Archiv für April 2013

Die „Femen-isierung“ der Nacktproteste, Sexismustalk & Sharon Otoo in der taz

Anne Wizorek & Jakob Augstein im Gespräch, ein Nachruf auf die Femen, Sharon Otoo äußert sich in der taz, das Missy Magazine lädt zum Sexismus-Talk, vermehrte Übergriffe auf britische Prostituierte, Anne Roth im Interview bei Kleinerdrei und Musik von Bif Naked.

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Nun kommt auch Sharon Otoo in der taz zu Wort und teilt ihre Sicht auf die Geschehnisse beim taz.lab mit erstaunlich viel Geduld und Größe (allerdings sollte man davon Abstand nehmen, sich die Kommentare anzutun):

Sprache ist lediglich ein Mittel zum Zweck. Wenn ich für eine gendergerechte und rassismusfreie Sprache plädiere, dann, weil ich andere – und mich selber – für die eigenen Privilegien zu sensibilisieren versuche. Auch mittels Sprache kann ich mich solidarisch zeigen und es kostet mich wenig. Die möglichen ästhetischen Kosten (dieses Binnen-I sieht so hässlich aus!) erscheinen mir als das kleinere Übel gegenüber den Zumutungen, denen marginalisierte Menschen sonst täglich ausgesetzt sind. Sie haben keine Wahl.

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Das Mädchenblog kritisiert Femen und die Femen-isierung des Nacktprotests:

Femen taugt nur noch dazu, Diskussionen über Femen anzustoßen (was früher oder später langweilig werden wird und sie wohl irgendwann in der Bedeutungslosigkeit versinken werden).
Sie taugen aber nicht mehr dazu, Diskussionen darüber anzustoßen, wie man die Unterdrückung von Frauen bekämpfen kann.
Womit Femen sich überflüssig machen.

Trotzdem wird sich wohl noch sehr lange Zeit nichts daran ändern, daß nackte Frauenkörper fast schon ein Garant für Berichterstattung und öffentliche Aufmerksamkeit sind. Dazu muß man noch nicht mal den Femen angehören und ein Blumenkränzchen oder militärischer Femen-Drill zur Vorbereitung sind eigentlich auch nicht nötig, um sich bei einer Aktion nackig zu machen.

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Die Westminster Sex Worker Task Group beklagt, daß der immer größer werdende finanzielle Druck zu mehr Übergriffen auf britischen Prostituierten führt:

Um den finanziellen Verlust auszugleichen, nehmen SexarbeiterInnen mehr Risiken in Kauf – sie akzeptieren häufiger nicht vertrauenswürdig erscheinende Kunden oder bieten zusätzliche sexuelle Dienstleistungen an. Die Schließung von Bordellen begünstige die Straßenprostitution, und um Kunden zu treffen, seien SexarbeiterInnen mobiler geworden, was den kontinuierlichen Kontakt seitens unterstützender lokaler SexarbeiterInnen-Organisationen erschwere. All das erhöhe die Gefahr, Übergriffen ausgesetzt zu werden, so der Report.

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Anne Wizorek im Gespräch mit Jakob Augstein:

Wieso denn die Frauen nicht auf die Straße gingen, wollte nicht nur Augstein von der Feministin wissen, auch einen Gast im Publikum erregte es sehr, dass seine Kolleginnen nicht genügend für ihre Rechte kämpfen würden. Als Mann würde man sich eine solche Behandlung wie geringere Bezahlung, geringere Einstiegsgehälter und geringere Aufstiegschancen allein aufgrund des Geschlechts auf Dauer ganz bestimmt nicht gefallen lassen, womöglich müssten Frauen nur viel bestimmter auftreten und nicht länger alles dulden, so Augsteins Vermutung.

