schuhsammlung träumen“ usw.,… Danke Mario Barth…).

Aber trotzdem (oder gerade deswegen!) sollte sich jede_r ehrlich fragen: wollen wir unsere Kinder, unsere zukünftige Generation wirklich so haben?

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Meg Davis teilt ihre Anti Gay Violence-Geschichte
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I was a freshman in high school; I had not been fifteen for more than a couple of weeks. My girlfriend and I had only just emerged from a tumultuous year-and-a-half long period during which we had both come out, found ourselves the targets of vicious anti-gay bullying, and she battled self-harm and suicidal thoughts while I struggled to understand my place in the larger LGBT community. By February 2011, things had started to look up for us. T. was in a much better emotional state, I was in the process of developing what would become the Rainbow Vigil (the precursor to the Week of Action), and the two of us had begun to explore our relationship in new and exciting ways. I had not yet shared with my family that I was in a relationship, so at night, I would sneak out of the house to go and visit with her. Her neighborhood was not too far from mine and I had walked there on my own many times in the past. The night I was attacked, I had no reason to believe I would be the victim of anything.

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Wie die Darstellung von LGBT-Inhalten in Medien helfen können, sich der eigenen sexuellen Identität bewußt zu werden:

Die Rezeption von gay Inhalten in den Medien, Gespräche und Begegnungen mit LGBTQ* Freund_innen und Veranstaltungen waren auch für mich ein Teil von meinem Coming Out-Prozess. Ich hatte quasi schon immer gewusst, dass ich auch auf Frauen* stehe. Aber irgendwann bekamen diese Inhalte eine neue Bedeutung für mich. Ich wusste nicht, ob ich sie anderen zeigen und mit ihnen teilen sollte, da sie sich so verwirrend wichtig und geladen anfühlten. Offensichtlich ist die Sichtbarkeit von LGBTQ*-Themen und Menschen wichtig, damit Leute sich – auch für sich selber – outen können!

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Alice Gardner-Bates
– exploring women, identity, objectification and power:

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Einer Transfrau aus Hongkong ist es nun erlaubt, ihren Freund zu heiraten – jetzt müssen die Gesetze geändert werden:

Es sei falsch, lediglich „bei Geburt festgelegte biologische Merkmale“ zu berücksichtigen, hieß es in dem Urteil. Die derzeit gültigen Ehegesetze in Hongkong beschnitten das Recht der Frau zu heiraten, beklagten die RichterInnen. Die Stadt hat nun zwölf Monate Zeit, die Regelungen zu ändern.

Die transgender Frau, die nur als W. bekannt und etwa dreißig Jahre alt ist, zeigte sich in einer Stellungnahme nach dem Urteil „sehr glücklich“. Die Entscheidung sei „ein Sieg für alle Frauen in Hongkong“, hieß es in der Mitteilung, die von W.s Anwalt verlesen wurde. Der Jurist sprach von einer „historischen Entscheidung“ für die Rechte sexueller Minderheiten.

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Sayantani DasGupta fordert: kein Menstruationstabu mehr, also laßt uns darüber sprechen:

But the availability of sanitary supplies as a women’s human rights issue is not simply confined to the Global South. It is similarly an issue of justice among women who are incarcerated in the U.S. Due to budget cuts in California, for instance, prisons have rationed incarcerated women’s toothpaste and soap as well as sanitary supplies, leading women to engage in prostitution in exchange for basic hygiene goods. In other U.S. prisons, women must buy pads and tampons from the prison commissary. Women without outside friends or family who can send them cash have to do without. In one facility, women who got creative and made tampons with (also rationed) toilet paper had these items taken away. Three pads per month? Doesn’t seem adequate or hygienic to me.

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Frau Dingens verdeutlicht, warum Feminist_innen nicht die Pflicht haben, allen Dahergelaufenen die Welt zu erklären:

Nur weil manche Menschen zufällig in der privilegierten Position sitzen, von feministischen Themen nicht berührt zu werden, gibt es ihnen nicht das Recht an meiner Meinung. Meiner Zeit. Meiner Leidenschaft.

Die Verfügbarmachung von Frauen ist weltweites Muster – körperlich, seelisch, emotional. Immerzu müssen Frauen verfügbar sein. Schön sein. Nett sein. Adrett sein. Intelligent argumentieren. Ihr Meinung begründen. Männer (und Frauen) überzeugen.

Respekt wird an Argumente gebunden: Wenn du mich nicht überzeugen kannst, dann respektiere ich dich auch nicht. Wenn du mir keine Zeit widmest, darf ich dich beschimpfen.


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