Leihmutterschaft, Netzneutralität & Verweigerung von Pille danach

Das Patriarchat schädigt die Männergesundheit, Verweigerung der Pille danach von einem Arzt in Oldenburg, warum der Vorstoß der Telekom die Netzneutralität verletzt, Mutter-Sein, Geschlecht & Transidentität, Leihmutterschaft, schwedische Gesellschaft & Gender und Kündigung von Inge Hannemann.

____________________________

Wie das patriarchalische Männerbild der Männergesundheit speziell bei psychischen Leiden verschlechtert:

Obwohl mehr Frauen als Männer an Depressionen leiden, nehmen sich dreimal so viele Männer wie Frauen das Leben. Warum? Babak Rafati erklärt es: „Ich konnte mich nicht von meinen Männeridealen verabschieden.“ Diese männlichen Ideale, das sind Stärke, siegen, strahlen. Depressionen, ein vermeintlicher Ausdruck von Schwäche, passen da nicht hinein. Dazu zählt auch, dass Männer mit Seelenleiden – im Gegensatz zu den Frauen – selten zum Arzt gehen.

(Tip an die ganzen selbsternannten „Männerrechtler“: Wäre das nicht ein Feld, in dem Ihr Euch produktiver (und vor allem glaubwürdiger) engagieren und betätigen könntet als mit Feminist_innenbashing?)

**********************

Inge Hannemann, eine Jobcenter-Mitarbeiterin, wie man sie sich wünscht und überall gefordert wird – prompt wird sie gefeuert. Trotzdem lohnt es sich, ihren offenen Brief an ihre Kolleg_innen zu lesen!

Es werden Aktionen durchgeführt, wo das eigene Nachdenken unterbleibt. Ja, wir haben Weisungen. Wir haben aber auch einen eigenen Kopf und so hoffe ich ein Herz und ein Gewissen. Und genau dieses suche ich. Warum erzählt ihr mir als Sozialpädagogen, dass nur mit Druck und Geldentzug die Erwerbslosen an den Tisch kommen? Ist es so? Habt ihr nicht im Studium gelernt, dass Druck Gegendruck erzeugt? Das Druck, vor allem wenn die Existenz bedroht ist, zu Ängsten und zu schwersten Depressionen führt. Und gerade die darauffolgende Depression macht es einem Menschen unmöglich zu agieren. Sie verkriechen sich in ihren eigenen vier Wänden. Es fehlt die Kraft zum Aufstehen und Licht in die Seele zu lassen. Dieses Gefühl ist so mächtig, dass sie dann lieber das reduzierte Geld in Kauf nehmen. Ein Teufelskreis entsteht. Allerdings nur beim Betroffenen. Wie reagieren wir als Jobcenter? Es folgt die nächste Sanktion bis hin zur Vollsanktion.

******************

Ein weiterer Grund, weshalb die Rezeptpflicht für die Pille danach abgeschafft gehört – ein Arzt in Oldenburg wollte sie einer Frau einfach nicht verschreiben:

Karin H. half der Arztbesuch in der Notdienstpraxis bei ihrem Anliegen nicht weiter – sondern stellte neben der Rezeptpflicht eine weitere Hürde dar. Antje Heinemann-Sanders, Leiterin von Pro Familia Oldenburg, erklärt: „Aus der Sicht einer Beraterin gibt es natürlich eine Hemmschwelle, in eine Notarztpraxis oder ins Krankenhaus zu gehen und sich durchzufragen. Dass es Probleme bei der Verschreibung gibt, erleben wir immer wieder.“

**********************

Impressionen aus Schweden – wie sich die deutsche und schwedische Gesellschaft in Genderfragen unterscheidet, positiv wie negativ:

Es gibt eine merkwürdige Gleichzeitigkeit von Fortschritt und Rückschritt in Schweden. Während schwedische JournalistInnen über die deutsche Sexismusdebatte lächeln, feiern sie Knausgård wie einen Messias. Während schwedische Männer ihren gleichberechtigten Dienst tun, lesen sie abends heimlich im Bett Min Kamp. Während man überall in Schweden das Ende einer patriarchalen Männlichkeit beobachten kann, werden die wenigen, die diese noch behaupten, verehrt wie Halbgötter.