Wizorek antwortete, dass es unfair sei, an dieser Stelle Frauen die alleinige Schuld zuzuschieben. Doch obwohl Augstein selbst schon beobachtet hatte, dass Männer im Arbeitsalltag den Aufstieg von Frauen „einfach nicht wollen“, schien er das Argument nicht ganz zu glauben. Genauso wenig wie den Hinweis, dass es Frauen gebe, die sich für sich selbst schön machten und nicht um einer Männerwelt zur Genüge zu gereichen.

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Anne Roth in Interview bei Kleinerdrei über Geschlechterverhältnisse, Diskussionsformen und ihr Projekt „50 Prozent“:

Ich bin mir gar nicht so sicher, ob das Selbstbewusstsein das Problem ist. Klar klafft offenbar eine Lücke zwischen der Selbstwahrnehmung der eigenen Wichtigkeit von Frauen und Männern. Es spielt aber auch die Frage eine Rolle “Was habe ich davon – muss ich den Stress unbedingt haben?”

Es ist schwer, diese Frage zu beantworten, ohne entweder banal zu werden oder einen Stapel Statistiken unter dem Arm. Aber es scheint doch so zu sein, dass Frauen eher nur dann auf einer Bühne reden wollen, wenn sie wirklich etwas zu sagen haben, also etwas Neues, etwas Interessantes, und das fertig und rund und durchdacht. Männer haben tendenziell weniger Schwierigkeiten damit, ewig das Gleiche zu erzählen oder von den Ideen anderer zu leben. Mir ist dabei die hier Frauen zugeschriebene Verhaltensweise sympathischer und das hat nichts mit mangelndem Selbstbewusstsein zu tun.

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Das Missy Magazine führt ihre Veranstaltungsreihe zur Abokampagne „Miss no Missy“ und lädt am 20. Mai im HAU zum Sexismus-Talk „There is more to sexism than meets the eye“, außerdem gibt’s dabei noch ein Konzert von Zucker:

Wir thematisieren an diesem Abend, was in der #Aufschrei-Debatte bisher zu kurz kam: Aspekte, die über das eingespielte Machtgefälle zwischen Mann und Frau hinausgehen – Sexismus ist mehr als das, was ins Auge springt. In diesem Sinne werden wir an diesem Abend u.a. über feministischen Online-Aktivismus sprechen, queeren Perspektiven Raum geben oder über die Frage diskutieren, wie sich Sexismus gepaart mit Rassismus, Lookism oder Heteronormativität auswirkt.

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Feminismus & normative Ethik, Sharon Otoo und The UnSlut Project

The UnSlut Project gegen Slutshaming, Menschenrechtsexpertin über die Sarrazinrüge, Boston Marathon & White Priviledge, Experimentalmusikerinnen, Feminismus & normative Ethik und Sharon Otoo im Briefwechsel mit der taz.

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Menschenrechts-Expertin Beate Rudolf im Intervirew
mit der taz, über NSU und die Sarrazin-Rüge:

Die strafrechtliche Sanktionierung ist das letzte und schärfste Mittel. Das wirksamste Mittel liegt in der öffentlichen Debatte. Das Problem dabei ist, dass diejenigen, die von Rassismus betroffen sind, oft nur wenig Gehör finden, ihre Kritik wird oft als Überempfindlichkeit abgetan. Das Verständnis muss wachsen, dass Rassismus in jeder Form die Grundlagen des Miteinanders untergräbt.
(…)
Der Nationalsozialismus hat vor Augen geführt, wohin ein extremer Rassismus führen kann. Das Selbstverständnis der Bundesrepublik gründet auf der Abgrenzung zu diesem Unrechtsregime. Gleichzeitig ist der Blick darauf verengt. Zeitgenössische Formen des Rassismus, die in der ganzen Gesellschaft verbreitet sind, sind deshalb schwieriger zu überwinden. Hinzu kommt die fehlende Aufarbeitung der eigenen kolonialen Vergangenheit.

