Die „Femen-isierung“ der Nacktproteste, Sexismustalk & Sharon Otoo in der taz

Anne Wizorek & Jakob Augstein im Gespräch, ein Nachruf auf die Femen, Sharon Otoo äußert sich in der taz, das Missy Magazine lädt zum Sexismus-Talk, vermehrte Übergriffe auf britische Prostituierte, Anne Roth im Interview bei Kleinerdrei und Musik von Bif Naked.

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Nun kommt auch Sharon Otoo in der taz zu Wort und teilt ihre Sicht auf die Geschehnisse beim taz.lab mit erstaunlich viel Geduld und Größe (allerdings sollte man davon Abstand nehmen, sich die Kommentare anzutun):

Sprache ist lediglich ein Mittel zum Zweck. Wenn ich für eine gendergerechte und rassismusfreie Sprache plädiere, dann, weil ich andere – und mich selber – für die eigenen Privilegien zu sensibilisieren versuche. Auch mittels Sprache kann ich mich solidarisch zeigen und es kostet mich wenig. Die möglichen ästhetischen Kosten (dieses Binnen-I sieht so hässlich aus!) erscheinen mir als das kleinere Übel gegenüber den Zumutungen, denen marginalisierte Menschen sonst täglich ausgesetzt sind. Sie haben keine Wahl.

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Das Mädchenblog kritisiert Femen und die Femen-isierung des Nacktprotests:

Femen taugt nur noch dazu, Diskussionen über Femen anzustoßen (was früher oder später langweilig werden wird und sie wohl irgendwann in der Bedeutungslosigkeit versinken werden).
Sie taugen aber nicht mehr dazu, Diskussionen darüber anzustoßen, wie man die Unterdrückung von Frauen bekämpfen kann.
Womit Femen sich überflüssig machen.

Trotzdem wird sich wohl noch sehr lange Zeit nichts daran ändern, daß nackte Frauenkörper fast schon ein Garant für Berichterstattung und öffentliche Aufmerksamkeit sind. Dazu muß man noch nicht mal den Femen angehören und ein Blumenkränzchen oder militärischer Femen-Drill zur Vorbereitung sind eigentlich auch nicht nötig, um sich bei einer Aktion nackig zu machen.

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Die Westminster Sex Worker Task Group beklagt, daß der immer größer werdende finanzielle Druck zu mehr Übergriffen auf britischen Prostituierten führt:

Um den finanziellen Verlust auszugleichen, nehmen SexarbeiterInnen mehr Risiken in Kauf – sie akzeptieren häufiger nicht vertrauenswürdig erscheinende Kunden oder bieten zusätzliche sexuelle Dienstleistungen an. Die Schließung von Bordellen begünstige die Straßenprostitution, und um Kunden zu treffen, seien SexarbeiterInnen mobiler geworden, was den kontinuierlichen Kontakt seitens unterstützender lokaler SexarbeiterInnen-Organisationen erschwere. All das erhöhe die Gefahr, Übergriffen ausgesetzt zu werden, so der Report.

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Anne Wizorek im Gespräch mit Jakob Augstein:

Wieso denn die Frauen nicht auf die Straße gingen, wollte nicht nur Augstein von der Feministin wissen, auch einen Gast im Publikum erregte es sehr, dass seine Kolleginnen nicht genügend für ihre Rechte kämpfen würden. Als Mann würde man sich eine solche Behandlung wie geringere Bezahlung, geringere Einstiegsgehälter und geringere Aufstiegschancen allein aufgrund des Geschlechts auf Dauer ganz bestimmt nicht gefallen lassen, womöglich müssten Frauen nur viel bestimmter auftreten und nicht länger alles dulden, so Augsteins Vermutung.

Wizorek antwortete, dass es unfair sei, an dieser Stelle Frauen die alleinige Schuld zuzuschieben. Doch obwohl Augstein selbst schon beobachtet hatte, dass Männer im Arbeitsalltag den Aufstieg von Frauen „einfach nicht wollen“, schien er das Argument nicht ganz zu glauben. Genauso wenig wie den Hinweis, dass es Frauen gebe, die sich für sich selbst schön machten und nicht um einer Männerwelt zur Genüge zu gereichen.

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Anne Roth in Interview bei Kleinerdrei über Geschlechterverhältnisse, Diskussionsformen und ihr Projekt „50 Prozent“:

Ich bin mir gar nicht so sicher, ob das Selbstbewusstsein das Problem ist. Klar klafft offenbar eine Lücke zwischen der Selbstwahrnehmung der eigenen Wichtigkeit von Frauen und Männern. Es spielt aber auch die Frage eine Rolle “Was habe ich davon – muss ich den Stress unbedingt haben?”

Es ist schwer, diese Frage zu beantworten, ohne entweder banal zu werden oder einen Stapel Statistiken unter dem Arm. Aber es scheint doch so zu sein, dass Frauen eher nur dann auf einer Bühne reden wollen, wenn sie wirklich etwas zu sagen haben, also etwas Neues, etwas Interessantes, und das fertig und rund und durchdacht. Männer haben tendenziell weniger Schwierigkeiten damit, ewig das Gleiche zu erzählen oder von den Ideen anderer zu leben. Mir ist dabei die hier Frauen zugeschriebene Verhaltensweise sympathischer und das hat nichts mit mangelndem Selbstbewusstsein zu tun.

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Das Missy Magazine führt ihre Veranstaltungsreihe zur Abokampagne „Miss no Missy“ und lädt am 20. Mai im HAU zum Sexismus-Talk „There is more to sexism than meets the eye“, außerdem gibt’s dabei noch ein Konzert von Zucker:

Wir thematisieren an diesem Abend, was in der #Aufschrei-Debatte bisher zu kurz kam: Aspekte, die über das eingespielte Machtgefälle zwischen Mann und Frau hinausgehen – Sexismus ist mehr als das, was ins Auge springt. In diesem Sinne werden wir an diesem Abend u.a. über feministischen Online-Aktivismus sprechen, queeren Perspektiven Raum geben oder über die Frage diskutieren, wie sich Sexismus gepaart mit Rassismus, Lookism oder Heteronormativität auswirkt.

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1 Antwort auf „Die „Femen-isierung“ der Nacktproteste, Sexismustalk & Sharon Otoo in der taz“


  1. 1 Naquada 02. Mai 2013 um 21:53 Uhr

    Frau Otoo erklärt das alles so gut und verständig, dass ich nicht begreifen kann, dass so viele Leute es immer noch nicht kapieren, wie verletzend und überflüssig das N-Wort ist.

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