*******************

Ein schwules Paar wünscht sich Kinder und reist für Eizellenspende und Leihmutter in die USA - weil dies in Deutschland nicht möglich ist:

Anruf bei Tobias Helms, der an der Marburger Philipps-Universität die Professur für Bürgerliches Recht, Privatrecht und Rechtsvergleichung innehat. Er ist Experte in Internationalem Familienrecht. Der deutsche Staat, sagt Helms, verbiete Leihmutterschaft »aus Sorge, dass ein Leihmutter-Kind unter Identifikationsproblemen leiden könnte«. Das Verbot solle auch Konflikte verhindern, falls eine Leihmutter das Kind nicht hergebe oder ein behindertes Kind nicht von den Auftragseltern in Obhut genommen werde. Väter wie Jürgen und Axel Haase, sagt er, »bewegen sich bei ausländischen Leihmutterschaften in einer rechtlichen Grauzone«.

******************

Warum die neuen DSL-Verträge mit beschränktem Datenvolumen die Netzneutralität massiv schädigen und wie weitreichend die Beschneidung eigentich ist, rechnen Torsten Kleinz in der Zeit und Sascha Lobo aus:

Die Netzneutralität aber ist die Grundvoraussetzung für ein freies, offenes und sicheres Internet. Netzneutralität bedeutet, die im Netz fließenden Daten so gleich wie technisch sinnvoll zu behandeln. Fängt ein Netzbetreiber damit an, die Daten je nach Absender und Adressat zu unterscheiden – dann droht das freie, offene Internet selbst zum Markt zu werden, und zwar an der gefährlichsten Stelle überhaupt: dem Informationsaustausch. Allein das Prinzip der Netzneutralität garantiert, dass ein Internetanschluss ausreicht, um alle Daten im Netz ansteuern zu können. Die Abschaffung dieses Prinzips würde über kurz oder lang dazu führen, dass man nicht nur einen Netzzugang kaufen muss – sondern dazu auch für Facebook, YouTube oder eine Blogplattform extra bezahlen muss.

**********************

aufZehenspitzen übers „Mutter-Sein“:

Eine Mutter zu sein, das erklärt dir die Gesellschaft* unermüdlich, ist die Bestimmung eines jeden Mädchens. Kinderlose Frauen aus meinem Heimatort hatten schon immer den Stempel des Mangelhaften. Ihnen “fehlte” der Nachwuchs, um als vollständige Frau gesehen zu werden. Dass die Mutter-Werdung zwangsläufig zur Vollendung des Lebens (aus extrinsischer Motivation ebenso wie aus intrinsischer versteht sich) gehört, wird – abgesehen vom rollenspezifischen kindlichen Spiel und Spaß – erstmalig in der Schule fühlbare Wirklichkeit: in Form der (mehr oder weniger) verpflichtenden Massenrötelnimpfung.

*****************

Gedanken zu Geschlecht und Identitätszuschreibungen bei anarchie & lihbe:

Während meines ersten Atemzugs wurde ich bereits gebrandet: Mädchen. Das stand offiziell auf irgendeinem Papier und das haben dann alle unterschrieben. Inoffiziell stand noch viel mehr drauf, aber diese Mädchensache ist im Moment am weitesten vorn in meinem Kopf. Jetzt muss ich reagieren auf die Genderungsaggression der Draußenwelt, also das dauernde, stetige, überall geschehende gegendert werden, einem Geschlecht (dem Geschlecht) zugeordnet werden. Ich muss Entscheidungen treffen über meinen Körper und dann muss ich diese Entscheidungen umsetzen. Ein Hauchfeines Netz aus Sanktionen und Belohnungen überzieht jeden weiteren Atemzug und wenn ich dagegen aufbegehre weiß ich nichtmal ob es sowas wie ein Aufbegehren überhaupt gibt.


0 Antworten auf „Leihmutterschaft, Netzneutralität & Verweigerung von Pille danach“


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


− zwei = fünf