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Was die Berichterstattung über den Anschlag beim Marathon in Boston mit White Priviledge zu tun hat:

Fear of reprisals? A man assaulted a Pakistani woman and her friend in Boston (their children were present), and according to the victims, he screamed, “F___ you Muslims! You are terrorists! I hate you! You are involved in the Boston explosions! F___ you!” the whole time. Thanks xenophobic and racist assumptions, you really help make the world a safer place!

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Wie Sharon Otoo Deniz Yücels „Moderation“ beim taz.lab sieht und wie dürftig die taz-Redaktion darauf reagierte:

Es gab sehr wenig Recherche zu meiner Person._ Der Moderator hatte zur Vorbereitung des Podiums versucht, mich einmal noch telefonisch zu erreichen – dann wurde allerdings trotzdem ein Artikel geschrieben, in dem offensichtlich wurde, dass außer “Rampensau,” “Mutter” und ”Entertainer” ihm nicht besonders viel mehr zu mir einfiel. Schade. Ich glaube, ich bin nicht auf das Podium eingeladen worden wegen dieser Attribute (wenn überhaupt von Rampensau und Entertainer die Rede sein kann). Ärgerlich, weil es sicherlich zu den Aufgaben einer guten Moderation gehört, die Gäste auszuwählen, einzuladen und sich über sie zu informieren. Ein gut ausgewähltes Podium ist wesentlich, damit die Meinungen, die repräsentiert werden, ausgewogen sind. Es scheint mir, maßgeblich für die Einladung war schlichtweg, dass ich Schwarz bin. Das hat als Qualifikation offensichtlich gereicht, damit Herr Yücel eine Person auf dem Podium hat, über die er sich lustig machen könnte. Es fehlte offensichtlich im Orga-Team an gutem Management, um im Vorfeld zu verhindern, dass Herr Yücel mit so wenig Kompetenz und Vorarbeit gerade dieses Podium moderieren sollte.

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The UnSlut Project tritt an zum Kampf gegen Slutshaming:

The UnSlut Project is inspired by my own experience. When I was eleven years old, I was branded a “slut” by my classmates and for the next few years of my life, I was bullied incessantly at school, after school, and online (this was 1997 in the days of AIM, and of course online bullying has only gotten worse).

During all this, I kept a regular diary. I decided to kick off The UnSlut Project by publishing these diary entries online, one at a time, without changing a word and with very limited commentary (except for changing all names, including my own). It’s my hope that, in addition to providing perspective to young girls, these entries can refresh adult readers’ memories by offering the unadulterated voice of an eleven year old who considered suicide multiple times and, thankfully, never went through with it.

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10 der interessantesten Experimantal-Musikerinnen, beispielsweise Leila:

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Gedanken zu Feminismus und normativer Ethik bei mellowness:

I have noticed that many moral ideas pervade feminist discourse. Some of the most common ones are agency, consent, equality, and dehumanization. Why do we value these ideas? This question is almost always left unanswered in feminist discourse. I believe that the reason few people pay attention to that question, in addition to related questions regarding ethics, is that the majority of feminist discourse – and even general social justice discourse, broadly speaking – ignores normative ethics.

Yücel, Hannemann & eVibes vs. Femen

Kurdische Männer als Solidaritäts-Crossdresser, Rückblick auf das Femen/Evibes-Podium, was bei der Frauenförderung zu tun wäre, nochmal Inge Hannemann und ein Überblick über die Yücel/N-Wort-Debatte.

