Lächelzwang, Schönheitsmythos & die Orsons zu Gast bei den JuSos

Talent hat kein Gender, die Orsons auf Falken-/JuSo-Festival, Anne Wizorec beim Freitag, Schönheitsnormen, Katharina Nocun, Lächelzwang und Jungfräulichkeit.

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Die Falken/JuSos haben kein Problem damit, die Orsons, eine Band mit transphoben/sexistischen/antisemitischen Lyrics zu ihrem „Worker’s Youth“-Festival einzuladen:

Dazu bleibt ei­gent­lich nur zu sagen: Ich hab nichts prin­zi­pi­ell gegen Humor. Nur ist Se­xis­mus nicht lus­tig. Ge­nau­so wenig wie Trans­pho­bie, se­xua­li­sier­te Ge­walt und An­ti­se­mi­tis­mus.

Wovon ich ei­gent­lich rede? Davon, dass eine grot­te­nolm-​schlech­te Band wie “Die Or­sons” fet­ten in­halt­li­chen Müll ab­son­dern darf ohne große Kon­se­quen­zen. Ach doch, Kon­se­quen­zen gibt es: Er­folg. Im­mer­hin ist die Pa­let­te der an­ste­hen­den Gigs recht bunt: Vom “Wor­kers Youth Fes­ti­val” der Fal­ken und Jusos bin hin zum Rock am Ring.

Das Musik und vor allem Rap zum Groß­teil dar­aus be­steht, dass von ihrer Männ­lich­keit sehr über­zeug­te Cis­Män­ner Texte aus männ­li­cher Per­spek­ti­ve an einen ima­gi­nier­ten männ­li­chen Zu­hö­rer rich­ten (und dann trotz­dem auch von Frau­en ge­hört wer­den, aber das ist ein an­de­res Thema) ist man ja schon ge­wöhnt, aber die Or­sons schaf­fen es doch noch ein ne­ga­ti­ves High­light zu sein. Und trotz­dem: Öf­fent­li­che Kri­tik: Fehl­an­zei­ge. Kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung in Re­zen­sio­nen: Nö.

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The Sin City Siren teilt über Schönheitsmythen und Fat Shaming aus:

We can set our own agenda. We, the “fat,” un- “cool” kids can be our own arbiters of fashion and beauty. Because I gotta tell you, I have found a kind of body acceptance and self-appreciation now as a 36-year-old mom than I have ever had. Sure, I was thinner in high school. I had less wrinkles in my 20s. My stomach was without scars from surgeries five years ago. But whenever I see pictures of myself from high school and college, what I notice more than anything is the sadness in my eyes and the anger in my jaw. I was so weighed down, not by pounds you could see but by the invisible weight of so much heartache and emotional battle wounds of a difficult childhood not yet processed and healed. Sure, my forehead is a bit more creased now and there are more and more silver streaks in my hair these days, but when I look in the mirror, I see the happiness in my face and that is beautiful no matter what anyone else says. And I’ll tell you what, I have never gotten so many compliments on how I look as I have in the past year. Happiness is the best beauty product, the best fashion, you can ever have. So, I’ll keep rocking my size-14 ass. Mr. Jeffries might call me fat, but I know better. I’m a sexy mother-fucker.

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High on Clichés regt sich darüber auf, daß Frauen ständig zum Lächeln aufgefordert werden:

Jetzt frage ich mich: Wie kann es passieren, dass ein wildfremder Mann* (oder auch mein Mitstudent, den ich seit diesem Tag eher meide), es für angemessen hält mich dazu aufzufordern, mir eine andere Emotion aufs Gesicht zu pflastern? Wie kann man so völlig selbstzentriert sein, dass man anderen Menschen vorschreibt, welche Gefühle sie zeigen dürfen? Gehe ich bald auf den Rummel und sag dem Verkäufer am Riesenrad, dass er mehr Enthusiasmus (Begeisterung) zeigen soll? Sage ich meinem Zahnarzt, nicht immer so verbissen dreinzusehen, wenn er die Geräte auswählt?

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Warum es nicht nur altmodisch, sondern direkt schädigend für Frauen/Mädchen ist, wenn man ihren Wert an ihrer Jungfräulichkeit mißt, erklärt Jill Filipovic im Guardian:

Where does a woman’s value lie? In her brain? Her heart? Her spirit?

According to right-wing culture warriors, „between her legs“. That’s what underlies the emphasis on virginity as „purity“, and the push for abstinence-only education. And it has very real consequences, most recently articulated by Elizabeth Smart.

Smart, who was kidnapped and held for months while her captor repeatedly raped her, recently discussed how her religious background made her feel worthless after the first rape – how she understands why others wouldn‘t even try to escape, if, like her, they were taught that a sexually „impure“ woman had nothing to offer.

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In einem Interview mit dem Freitag streicht Anne Wizorek noch mal heraus, warum Feminismus alle angeht:

Das ist das Problem von Alltagssexismus. Er ist allgegenwärtig und wird doch unsichtbar gemacht. Die Debatte war unfassbar anstrengend, weil immer wieder behauptet wurde, es handele sich doch nur um Kleinigkeiten – gerade was die Belästigungen auf der Straße angeht. So etwas türmt sich auch auf. Irgendwann ist der Kanal voll.

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Die Netzaktivistin Katharina Nocun ist neue Geschäftsführerin der Piraten:

„Ich möchte von niemandem mehr hören, dass wir diese Bundestagswahl nicht wuppen werde“, rief die 26-Jährige nach ihrer Wahl in den Saal. Sie selbst sei jedenfalls „hochgradig motiviert“. In ihrer Bewerbungsrede hatte sie die Piraten als „die politische Kraft des Kommunikationszeitalters“ beworben und ihre Parteifreunde aufgefordert, sie müssten sich jetzt „verdammt nochmal“ zusammenreißen, um den Einzug in den Bundestag noch hinzubekommen. Dafür gab es donnernden Applaus aus dem Saal.

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Der indische Filmemacher Karan Johar ist genervt, ständig darauf angesprochen zu werden, daß er mit Sonam Nair für seinen neuen Film ausgerechnet einen weiblichen Regisseur beschäftigt und findet, Talent ist wichtiger als das Geschlecht:

„Talent does not have a gender at all and it should not have a gender. Sonam Nair is a very talented young girl. It does not matter that she is a girl, she is very talented director,“ Karan told reporters here.
(…)
„Only in our country we make such differences like, ‚Oh, first time you are working with a female director‘….I have been asked this question a lot. I think she (Sonam Nair) is very talented and talent should not have a gender,“ said the 41-year-old.


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