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Die Schlüsse, die evibes aus der Podiumsdiskussion mit den Femen zieht:

Femen sahen keinen Grund, Abstand von der “Sexindustrie”-Aktion zu nehmen und konnten auch die Kritik an dieser Aktion sowie an ihrer Gruppe nicht nachvollziehen. Die mit Deutschlandlogo-Shirts und Blumenkränzchen geschmückten Femen entschieden sich, die bei der Aktion in Hamburg getätigten Aussagen nicht etwa zu revidieren, sondern zu wiederholen und zu bekräftigen. Prostitution sei ja schließlich schlimm und deshalb müsse mensch sie auch mit anderem Schlimmen vergleichen/gleichsetzen. Es herrschten dabei nun mal teilweise auch Zustände wie in KZs. Außerdem sei so eine Provokation eben nötig, gerade in Deutschland, wo Themen wie der NS und Faschismus tabuisiert würden (dies wurde auch aus dem Publikum geäußert). Dass nach erneuten Relativierungen (immer und immer wieder) die Diskussion nicht sofort beendet wurde, war ein riesiges Zugeständnis, dessen Berechtigung fraglich ist.

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Ein schöner Überblick über die Ereignissen beim taz.lab mit Deniz Yücel auf dem Mädchenblog:

Unter dem Titel „Meine Damen und Herren, liebe N-Wörter und Innen“ sollte auf dem „taz.lab“ am vergangenen Wochenende eine Podiumsdiskussion stattfinden. Als Gäste waren die Schriftstellerin Sharon Otoo, die Zeitungskolumnistin Mely Kiyak und der Titanic-Chefredakteur Leo Fischer eingeladen, moderiert werden sollte die Veranstaltung vom taz-Journalisten Deniz Yücel. Der aber wollte sich lieber profilieren und Menschen beleidigen.

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Nochmal Inge Hannemann, informativer Artikel beim Standard:

„Hatte jemand keine Krankmeldung, konnte man ihn sanktionieren, das dauert rund zehn Minuten“, sagt sie. „Ich konnte ihn aber auch noch einmal losschicken oder selbst beim Arzt anrufen, das dauert auch zehn Minuten.“ Auch beim Nichtverhängen von Sanktionen hielt sie sich streng an arbeitsrechtliche Vorschriften. Denn eigentlich gibt es für Arbeitsvermittler wie Hannemann zwar keinen Ermessensspielraum, doch wenn es gute Begründungen für eine Absage vorliegen, muss nicht sanktioniert werden.

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Die Süddeutsche hat ihre Leser_innen nach Vorschlägen gefragt, was man denn politisch am besten zur Frauenförderungen tun sollte. Geantwortet haben anscheinend allerdings nur Frauen.

Mehrfach genannt wird auch der Wunsch nach einem gesellschaftlichen Wandel. Es müsse endlich selbstverständlich werden, dass Eltern ihre Erwerbstätigkeit mit ihrem Familienleben vereinbaren können – und zwar Männer wie Frauen. „Es wird Zeit, dass in der deutschen Wahrnehmung die Erwerbstätigen nicht mehr eingeteilt werden in Karrieremenschen und Familienmenschen“, findet eine Leserin. Auch Väter müssten als „Familienmenschen“ gesehen werden.

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Kurdische Männer werden aus Solidarität zum Crossdresser:

Leihmutterschaft, Netzneutralität & Verweigerung von Pille danach

Das Patriarchat schädigt die Männergesundheit, Verweigerung der Pille danach von einem Arzt in Oldenburg, warum der Vorstoß der Telekom die Netzneutralität verletzt, Mutter-Sein, Geschlecht & Transidentität, Leihmutterschaft, schwedische Gesellschaft & Gender und Kündigung von Inge Hannemann.

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Wie das patriarchalische Männerbild der Männergesundheit speziell bei psychischen Leiden verschlechtert:

Obwohl mehr Frauen als Männer an Depressionen leiden, nehmen sich dreimal so viele Männer wie Frauen das Leben. Warum? Babak Rafati erklärt es: „Ich konnte mich nicht von meinen Männeridealen verabschieden.“ Diese männlichen Ideale, das sind Stärke, siegen, strahlen. Depressionen, ein vermeintlicher Ausdruck von Schwäche, passen da nicht hinein. Dazu zählt auch, dass Männer mit Seelenleiden – im Gegensatz zu den Frauen – selten zum Arzt gehen.

(Tip an die ganzen selbsternannten „Männerrechtler“: Wäre das nicht ein Feld, in dem Ihr Euch produktiver (und vor allem glaubwürdiger) engagieren und betätigen könntet als mit Feminist_innenbashing?)

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Inge Hannemann, eine Jobcenter-Mitarbeiterin, wie man sie sich wünscht und überall gefordert wird – prompt wird sie gefeuert. Trotzdem lohnt es sich, ihren offenen Brief an ihre Kolleg_innen zu lesen!

Es werden Aktionen durchgeführt, wo das eigene Nachdenken unterbleibt. Ja, wir haben Weisungen. Wir haben aber auch einen eigenen Kopf und so hoffe ich ein Herz und ein Gewissen. Und genau dieses suche ich. Warum erzählt ihr mir als Sozialpädagogen, dass nur mit Druck und Geldentzug die Erwerbslosen an den Tisch kommen? Ist es so? Habt ihr nicht im Studium gelernt, dass Druck Gegendruck erzeugt? Das Druck, vor allem wenn die Existenz bedroht ist, zu Ängsten und zu schwersten Depressionen führt. Und gerade die darauffolgende Depression macht es einem Menschen unmöglich zu agieren. Sie verkriechen sich in ihren eigenen vier Wänden. Es fehlt die Kraft zum Aufstehen und Licht in die Seele zu lassen. Dieses Gefühl ist so mächtig, dass sie dann lieber das reduzierte Geld in Kauf nehmen. Ein Teufelskreis entsteht. Allerdings nur beim Betroffenen. Wie reagieren wir als Jobcenter? Es folgt die nächste Sanktion bis hin zur Vollsanktion.

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Ein weiterer Grund, weshalb die Rezeptpflicht für die Pille danach abgeschafft gehört – ein Arzt in Oldenburg wollte sie einer Frau einfach nicht verschreiben:

Karin H. half der Arztbesuch in der Notdienstpraxis bei ihrem Anliegen nicht weiter – sondern stellte neben der Rezeptpflicht eine weitere Hürde dar. Antje Heinemann-Sanders, Leiterin von Pro Familia Oldenburg, erklärt: „Aus der Sicht einer Beraterin gibt es natürlich eine Hemmschwelle, in eine Notarztpraxis oder ins Krankenhaus zu gehen und sich durchzufragen. Dass es Probleme bei der Verschreibung gibt, erleben wir immer wieder.“

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Impressionen aus Schweden – wie sich die deutsche und schwedische Gesellschaft in Genderfragen unterscheidet, positiv wie negativ:

Es gibt eine merkwürdige Gleichzeitigkeit von Fortschritt und Rückschritt in Schweden. Während schwedische JournalistInnen über die deutsche Sexismusdebatte lächeln, feiern sie Knausgård wie einen Messias. Während schwedische Männer ihren gleichberechtigten Dienst tun, lesen sie abends heimlich im Bett Min Kamp. Während man überall in Schweden das Ende einer patriarchalen Männlichkeit beobachten kann, werden die wenigen, die diese noch behaupten, verehrt wie Halbgötter.

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Ein schwules Paar wünscht sich Kinder und reist für Eizellenspende und Leihmutter in die USA - weil dies in Deutschland nicht möglich ist:

Anruf bei Tobias Helms, der an der Marburger Philipps-Universität die Professur für Bürgerliches Recht, Privatrecht und Rechtsvergleichung innehat. Er ist Experte in Internationalem Familienrecht. Der deutsche Staat, sagt Helms, verbiete Leihmutterschaft »aus Sorge, dass ein Leihmutter-Kind unter Identifikationsproblemen leiden könnte«. Das Verbot solle auch Konflikte verhindern, falls eine Leihmutter das Kind nicht hergebe oder ein behindertes Kind nicht von den Auftragseltern in Obhut genommen werde. Väter wie Jürgen und Axel Haase, sagt er, »bewegen sich bei ausländischen Leihmutterschaften in einer rechtlichen Grauzone«.

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Warum die neuen DSL-Verträge mit beschränktem Datenvolumen die Netzneutralität massiv schädigen und wie weitreichend die Beschneidung eigentich ist, rechnen Torsten Kleinz in der Zeit und Sascha Lobo aus:

Die Netzneutralität aber ist die Grundvoraussetzung für ein freies, offenes und sicheres Internet. Netzneutralität bedeutet, die im Netz fließenden Daten so gleich wie technisch sinnvoll zu behandeln. Fängt ein Netzbetreiber damit an, die Daten je nach Absender und Adressat zu unterscheiden – dann droht das freie, offene Internet selbst zum Markt zu werden, und zwar an der gefährlichsten Stelle überhaupt: dem Informationsaustausch. Allein das Prinzip der Netzneutralität garantiert, dass ein Internetanschluss ausreicht, um alle Daten im Netz ansteuern zu können. Die Abschaffung dieses Prinzips würde über kurz oder lang dazu führen, dass man nicht nur einen Netzzugang kaufen muss – sondern dazu auch für Facebook, YouTube oder eine Blogplattform extra bezahlen muss.

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aufZehenspitzen übers „Mutter-Sein“:

Eine Mutter zu sein, das erklärt dir die Gesellschaft* unermüdlich, ist die Bestimmung eines jeden Mädchens. Kinderlose Frauen aus meinem Heimatort hatten schon immer den Stempel des Mangelhaften. Ihnen “fehlte” der Nachwuchs, um als vollständige Frau gesehen zu werden. Dass die Mutter-Werdung zwangsläufig zur Vollendung des Lebens (aus extrinsischer Motivation ebenso wie aus intrinsischer versteht sich) gehört, wird – abgesehen vom rollenspezifischen kindlichen Spiel und Spaß – erstmalig in der Schule fühlbare Wirklichkeit: in Form der (mehr oder weniger) verpflichtenden Massenrötelnimpfung.

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Gedanken zu Geschlecht und Identitätszuschreibungen bei anarchie & lihbe:

Während meines ersten Atemzugs wurde ich bereits gebrandet: Mädchen. Das stand offiziell auf irgendeinem Papier und das haben dann alle unterschrieben. Inoffiziell stand noch viel mehr drauf, aber diese Mädchensache ist im Moment am weitesten vorn in meinem Kopf. Jetzt muss ich reagieren auf die Genderungsaggression der Draußenwelt, also das dauernde, stetige, überall geschehende gegendert werden, einem Geschlecht (dem Geschlecht) zugeordnet werden. Ich muss Entscheidungen treffen über meinen Körper und dann muss ich diese Entscheidungen umsetzen. Ein Hauchfeines Netz aus Sanktionen und Belohnungen überzieht jeden weiteren Atemzug und wenn ich dagegen aufbegehre weiß ich nichtmal ob es sowas wie ein Aufbegehren überhaupt gibt.

Feministische Countrymusic Playlist, Cybersexismus & Barbie ohne Make-Up

Barbie ohne Make-Up, Game of Thrones, feministische Country Playlist, Sexismus im Fußball, „Postgeheimnis“, Islamhasser-Hetze, Panel zu Sexismus im Netz, und Laura Bates erzählt von Haßmails und Spuren hinterlassenden Geschichten beim Everyday Sexism Project.

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Märchenstunde mit Onkel Michi
– die Parolen der Partei „Die Freiheit“ und der Protest dagegen:

Ein Freund der „Freiheit“ hält ein Kruzifix in die Höhe, daneben zwei Plakate: „Christus ist die Wahrheit. Mohammed ist die Lüge.“ Stürzenbergers Mitstreiter sind an diesem Tag aus ganz Deutschland angereist, aus Schleswig-Holstein, Thüringen, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen. Und aus Berlin. Nach sechs Stunden steigt René Stadtkewitz einen Meter nach oben. Er ist der Bundesvorsitzende der Partei „Die Freiheit“, er ist der Star der Szene, Stürzenberger läuft mit der Filmkamera um ihn herum. Stadtkewitz gibt sich smart, seine Aussagen aber unterscheiden sich im Kern nicht von denen Stürzenbergers. Er bezichtigt den bayerischen Innenminister, der die „Freiheit“ in Bayern und PI-München beobachten lässt, der „Lüge“ und kündigt juristische Schritte an.

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taz.lab-Panel zu Cybersexismus
mit Anke Domscheit-Berg, Anke Wizorek, Bernd Schlömer und Katrin Rönicke:

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Auch Anne Wizorek, die mit ihrem Aufschrei-Ausruf auf Twitter unglaublich viele Frauen motivierte, ihre Erfahrungen mit Sexismus im Alltag offen zu legen, meint, Twitter sei zeitweise für sie nicht mehr nutzbar. „Wenn solche Frauen wie du ihre Vötzchen und ihre Titten rausstrecken“, hätte ihr kürzlich einer geschrieben, „und bei dem Namen, könne sie ohnehin gleich zurück nach Polen“. – Zum Sexismus komme also gleich noch Rassismus dazu, meint sie.

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Kritik an dem vermeintlich feministischen Frauenbild
in der Fernsehserie „Game of Thrones“:

G. R. R. Martin sagte der britischen Zeitung Daily Telegraph kürzlich im Interview: „Ja, es handelt sich um Fantasy, aber die Charaktere müssen trotzdem realistisch sein.“ Dabei mag er übersehen, dass diese angestrebte Echtheit immer nur aus den Kategorien und Stereotypen zusammengesetzt sein kann, die unsere Gesellschaft und unsere eigenen Erfahrungen innerhalb dieser Gesellschaft uns ermöglichen. Einen Krieg ohne Vergewaltigungen darzustellen mag den Krieg verharmlosen, Martins Explizitheit hingegen droht, das Problem zur quasi-natürlichen Normalität zu erklären und öffnet dem Voyeurismus der Serie Tür und Tor.

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Via postsecret

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Die Jungle World
über das Sexismusproblem im Fußball:

Bei Männern wird fußballerisches Interesse und entsprechender Sachverstand vorausgesetzt, ihnen wird nie die Was-ist-Abseits-Testfrage gestellt, auch nicht, wenn sie zum ersten Mal ein Spiel sehen. ›Ihr‹ Sport ist männlich (und heterosexuell), nicht wenige wünschen sich, »dass einer dem anderen die Knochen poliert« (Hoeneß), und Männlichkeitsrituale werden von einigen auf der Tribüne oder vor dem Stadion zelebriert und bewundert: die tiefer-gelegten, grölenden Stimmen, die gemeinschaftlich entblößten Oberkörper, das Gerede von männlichen Geschlechtsorganen (»Eier«), das gemeinschaftliche Pinkeln gegen Hauswände, Hecken oder Zäune vor dem Spiel (wird so das Revier markiert?), das Biertrinken bis zum Umfallen, und was echte Kerle eben so von Mädchen unterscheidet.

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Für all diejenigen, die sich je gefragt haben, wie Barbie aussieht, wenn sie morgens aus dem Bett steigt:
Barbie ungeschminkt

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Bitch Magazine präsentiert die ultimative Feminist Country Music Playlist (leider ein bißchen kurz):

Feminist Country Playlist

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Laura Bates vom EverydaySexism-Project über Horrorstorys und Haßmails:

And the huge success of the project wasn‘t the only thing I didn‘t anticipate. One of the earliest entries read: „You experience sexism because women are inferior in every single way to men. The only reason you have been put on this planet is so we can fuck you.“ The message ended: „Please die.“ The sheer level of vitriol took me by surprise, as hate-filled missives poured in, ranging from graphic descriptions of domestic violence to threats of torture, death and rape.